Öffentlicher Dienst

Ist ein Durchbruch im Tarifpoker der Länder in Sicht?

11. Februar 2026, 15:03 Uhr · Quelle: dpa
Tarifverhandlungen öffentlicher Dienst
Foto: Soeren Stache/dpa
Begleitet wurde der Verhandlungsauftakt von erneuten Demonstrationen.
Ob an Unikliniken, Hochschulen, an Museen, in Zoos oder Behörden - überall pochen Beschäftigte auf mehr Geld. Drei Tage lang wird jetzt wieder verhandelt. Wie stehen die Chancen?

Potsdam (dpa) - Auf den Straßen wurde in den vergangenen Tagen immer häufiger protestiert, nun kommen Gewerkschaften und Arbeitgeber wieder am Verhandlungstisch zusammen. Gelingt ein Durchbruch im Tarifstreit um den öffentlichen Dienst? In welche Richtung die Verhandlungen gehen und was dahintersteckt: 

Wann wird klar, ob ein Durchbruch gelingt?

Wahrscheinlich am dritten Tag der Schlussverhandlungen am Freitag in Potsdam - es könnte aber auch die Nacht oder der Samstag werden, heißt es in Verhandlungskreisen. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) bietet nach Angaben ihres Verhandlungsführers Andreas Dressel Erhöhungen in drei Schritten mit einer Laufzeit von 26 Monaten. Verbesserungen für Schichtbeschäftigte und Azubis sollen dazukommen. Zusammen seien dies mehr als fünf Prozent mehr Einkommen. «Bei einer Inflationserwartung in dem Zeitraum von 4,83 Prozent», wie der Hamburger SPD-Finanzsenator direkt vor Gesprächsbeginn in Potsdam sagt. «Das werden wir jetzt weiter konkretisieren.» 

Ist es also eine vergleichsweise einfache Tarifrunde?

Hört man Verdi-Chef Frank Werneke, dann: Nein. «Dass das als Einigung im Raum steht, kann ich vom bisherigen Gesprächs- und Verhandlungsverlauf eindeutig nicht bestätigen», so Werneke über die angeblichen Angebote der Länder. Bereits Verdi-Vizechefin Christine Behle hatte über das Angebot Dressels gesagt: «Das ist auf der einen Seite zu niedrig vom Volumen, und die Laufzeit ist aus unserer Sicht zu lang.» Beispiele verdeutlichen die Größenordnung: So kommt ein Intensivpfleger in Düsseldorf auf rund 56.000 Euro, Berufsanfänger am Uniklinikum Leipzig kommen nach Klinik-Angaben inklusive Zulage auf 54.500 Euro im Jahr. Hiervon fünf Prozent wären gut 2.700 Euro mehr.

Was wollen die Gewerkschaften mindestens erreichen?

Die Kernforderung lautet: Sieben Prozent mehr Geld im Monat – mindestens aber 300 Euro zusätzlich. Das soll die unteren Lohngruppen stärken. 200 Euro pro Monat mehr soll es für Nachwuchskräfte geben. Die Laufzeit müsse zwölf Monate betragen. Der Verdi-Chef hat aber längst durchblicken lassen, dass als Mindestresultat der Abschluss dienen soll, den die Gewerkschaften im April 2025 mit Bund und Kommunen erzielt hatten. Das Ergebnis damals: Mehr Geld in zwei Stufen (3,0 Prozent, mindestens aber 110 Euro mehr im Monat, dann noch einmal 2,8 Prozent).

Wie wahrscheinlich ist ein Abschluss wie bei Bund und Kommunen?

Werneke sagt: «Wir haben den starken Eindruck, dass die Länder versuchen, einen Abschluss zu machen, der schlechter ist als für die Kommunalbeschäftigen.» Aus Kreisen der Länder ist zu hören, dass sie ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber Bund und Kommunen auf dem Arbeitsmarkt im Blick hätten - einerseits. Dressel bekräftigte vor Gesprächsbeginn andererseits: Den Lohnführer gegenüber der Wirtschaft könne der öffentliche Dienst aber nicht spielen.

Wie sind andere Lohnabschlüsse zuletzt ausgefallen?

Zuletzt gab es laut DGB eine Tarifeinigung für die Beschäftigten der Ziegelindustrie Ost, wo die Eckentgelte um 2,4 Prozent steigen. Für Holz- und Kunststoff-Beschäftigte gibt es in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Bremen 300 Euro und mehr Einkommen in zwei Stufen (ab Juni 2,0 Prozent, ab Juli 2027 weitere 2,2 Prozent). Für die Deutsche-Post-Beschäftigten wurden laut Tarifdatenbank des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts 2,0 Prozent mehr ab April 2025 und 3,0 Prozent ab April 2026 vereinbart. Fürs Versicherungsgewerbe erst 5,0 Prozent, einmalig mindestens 200 Euro, und dann noch einmal 3,3 Prozent mehr. 

Was könnte ein hoher Abschluss für die Länder bedeuten?

Kosten würde eine komplette Umsetzung der Gewerkschaftsforderungen laut TdL 12,6 Milliarden Euro - viel zu viel. Bringen könnte ein guter Abschluss Vorteile im Wettbewerb um Arbeitskräfte. Im gesamten öffentlichen Dienst gibt es laut den Gewerkschaften mittlerweile rund 600.000 unbesetzte Stellen. dbb-Chef Volker Geyer mahnt, es wäre «verheerend für die Nachwuchsgewinnung und die Mitarbeitermotivation», wenn die Länder weiter gegenüber Privatwirtschaft, Bund und Kommunen zurückfielen. 

Für wen wird konkret verhandelt? 

