Formel 1

Irre Aufholjagd: Kimi Antonelli verzaubert Monza

06. September 2026, 17:42 Uhr · Quelle: dpa
Großer Preis von Italien
Foto: Luca Bruno/AP/dpa
Kimi Antonelli raste mit einer irren Aufholjagd zum Heimsieg.
Die Formel-1-Party für Ferrari fällt in Italien aus. Dafür liefert Kimi Antonelli bei seinem Heimspiel in Monza eine Supershow.

Monza (dpa) - Heimsieger Kimi Antonelli stieß nach seiner irren Aufholjagd von Monza spitze Glücksschreie aus, von den Tribünen jubelten dem Mercedes-Jungstar sogar die Ferrari-Fans zu. Von Startplatz 19 raste der Italiener in einem spektakulären Formel-1-Rennen noch zum Sieg vor seinem völlig hilflosen Teamkollegen George Russell und kommt dem WM-Titel immer näher. «Oh mein Gott, das ist wie ein Traum», stammelte Antonelli, ehe er sich eine italienische Fahne um die Schultern legte. 

Seit 1966 Ludovico Scarfiotti im Ferrari triumphierte, hatten die Tifosi auf den Sieg eines Landsmanns in Monza warten müssen. «Unser italienischer Held, das war so verdient, es war fantastisch», rief Mercedes-Teamchef Toto Wolff seinem Wunderjungen zu. «Unglaublich, mir fehlen die Worte. Mein Puls ist ganz oben im Himmel», krächzte Papa Marco mit heiserer Stimme. Weder eine fette Startplatzstrafe wegen eines unerlaubten Motorenwechsels noch die überharte Gegenwehr von Stallrivale Russell hielten Antonelli auf. 

Frustrennen für Ferrari

Im WM-Klassement hat der 20-Jährige nach seinem siebten Saisonsieg jetzt 66 Punkte Vorsprung auf seinen Teamgefährten. Superstar Lewis Hamilton liegt nach Platz sechs in einem Ferrari-Frustrennen schon 76 Zähler zurück. Die Hoffnung der Scuderia auf rote Festspiele war früh geplatzt, als Charles Leclerc nach einem kapitalen Unfall ausschied und Hamilton zurückfiel.

Hinter dem Mercedes-Duo holte sich Max Verstappen im Red Bull den dritten Podiumsplatz. Dahinter folgte Weltmeister Lando Norris im McLaren, der zuletzt in Budapest und Zandvoort gewonnen hatte. Nico Hülkenberg blieb im Audi als Zwölfter ohne WM-Punkte.

Völlig überraschend durfte sich der Franzose Pierre Gasly auf den besten Startplatz stellen. Der Alpine-Fahrer hatte in der Qualifikation die komplette Konkurrenz düpiert und sich und seinem Team die erste Pole Position in der Formel 1 gesichert. «Die Formel 1 ist so viel aufregender, wenn man von vorn startet. Ich hoffe, wir können für eine nette Überraschung sorgen», sagte der 30-Jährige bei der Fahrerparade. Am Ende wurde er Siebter.

Die Vorfreude der Ferraristi auf ihr emotionales Heimspiel konnte Gaslys Coup zunächst nur wenig dämpfen. «Das ist absolut verrückt, überall dieses Rot. Die Energie ist so stark wie nirgendwo anders», schwärmte Hamilton beim Blick auf die Tribünen im Autodromo Nazionale, auf denen sich über das Wochenende laut Organisatoren 404.000 Zuschauer drängten. 

Vettel fährt im alten Schumacher-Ferrari

Die Scuderia hatte mit der Erinnerung an Michael Schumacher noch zusätzlich für große Gefühle im Königlichen Park gesorgt. Beide Ferrari starteten mit Sonderlackierungen, die Fahrer mit Rennanzügen, die «Schumi» gewidmet waren. 

30 Jahre nach Schumachers erstem Ferrari-Sieg in Monza und 20 Jahre nach seinem letzten steuerte Sebastian Vettel im Vorprogramm eines der Autos des Kerpeners als Hommage um die Strecke. «Die Rollen sind ein bisschen getauscht, sodass ich ein Stück mit ihm fahren kann. Wir hätten ihn am liebsten selbst hier gesehen, es ist unheimlich emotional», erklärte Vettel am Sky-Mikrofon. 

Auf die Nostalgie folgte schon bald das Entsetzen. Am Start kam es zum harten Duell zwischen Hamilton und Leclerc, der Brite geriet neben die Strecke und fiel ins Mittelfeld zurück. Wenig später kam es noch schlimmer, als Leclerc in der berühmten Parabolica-Kurve die Kontrolle über sein Auto verlor und heftig seitlich in die Streckenbegrenzung krachte.

Anscheinend unter Schmerzen kauerte der Monegasse danach am Rand der Piste, die Rennleitung unterbrach den Grand Prix. So manchem Ferrari-Fan liefen Tränen über die Wangen. Immerhin meldete das Team bald: «Charles hat die Streckenklinik verlassen. Er ist okay.»

Nach einer halben Stunde Pause für die Aufräumarbeiten an der Unfallstelle gab es den Neustart. Ganz vorn war nun Russell, der Gasly vor dem Crash von der Spitze verdrängt hatte. Nach wenigen Metern überholte auch Verstappen den Alpine-Fahrer, der in der Folge durchgereicht wurde.

Reihenweise Überholmanöver

Dagegen ging es für Antonelli rasant nach vorn. Schon vor der Renn-Unterbrechung war er von Startplatz 19 auf 12 gerast. Nach dem Neustart zog er unwiderstehlich in Richtung Podium, nach 13 Runden war Antonelli Dritter - und dabei auch schon vorbei an WM-Rivale Hamilton. In Runde 18 übernahm der Italiener sogar die Führung. 

Die Statistiker kamen beim Zählen der Überholmanöver im Feld kaum noch hinterher. Mehrfach tauschten Antonelli und Russell Platz eins. Mercedes-Teamchef Toto Wolff geriet in der Garage ins Schwitzen angesichts des harten Zweikampfs - und ließ irgendwann die beiden Streithähne zur Ordnung rufen.

Als Lance Stroll seinen defekten Aston Martin abstellen musste, nutzten Antonelli und Verstappen ein virtuelles Safety-Car zum zeitsparenden Boxenstopp. Russell mühte sich vorn, sein Polster zu sichern. Doch Antonelli kam unwiderstehlich näher. Beim ersten Überholversuch rutschte der Italiener noch in den Kies und beschwerte sich kurz. Am Ende aber ließ er sich nicht mehr aufhalten.

Motorsport / Formel 1 / GP Italien / Kimi Antonelli / Mercedes / Ferrari / Max Verstappen
06.09.2026 · 17:42 Uhr
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