Investmentweek

Ingenieure verlieren den Glauben an ihre Krisenfestigkeit

15. September 2026, 08:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Ingenieure verlieren den Glauben an ihre Krisenfestigkeit
Foto: InvestmentWeek
Trotz wachsender Sorgen bleibt die Wechselbereitschaft unter Ingenieuren hoch, Flexibilität wird zum entscheidenden Faktor.
Nur noch 35 Prozent der deutschen Ingenieure schätzen ihre Arbeitsmarktchancen als gut ein, 2021 waren es noch 73 Prozent. Die Krise in Auto- und Maschinenbau erschüttert eine einst als besonders sicher geltende Berufsgruppe.

Ein Ingenieur macht am eigenen Leib die neue Marktrealität durch

Noch arbeitet Thomas B. bei der Deutschen Bahn, doch der Ingenieur möchte sich beruflich neu orientieren. Der 45-Jährige ist gut ausgebildet und bringt zudem Erfahrung aus der Autoindustrie mit, da wird sich doch schnell ein guter Job finden, dachte er jedenfalls. Zu Beginn seiner Karriere ließen gute Angebote tatsächlich nicht lange auf sich warten. Doch anders als bei seinen bisherigen Arbeitsplatzwechseln hat sich der Markt verändert. In der Autoindustrie sei er es damals gewohnt gewesen, dass es viele offene Stellen gab, heute sei das nicht mehr so, sagt der Ingenieur.

Die gefühlte Sicherheit der Berufsgruppe bröckelt dramatisch

Die Erfahrungen von Thomas B. kennen mittlerweile viele Ingenieure, wie eine gemeinsame Studie der Online-Stellenbörsen Jobware und Get in Engineering zeigt. Nur noch 35 Prozent der Ingenieure schätzen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt als gut oder sehr gut ein. 2021, als die Umfrage erstmals durchgeführt wurde, waren es noch 73 Prozent. Deutlich gestiegen ist im gleichen Zeitraum der Anteil der Ingenieure, die ihre berufliche Lage als sehr schlecht einstufen, von 3 auf 23 Prozent, ein dramatischer Stimmungsumschwung binnen weniger Jahre.

Als Gründe nennt die Studie vor allem die konjunkturelle Unsicherheit in Deutschland. Sparprogramme, Umstrukturierungen und Insolvenzen in klassischen Industriezweigen wie der Autoindustrie oder im Maschinenbau sind mittlerweile an der Tagesordnung. Die Folgen treffen dabei genau jene Berufsgruppen, die früher als besonders krisensicher galten, wie Ingenieure oder auch IT-Spezialisten. Viele Ingenieurinnen und Ingenieure erlebten gerade hautnah, wie sich ihre Kernbranchen durch technologische und wirtschaftliche Transformationen veränderten, erklärt Jobware-Chef Wolfgang Achilles. Diese Unsicherheit übertrage sich spürbar auf die persönliche Einschätzung der eigenen Arbeitsmarktchancen, auch wenn der Fachkräftebedarf in der Breite weiterhin ungebrochen hoch sei.

Die Autoindustrie baut so schnell Stellen ab wie keine andere Branche

In der deutschen Autoindustrie, in der viele Ingenieure tätig sind, schwinden die Arbeitsplätze derzeit schneller als in jeder anderen Industriebranche. Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 waren in der deutschen Leitbranche noch 691.500 Menschen beschäftigt, so wenig wie noch nie seit Beginn der vergleichbaren Statistikreihe im Jahr 2005. Die aktuelle Zahl entspricht einem Rückgang um 42.300 Beschäftigte oder 5,8 Prozent innerhalb eines einzigen Jahres, betroffen sind davon auch hochqualifizierte Ingenieure.

2030 werde die deutsche Automobilindustrie auf 500.000 Arbeitsplätze oder weniger geschrumpft sein, prognostiziert Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Die Folge, Ingenieure auf Jobsuche kämpfen um immer weniger werdende Stellen in der einst so sicheren Autobranche.

Trotz aller Verunsicherung bleibt die Wechselbereitschaft hoch

Überraschend ist, dass trotz der Verunsicherung und des Pessimismus unter den Ingenieuren die Wechselbereitschaft weiterhin auf hohem Niveau bleibt. Laut der Studie können sich 83 Prozent der Befragten den Wechsel des Arbeitsplatzes vorstellen, genau so viele wie bereits 2021, als die Nachfrage nach Ingenieuren noch deutlich größer war. Im Moment sei der Markt vor allem deshalb sehr aktiv, weil mehr Ingenieurinnen und Ingenieure als sonst ohne Anstellung und auf der Suche nach einem Job seien, erklärt Achilles, für Arbeitgeber gebe es dadurch viel verfügbares Talent auf dem Markt.

Künstliche Intelligenz wird zum Zankapfel zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten

Auch Thomas B. sucht unter anderem deshalb nach einer neuen Herausforderung, weil er in seinem Job mehr Künstliche Intelligenz nutzen möchte. Der Ingenieur hat keine Angst vor der Technik, im Gegenteil, doch sein Arbeitgeber lasse den Einsatz aus Kostengründen nicht zu, erzählt er, dabei spare er damit sehr viel Zeit und sei effektiver.

