Island bleibt frei: Brüssel verliert Referendum, Souveränität siegt
Ein klares Nein aus dem hohen Norden
Island hat gesprochen. Mit 52,8 Prozent haben die Wähler die Wiederaufnahme von Beitrittsgesprächen mit der EU abgelehnt. Rund 118.000 Stimmen gegen 105.000 für die Gespräche — das Ergebnis ist kein Zufall, sondern ein bewusster Entschluss eines Volkes, das seine Unabhängigkeit nicht aufgeben will.
Die Entscheidung fiel vor allem in den Wahlkreisen außerhalb Reykjavíks. Bei hoher Wahlbeteiligung unter rund 270.000 Abstimmungsberechtigten haben die Menschen auf der Vulkaninsel bewiesen, dass sie nicht bereit sind, ihre Souveränität an eine Brüsseler Bürokratie abzugeben.
Die Regierungschefin scheitert
Kristrún Frostadóttir, die sozialdemokratische Regierungschefin, hat ihr Projekt verloren. Sie hatte seit ihrem Amtsantritt Ende 2024 auf eine Abstimmung über neue EU-Verhandlungen gesetzt. Nun muss sie der Entscheidung des Volkes folgen — eine bittere Niederlage für die EU-Befürworter.
Schon 2009 hatte Island nach der Finanzkrise einen Beitrittsantrag gestellt. Nach der Parlamentswahl 2013 legte eine EU-skeptische Regierung die Pläne auf Eis. Frostadóttir wollte nun den zweiten Anlauf wagen — und ist gescheitert.
Fischerei, Souveränität und nationale Interessen
Der Kern des Widerstands liegt in der Fischerei. Dieser Wirtschaftszweig ist nicht nur der größte, sondern auch identitätsstiftend für Island. Die EU-Gegner wollten die Souveränität über die Fischgründe nicht aufgeben — auch nicht gegen eine Sonderregel, die Frostadóttir angeboten hatte.
Island ist bereits über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) eng mit dem Binnenmarkt verbunden. Die Vorteile des Marktzugangs bestehen — ohne die politische Bevormundung durch Brüssel. Das ist genau das Modell, das die EU-Verfechter nicht akzeptieren wollen.
Trump, Grönland und die Sicherheitsdebatte
Die Befürworter argumentierten mit unsicheren Zeiten und dem Schutz durch die EU. Die Gegner hielten dagegen: Die Nato-Mitgliedschaft und das bilaterale Verteidigungsabkommen mit den USA von 1951 reichen aus. Das Misstrauen gegenüber Donald Trump war nicht stark genug, um die Wähler umzustimmen.
Frostadóttir hatte ohne Nennung Trumps gewarnt, Länder in der Nachbarschaft seien durch die EU geschützt worden. Die Wähler haben diese Argumentation abgelehnt.
Brüssel schweigt — und verliert
Die EU äußerte sich zunächst nicht zum Referendum. In einer Zeit, in der europaskeptische Kräfte in mehreren Mitgliedstaaten Zulauf haben, wäre ein positives Signal aus Reykjavík politisch willkommen gewesen. Nun bleibt der Beitrittsantrag von 2009 zwar formal bestehen — ein Rückzug durch das Parlament ist aber nicht ausgeschlossen.
Island zeigt: Ein Land kann wirtschaftlich eng mit Europa kooperieren, ohne seine Souveränität aufzugeben. Die Entscheidung ist ein Signal an alle, die glauben, mehr Brüssel bedeute mehr Sicherheit. Die Isländer haben anders entschieden — und das ist ihr gutes Recht.

