Krieg in Nahost

Iran-Abkommen: Was geregelt ist – und was nicht

18. Juni 2026, 03:18 Uhr · Quelle: dpa
Nahostkonflikt - Libanon
Foto: Hussein Malla/AP/dpa
Der Text des Rahmenabkommens ist nun bekannt - doch vieles bleibt unklar. (Symbolbild)
Der Wortlaut des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran ist nun bestätigt worden. Die Vereinbarung sieht ein Kriegsende und die Öffnung der Straße von Hormus vor. Viele Fragen bleiben offen.

Teheran/Washington/Riad/Tel Aviv (dpa) - Der Wortlaut des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran ist nun bekannt. Ein hochrangiger US-Regierungsbeamter hatte ihn öffentlich gemacht, nachdem mehrere Medien bereits eine frühere Fassung des Textes in Umlauf gebracht hatten. Die Vereinbarung soll mit sofortiger Wirkung in Kraft treten - nachdem US-Präsident Donald Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkian sie in der Nacht unterzeichnet hatten. In den 14 Punkten bleiben aber einige Fragen offen.

Was regeln die Punkte des veröffentlichten Textes?

Explizit gibt der Text gleich zu Beginn ein «sofortiges und dauerhaftes Ende des Kriegs an allen Fronten, auch im Libanon» vor. So sollen beide Seiten und ihre Verbündeten von weiteren kriegerischen Handlungen absehen. Welche Verbündeten gemeint sind, bleibt offen.

Zudem verweist der Text an verschiedenen Stellen auf weitere Verhandlungen hin. Innerhalb von 60 Tagen soll eine endgültige Vereinbarung getroffen werden - der Zeitraum kann jedoch verlängert werden.

Ebenfalls recht deutlich ist die Aufhebung der gegenseitigen Seeblockaden in der Straße von Hormus geregelt. Der Iran soll innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung möglicherweise verlegte Seeminen in der Meerenge räumen. 

Die USA sollen ihrerseits jedoch nicht nur die Blockade für Schiffe aufheben, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. Die US-Seite sagt auch zu, Sanktionen auf den iranischen Energiehandel ab Unterzeichnung des Rahmenabkommens und bis zu deren Aufhebung auszusetzen. Nach einer endgültigen Vereinbarung sollen dann sämtliche Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden.

Was ist im Text nicht geregelt?

Gleich der erste Paragraf sieht auch ein Kriegsende zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon vor. Er verpflichtet die «Verbündeten» der USA und des Irans zu dessen Einhaltung. Ein Abzug israelischer Truppen aus dem Libanon - wie zuletzt auch immer wieder vom Iran gefordert - steht nicht im Text.

Es gibt eine Reihe offener Fragen: Was geschieht etwa, wenn Verbündete der USA oder des Irans, wie Israel oder die libanesische Hisbollah, gegen das Rahmenabkommen verstoßen? Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Montag gesagt, der Kampf gegen den Iran und seine Verbündeten in der Region sei nicht abgeschlossen. Israels Armee werde in «Sicherheitszonen» im Gazastreifen, im Südlibanon und in Syrien bleiben, «so lange wie nötig». 

Es gibt weitere offene Fragen: Wird sich die Hisbollah-Miliz an eine Waffenruhe halten, solange Israel als «Schutzzonen» deklarierte Gebiete im Südlibanon besetzt hält? Und wie wird sich der Iran verhalten, sollten die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah weitergehen? Wird er seine Drohung dann wahr machen und Israel angreifen?

Auch die islamistische Hamas im Gazastreifen gehört zu den Verbündeten des Irans. Gilt die Feuerpause dann auch für den Gazastreifen? 

Fragen um das iranische Atomprogramm sind nahezu ausgespart. Die Islamische Republik wiederholt in der Vereinbarung ihre offizielle Position, niemals Atomwaffen zu produzieren. Die Mindestmaßnahme sei eine Verdünnung des gelagerten hochangereicherten Urans unter Aufsicht der IAEA. Dieser Zusatz war laut CNN in einem früheren Entwurf, auf den sich US-Präsident Trump und der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf geeinigt hatten, nicht aufgeführt. 

Weitere Aspekte sollen in einer endgültigen Vereinbarung geklärt werden. Der Zeitraum von 60 Tagen erscheint hierbei als knapp. Verhandlungen zum in Wien geschlossenen Atomdeal von 2015 dauerten fast zwei Jahre. Das Portal «Politico» berichtet unter Berufung auf US-Quellen, der Iran habe hinter den Kulissen bereits größere Zugeständnisse beim Atomprogramm gemacht.