So wie Thomas B. blicken auch 80 Prozent der befragten Ingenieure auf die Arbeit mit Künstlicher Intelligenz, die überwiegende Mehrheit sieht sie laut Studie als nützliches Werkzeug, das die eigene Arbeit unterstützt, ohne die eigene Expertise zu ersetzen. Sechs Prozent der Befragten sehen KI sogar als regelrechten Karriere-Turbo. Es gibt aber auch kritische Stimmen, ähnlich der Automatisierung und Robotik in der Fertigung in den 1990er-Jahren werde es zu einer Arbeitserleichterung, aber auch zu Jobverlust in den Büros kommen, befürchtet einer der Befragten. Ein anderer Ingenieur sieht die Gefahr, dass KI den Berufseinstieg von Talenten erschwere, da einfache Routinetätigkeiten wegfielen, die früher auch der Ausbildung junger Absolventen dienten.

Die Angst weiche der Erkenntnis, sagt Achilles dazu, mit wachsender KI-Kompetenz trete an die Stelle von Furcht eine realistischere Einschätzung von Chancen und Risiken. Wer Künstliche Intelligenz für sich zu nutzen wisse, sehe sich schnell auf einem Karrieresprungbrett, weshalb es kaum überrasche, dass sich die Befragten vor allem KI-Fortbildungen und die Möglichkeit zum Experimentieren wünschten. Beim konkreten Nutzen im Arbeitsalltag bleiben die Ingenieure allerdings überraschend zurückhaltend, nur etwas mehr als jeder Zweite, 58 Prozent, sieht in Künstlicher Intelligenz einen massiven Gewinn oder eine spürbare Erleichterung, ein Drittel der Befragten sieht dagegen keinen Effekt oder sogar einen Mehraufwand.

Beim Homeoffice gibt es dagegen kaum Kompromissbereitschaft

Deutlich eindeutiger fällt die Meinung der befragten Ingenieure aus, wenn es um flexibles Arbeiten oder Homeoffice geht. Für 87 Prozent der Ingenieure hat das Arbeitszeitmodell des Arbeitgebers direkten Einfluss auf die Job-Wahl. Auch Thomas B. schätzt die Flexibilität, die ihm sein Arbeitgeber einräumt, zwei bis drei Tage arbeitet er im Büro für den gezielten Austausch mit Kollegen, an den übrigen Tagen im Homeoffice, diese Mischung sei für ihn wichtig, sagt er.

Das hybride Arbeitszeitmodell ist unter den Befragten besonders beliebt, 85 Prozent bevorzugen feste Homeoffice-Tage oder die Möglichkeit, diese frei wählen zu können. Arbeitgebern müsse klar sein, dass am Hybridmodell kein Weg vorbeiführe, betont Achilles, für Engineering-Talente sei das Thema absolut entscheidend bei der Arbeitgeberwahl, wer darauf verzichte, werde nicht die Besten für sein Unternehmen gewinnen können, zumal ausländische Unternehmen aktiv um deutsche Fachkräfte werben und dabei gezielt hybrides Arbeiten anbieten.

Teilzeit bleibt die Ausnahme, mit einem auffälligen Geschlechterunterschied

Teilzeitarbeit spielt unter den Befragten dagegen kaum eine Rolle, nur 13 Prozent können sich eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit vorstellen, fünf Jahre zuvor waren es mit 14 Prozent kaum mehr. Auffällig ist dabei allerdings der Geschlechterunterschied, während der Teilzeitwunsch bei Männern sogar leicht rückläufig ist, ist er bei Frauen gestiegen. Mit 27 Prozent gab fast ein Drittel der befragten Frauen an, in Teilzeit arbeiten zu wollen, bei den Männern waren es nur 10 Prozent, ein Unterschied, der zeigt, wie ungleich Beruf und andere Lebensbereiche in der Ingenieurbranche nach wie vor zwischen den Geschlechtern verteilt sind.