Beispielsweise für Lehrkräfte an Schulen, Lehrende an Hochschulen sowie Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken. Direkt betroffen sind mehr als 900.000 Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder, auf rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamten und Versorgungsempfänger soll ein Ergebnis aus Gewerkschaftssicht übertragen werden.

Was, wenn es keinen Abschluss gibt?

Eine Schlichtung ist in den Länderrunden nicht vorgesehen. Notfalls könnte nach dann drei Gesprächsrunden aber noch eine vierte Runde angesetzt werden. Geyer sagt: «Wir wollen natürlich versuchen, hier eine Einigung hinzubekommen.» Ansonsten könne eine weitere Runde vereinbart werden. Würde es im Verhandlungsraum wider Erwarten krachen, «dann wäre das natürlich Urabstimmung und Vollstreik». Gewollt sei dies nicht - mobilisierungsbereit seien die Beschäftigten aber schon.

Tarife / Streik / Bundesländer / Gewerkschaft / Öffentlicher Dienst / Deutschland / Fragen & Antworten
11.02.2026 · 15:03 Uhr
[0 Kommentare]
US-Präsident Trump
Washington/Teheran (dpa) - Die USA stehen nach Angaben von Präsident Donald Trump in den Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs kurz vor einem Rahmenabkommen mit Teheran und der Wiederöffnung der Straße von Hormus. Es sei «weitgehend» ausgehandelt, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. «Die letzten Aspekte und Details des Abkommens werden […] (09)
vor 49 Minuten
Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden.
(BANG) - Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden. Das frühere Glamour-Model feierte seinen 48. Geburtstag am Freitag (22. Mai) allein und veröffentlichte in den sozialen Medien ein bewegendes Video mit Fotos von sich und Lee, der seit vergangener Woche nicht mehr gesehen wurde, als er […] (00)
vor 20 Stunden
KI
Stuttgart (dpa) - Künstliche Intelligenz ist in den Zukunftsplanungen der deutschen Wirtschaft fest verankert, doch auf dem Weg in den produktiven Arbeitsalltag in den Unternehmen verliert sie oft massiv an Schwung. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des IT-Beratungsunternehmens Zoi. Für einen erfolgreichen KI-Einsatz mangle es weniger an Geld, sondern an der […] (00)
vor 1 Stunde
Crazy Taxi kehrt zurück? SEGA macht Fans mit Mini-Teaser nervös
SEGA hat die Crazy Taxi -Fans mit nur fünf Sekunden komplett elektrisiert. Auf den offiziellen Social-Media-Kanälen der Reihe erschien ein kurzes Video, das ein blinkendes Taxi-Schild zeigt. Mehr nicht. Kein Datum, kein Gameplay, kein Logo-Reveal. Und trotzdem reicht dieser Clip, um die Spekulationen um die Rückkehr des Arcade-Klassikers neu […] (00)
vor 10 Stunden
National Geographic startet «Strangest Things: Die rätselhaftesten Artefakte»
Die Doku-Reihe widmet sich ab Mitte Juli mysteriösen Objekten, kuriosen Erfindungen und ungelösten Rätseln der Geschichte. National Geographic erweitert sein Geschichtsprogramm um die neue Serie Strangest Things: Die rätselhaftesten Artefakte. Die zehnteilige Produktion feiert ab dem 16. Juli ihre deutsche TV-Premiere und läuft jeweils donnerstags um 21.45 Uhr. Zusätzlich kündigt der Sender […] (00)
vor 1 Stunde
Joao Fonseca
Paris (dpa) - Bei der Titeljagd im Tennis herrscht aktuell Langeweile. Jannik Sinner dominiert, und bei einer Rückkehr des aktuell verletzten Carlos Alcaraz läuft alles auf ein Duell der beiden Ausnahmekönner hinaus. Doch es gibt ein paar Jungstars, die sie herausfordern wollen. Das sind die Top-Talente bei den am Sonntag beginnenden French Open. Rafael […] (00)
vor 1 Stunde
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, anlagestrategien, austausch
Kevin Maxwell Warsh, der von Donald Trump als neuer Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve nominiert wurde, hat am 22. Mai offiziell sein Amt angetreten. Der 56-jährige Finanzexperte und Anwalt gilt als erster Bitcoin-Befürworter in dieser Position, was in der Krypto-Community Spekulationen über mögliche positive Auswirkungen auf die größte […] (00)
vor 38 Minuten
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 23 Stunden
 
Strom aus Wellen: In Spanien liefert eine riesige Boje Strom ans Netz
Der Ozean bewegt sich pausenlos. Seit Jahrzehnten versuchen Ingenieur: innen, diese […] (02)
Gebäudeeinsturz Philippinen
Manila (dpa) - Ein im Bau befindliches neunstöckiges Gebäude im philippinischen […] (01)
Menschen auf der Straße (Archiv)
Berlin - Die Sorge der Menschen in Deutschland vor einem möglichen russischen […] (03)
Ukraine-Krieg - Kiew
Kiew (dpa) - Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew massiv mit Drohnen und […] (00)
FC Bayern München - VfB Stuttgart
Berlin (dpa) - Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat Stürmerstar Harry Kane nach […] (01)
Nach 8 Jahren endet bei Destiny 2 jetzt endgültig eine große Ära
Nach fast acht Jahren steht Destiny 2 vor einem der größten Umbrüche seiner gesamten […] (00)
Ein positiver Wandel in der Kreditperspektive Moody’s Ratings hat kürzlich die […] (00)
iPhone 19 Pro: Prototyp offenbar mit vierfach gebogenem Display im Test
Apple testet aktuellen Berichten zufolge einen Prototyp des iPhone 19 […] (00)
 
 
Suchbegriff