Keine explizite Erwähnung findet die iranische Forderung, in Zukunft Gebühren für die Schiffsdurchfahrt durch die Straße von Hormus zu verlangen. Die gebührenfreie Schifffahrt durch die Straße von Hormus gilt aber nur für das Verhandlungsfenster von 60 Tagen. Zukünftige Regeln soll der Iran mit dem Oman erörtern - im Dialog mit anderen Anrainerstaaten des Persischen Golfs.

Zudem fehlen Forderungen, die die USA noch bis Ausbruch des Kriegs Ende Februar eingebracht hatten: Eine Einhegung des iranischen Raketenprogramms und ein Ende der Unterstützung regionaler Milizen wie die Hisbollah im Libanon oder die Huthi im Jemen. 

Was bleibt unklar in dem Rahmenabkommen?

Das Portal «Axios» berichtet unter Berufung auf US-Beamte, der Iran erhalte schrittweise Leistungen, wenn Bedingungen erfüllt würden. Genauer ist das in dem Text nicht festgelegt. 

Zu den undeutlich formulierten Leistungen zählt etwa die Freigabe iranischer Vermögenswerte - ein technisch und rechtlich nach Expertenmeinung kompliziertes Unterfangen. Sanktionserleichterungen könne der US-Präsident zwar mit Ausnahmegenehmigungen, wenn diese mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet werden, gewähren, erklärt Sascha Lohmann von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Dies gelte jedoch nur, bis ein finales Abkommen erzielt sei. Dann müsse der Kongress zustimmen.

Von einer Aufhebung der Sanktionen hängt maßgeblich ab, ob ein mindestens 300 Milliarden US-Dollar schwerer Wiederaufbaufonds Erfolg hat. Nach «Axios»-Informationen sollen die Gelder von privaten Investoren aus den Golfstaaten sowie aus Asien kommen. Die Initiative erinnert an Investitionsinitiativen zum Aufbau von Gaza, die bisher nicht zustande gekommen sind.

Wer kann welche Erfolge verbuchen?

Bis zum Kriegsbeginn am 28. Februar war die für den internationalen Energiehandel wichtige Straße von Hormus für den Schiffsverkehr offen. Als Reaktion auf den Angriff der USA und Israels blockierte Teheran die Meeresenge dann fast komplett. Nun kann der Iran die Wiedereröffnung an Zugeständnisse knüpfen. 

Ein Aussetzen der Ölsanktionen gegen den Iran während der weiteren Verhandlungen könnte dem Land massive zusätzliche Einnahmen bescheren. Das Ende der US-Seeblockade iranischer Häfen erlaubt der Führung in Teheran beispielsweise, unterbrochene Lieferketten wieder herzustellen. 

Durch die Straße von Hormus liefen rund 20 Prozent des weltweiten Energiehandels. Dass jetzt wieder Öl und Gas aus der Golfregion kommen, dürfte nicht nur bei der US-Regierung, sondern international für Aufatmen sorgen.

