Iran attackiert US-Sanktionen als Wirtschaftsterror – und trifft genau den Nerv der globalen Machtfrage
Ein neuer Wirtschaftskrieg – und die üblichen Verdächtigen
Der Iran hat in einem offiziellen Schreiben an die Vereinten Nationen die jüngsten US-Sanktionen als „staatlichen und wirtschaftlichen Terrorismus“ bezeichnet. Außenminister Abbas Araghtschi wirft Washington vor, nach gescheiterten Kriegszielen nun die rechtmäßigen Handelsbeziehungen des Landes mit anderen Staaten zerstören zu wollen. Der Brief ging an UN-Generalsekretär António Guterres, den Sicherheitsrat und alle Mitgliedstaaten.
US-Finanzminister Scott Bessent hatte zuvor klargestellt, dass jeder, der mit dem Iran Handel treibt, die „volle Wucht der US-Macht“ zu spüren bekommt. Ziel sei es, Teheran von sämtlichen Einnahmequellen abzuschneiden. Auf die Frage, ob das auch für China als größten Abnehmer iranischen Öls gelte, antwortete Bessent nur, niemand solle die Entschlossenheit Washingtons testen.
Die wahren Opfer und die falschen Heuchler
Araghtschi behauptet, die Sanktionen zielten bewusst darauf ab, der Zivilbevölkerung Nahrungsmittel und Medikamente vorzuenthalten. Der Iran fordert den Sicherheitsrat und die UN-Mitglieder auf, die einseitigen Zwangsmaßnahmen und Sekundärsanktionen zu verurteilen und nicht umzusetzen. Die USA sollten aufhören, souveräne Staaten zu zwingen, ihre Handelsbeziehungen mit dem Iran zu ändern.
China hat die Sanktionen bereits kritisiert und vor einer Störung der globalen Finanzordnung gewarnt. Ein Wirtschaftskrieg führe nicht zu Lösungen, sondern verschärfe Konflikte. Das ist die klassische Rhetorik eines Landes, das selbst von staatlich gelenkten Kapitalströmen lebt und nun die Regeln missbilligt, wenn sie gegen seine Interessen laufen.
Was wirklich zählt: Kapital, Macht und Konsequenzen
Wer glaubt, Sanktionen seien nur ein diplomatisches Instrument, unterschätzt ihre reale Wirkung auf Märkte und Investoren. Sekundärsanktionen sind nichts anderes als extraterritoriale Strafandrohungen, die Verträge zwischen souveränen Staaten unter US-Vorbehalt stellen. Das ist kein freier Handel, sondern die Ausübung von Macht über Dritte.
Der Iran versucht, die UN-Mitglieder gegen Washington zu mobilisieren. Die Frage ist, wer sich tatsächlich traut, die US-Drohungen zu ignorieren. China wird weiter iranisches Öl kaufen, solange es sich rechnet – und solange Peking glaubt, Washingtons Entschlossenheit nicht wirklich auf die Probe stellen zu müssen.
Für Investoren bleibt die Lehre klar: Politische Risiken sind keine abstrakten Variablen, sondern harte Kostenfaktoren. Wer in Regionen investiert, die unter US-Sanktionen stehen, muss jederzeit damit rechnen, dass Verträge einseitig entwertet werden. Das ist kein Terrorismus. Das ist die brutale Realität globaler Machtpolitik.