Arbeitsmarkt / Ingenieure / Autoindustrie / Künstliche Intelligenz / Homeoffice / Jobwechsel / Fachkräftemangel
[InvestmentWeek] · 15.09.2026 · 08:00 Uhr
[0 Kommentare]
nahaufnahme mehrerer bitcoin-münzen auf einer laptop-tastatur, die digitale währung und kryptowährungshandel symbolisieren.
Ein Projektil traf am Montag einen Tanker in der Straße von Hormus und setzte dessen Maschinenraum in Brand. US-Präsident Donald Trump erklärte unterdessen, dass die Straße von Hormus nicht mehr der Grund für die steigenden Benzinpreise in den USA sei. Die UK Maritime Trade Operations Agency (UKMTO), die Angriffe auf Handelsschiffe dokumentiert, […] (00)
vor 1 Stunde
B-1-Bomber
Washington (dpa) - Die Vereinigten Staaten haben ihre Langstreckenbomber US-Medien zufolge aus Sorge vor einem möglichen iranischen Drohnenangriff von einem Militärstützpunkt in Großbritannien abgezogen. Es habe dringende Bedenken vor einem potenziellen komplexen Angriff - angeordnet von den iranischen Revolutionsgarden - gegeben, schrieb das «Wall […] (00)
vor 58 Minuten
John Cena glaubt, dass seine Wohltätigkeitsarbeit darunter leiden würde, wenn er Kinder hätte.
(BANG) - John Cena glaubt, dass seine Wohltätigkeitsarbeit darunter leiden würde, wenn er Kinder hätte. Der Schauspieler aus 'Matchbox: The Movie' hat stets offen darüber gesprochen, keine Familie gründen zu wollen. Nun erklärte er, dass eigene Kinder zwangsläufig bedeuten würden, andere Verpflichtungen zurückzustellen. Cena verwies darauf, dass er […] (00)
vor 9 Stunden
Ein Mann tippt auf einem Smartphone
Hannover/ Berlin (dpa/tmn) - Mobiles Internet produziert auf Reisen in Nicht-EU-Ländern schnell hohe Handyrechnungen, wenn man nicht ganz genau aufpasst. Wer etwa eine SIM-Karte eines Anbieters aus dem Reiseland einlegt oder während der Reise eine eSIM mit günstigem Tarif für das Reiseland nutzen möchte, sollte zu Beginn der Reise in den Einstellungen […] (01)
vor 9 Stunden
Der September bei Bethesda
Folgend gibt es einen kurzen Überblick über Neuheiten bei Bethesda. Darunter Neuheiten zu DOOM, Fallout 76, The Elder Scrolls Online und The Elder Scrolls V: Skyrim. Eine Übersicht der Themen: Fallout 76: Update Der Schlitzer und Next-Gen-Support kostenfrei verfügbar DOOM Anthology inkludiert ab sofort DOOM: The Dark Ages und reduziert Preis […] (00)
vor 5 Stunden
«Barbershop» kehrt im Februar als Prime-Video-Serie zurück
⁠Die Filmreihe wird zur achtteiligen Comedyserie. Jermaine Fowler übernimmt die Hauptrolle und kehrt dafür in Calvins berühmten Friseursalon nach Chicago zurück. Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem ersten «Barbershop»-Film bekommt das Franchise eine neue Serienadaption. Prime Video hat bei der CultureCon einen ersten Teaser zur kommenden Comedyserie Barbershop veröffentlicht und zugleich den […] (00)
vor 2 Stunden
Kroatien - England
Knutsford (dpa) - Der englische Fußball-Nationaltorhüter Jordan Pickford soll mit seinem Lamborghini beinahe einen Zusammenstoß mit zwei Autos verursacht haben und muss sich deshalb nun vor Gericht verantworten. Darüber berichtete unter anderem die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Angaben aus der Verhandlung. Demnach habe der 32 Jahre alte […] (02)
vor 7 Stunden
Konstanz ruft ins HerbstParadies: Goldene Tage am Bodensee erleben
Konstanz, 05.10.2026 (lifePR) - Im Themenjahr „Paradies Konstanz“ rückt die größte Stadt am Bodensee nun den goldenen Herbst in den Mittelpunkt: mit dem neu eröffneten Panorama Konstanz, der wieder erlebbaren Marienschlucht, herbstlichen Schifffahrten, Besuchen auf der Mainau, Kulinarik, Kultur, Shopping und naturnahen Auszeiten direkt am Wasser. […] (00)
vor 9 Stunden
 
finance, currency, bitcoin, crypto, cryptocurrency, investment, wealth, money
Der CAC 40 Index steht derzeit unter Druck und hat in den letzten acht Wochen […] (00)
Der Rückzug an der Kasse Der Einzelhandel verkaufte Selbstkassen als die Zukunft – […] (00)
goldene bitcoin, die prominent auf einem weißen hintergrund präsentiert wird und den wert der kryptowährung zeigt.
Die Aktien von Intel verzeichneten am Montag einen Rückgang, nachdem Elon Musk […] (00)
Symbolfoto - häusliche Gewalt
Berlin (dpa) - Opfer häuslicher Gewalt sollen sich nach dem Willen von […] (00)
Angeln und Spielautomaten wirkten lange wie zwei getrennte Welten. Mit dem Release […] (00)
Louis Hofmann gerät in «Frisch» unter gefährlichen Zeitdruck
Das ZDF zeigt das Sozialdrama mit Louis Hofmann erstmals im Free-TV. Ein verschwundenes […] (00)
btc, bitcoin, cryptocurrency, crypto, money, currency, coin, finance, mining, payment
Der Dow Jones Index steht seit einigen Wochen unter Druck, da bedeutende Unternehmen im […] (00)
Michael Douglas
(BANG) - Michael Douglas wehrt sich gegen die Bezeichnung "Nepo-Baby". Der 82-jährige […] (01)
 
 
Suchbegriff