Konflikte / Krieg / Diplomatie / Iran / USA / Israel / Hisbollah
18.06.2026 · 03:18 Uhr
[1 Kommentar]
Hitze und Klimawandel
Berlin (dpa) - Zwei Drittel der Menschen in einer YouGov-Umfrage sehen die jüngsten Rekordtemperaturen im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung. Aber nur knapp die Hälfte der Befragten nehmen an, dass Deutschland mit der eigenen Klimaschutzpolitik etwas dagegen ausrichten kann. Dies geht aus einer repräsentativen Befragung von YouGov im Auftrag der […] (00)
vor 7 Minuten
Quantenteleportation überträgt Qubits fast dreimal effizienter als bisher
Photonen gehen auf dem Weg durch Glasfaserkabel oder freien Raum ständig verloren, und je weiter die Strecke, desto größer die Verluste. Bei langen Distanzen überlebt oft nur ein winziger Bruchteil der ausgesandten Lichtteilchen die Reise zum Empfänger. Dieser Verlust erschwert Anwendungen wie lückenlose Bell-Tests oder abhörsichere […] (01)
vor 7 Stunden
TSMCs gemischte Signale Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC), ein Wegweiser für die Halbleiterindustrie, berichtete über Ergebnisse, die zwar robust waren, jedoch die hohen Erwartungen des Marktes nicht erfüllten. Die Leistung des Unternehmens hebt eine wachsende Divergenz zwischen starken Umsatzahlen und den zugrunde liegenden Druckfaktoren durch hohe Investitionen hervor, die die Rentabilität kurzfristig beeinträchtigen könnten. Für unternehmerisch denkende Investoren dient diese Diskrepanz […] (00)
vor 22 Stunden
MARVEL Tōkon: Fighting Souls – Open Beta vom und bis
Am 6. August erscheint MARVEL Tōkon: Fighting Souls, das 4-gegen-4-Tag-Team-Fighting- Game von PlayStation Studios, Arc System Works und Marvel Games für PlayStation 5 und PC. In dem Titel wählen Spieler aus zahlreichen legendären MARVEL-Helden und -Schurken, von denen jeder über einzigartige Fähigkeiten, Spielstile und eine umfassende […] (00)
vor 6 Stunden
Backrooms
(BANG) - Kane Parsons ist alles andere als erfreut über Berichte, wonach A24 Urheberrechtsbeschwerden gegen Inhalte mit Bezug zu 'Backrooms' eingereicht haben soll. Der 21-jährige Filmemacher ist nach der Veröffentlichung seines erfolgreichen Horror-Blockbusters, der von dem sogenannten Backrooms-Creepypasta-Meme über sogenannte "liminale Räume" […] (00)
vor 10 Stunden
WM 2026 - Trump
East Rutherford (dpa) - US-Präsident Donald Trump und FIFA-Chef Gianni Infantino haben sich kurz vor dem Finale euphorisch über den bisherigen Verlauf der Fußball-WM geäußert. Sie sei ein Event historischen Ausmaßes, erklärten beide vor dem Endspiel zwischen Spanien und Argentinien am Sonntag (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) in East Rutherford. Auch die […] (00)
vor 7 Minuten
bitcoin, table, courses, finance, virtual, crypto, currency, money, coin, computer
Der bekannte Krypto-Ermittler ZachXBT hat eine Diskussion ausgelöst, nachdem er auf seinem Telegram-Kanal behauptete, dass Hardware-Wallets für ernsthafte Krypto-Nutzung "vollkommen unbrauchbar" seien. Seiner Meinung nach sollten Personen, die regelmäßig mit großen Beträgen umgehen, besser ein Ersatz-iPhone als Anmeldegerät verwenden. ZachXBT […] (00)
vor 5 Stunden
Echte Vereinsliebe!
Wennigsen-Degersen, 17.07.2026 (lifePR) - "Diese wunderbare Summe werden wir für unsere Weiterbildung zur Krisenbegleitung nutzen", erklärt Ira Thorsting, Gründerin und Vorsitzende von "Kleine Herzen Hannover", bei der Spendenscheckübergabe am 13. Juli in der MHH. Aus Hildesheim angereist waren mit dem schönen Spendenscheck Jana Freter, Vertriebsmanagement/Produktmanagerin, und Boris Böcker, […] (00)
vor 13 Stunden
 
Alexander Dobrindt am 15.07.2026
Berlin - Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) warnt vor einer verschärften […] (00)
Javier Milei (Archiv)
Berlin - Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) lehnt radikale Maßnahmen im […] (00)
Strand (Archiv)
Berlin - SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf fordert Alternativen zu Kürzungen beim […] (00)
Straße von Hormus
Teheran (dpa) - Nach Beginn der neuen Angriffswelle des US-Militärs auf Ziele im Iran […] (00)
# Marktreaktionen auf den globalen Tech-Verkauf Japans Aktienmarkt hat kürzlich die […] (00)
LEGO Speed Champions Zeitmaschine Zurück in die Zukunft für 17,99€
Update ⏰ Aktuell für 17,99€ bei Amazon (Prime) – neuer Bestpreis, vorher 20,99€. […] (01)
Black Flag Resynced fehlt ein Kult-Feature – Ubisoft erklärt jetzt warum
Assassin’s Creed Black Flag Resynced macht vieles moderner. Kämpfe fühlen sich […] (00)
Der Aufstieg von DeepSeek DeepSeek, mit Sitz in Hangzhou, sorgt im Bereich der künstlichen Intelligenz für Aufsehen, während es sich darauf vorbereitet, ein aggressives Angebot zur […] (00)
 
 
Suchbegriff