Immer mehr Einser-Abis in Deutschland

Abiturzeugnis
Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Ein Anbitureugnis mit der Durchschnittsnote 1,4.

Berlin (dpa) - Immer mehr Schüler in Deutschland schließen ihr Abitur mit einer Eins vor dem Komma ab. Das hat eine Umfrage der «Rheinischen Post» in den Bundesländern ergeben.

2008 hatte demnach noch jeder fünfte Absolvent (20,2 Prozent) eine Abi-Note von mindestens 1,9, 2018 war es schon mehr als jeder vierte (25,8 Prozent).

Der Hochschulverband (DHV) schlägt Alarm: Der «Noteninflation» müsse Einhalt geboten werden. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Sache positiv: Die Jugend sei heute einfach zielstrebiger. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erneuerte ihre Forderung nach mehr Vergleichbarkeit beim Abitur.

Dem Bericht zufolge ist der Anteil der Einser-Abiturienten seit 2008 in fast allen Bundesländern gestiegen - außer in Baden-Württemberg, wo es einen leichten Rückgang gab (2018: 24,0 Prozent / 2008: 25,6 Prozent). Spitzenreiter ist Thüringen, wo 37,9 Prozent (2008: 30,5 Prozent) der Schulabgänger Einser-Abi-Noten erreichten. Es folgen Sachsen (2018: 34,6 Prozent / 2008: 22,4 Prozent) und Bayern (2018: 31,5 Prozent / 2008: 24,0 Prozent). Auf den letzten Plätzen befinden sich Niedersachsen (2018: 21,7 Prozent / 2008: 16,1 Prozent) und Schleswig-Holstein (2018: 17,3 Prozent / 2008: 14,9 Prozent).

Man sehe das mit Sorge, sagte DHV-Sprecher Matthias Jaroch der «Rheinischen Post». «Qualität muss Vorrang vor Quantität haben.» Aus den Hochschulen kämen Klagen über das Text- und Schreibverständnis der Abiturienten und über Schwierigkeiten in Mathematik, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte der «Rheinischen Post» (Dienstag): «Ich verstehe, dass sich jeder über eine Eins im Abitur freut. Da ein Studienplatz in vielen Fällen von der Abiturnote abhängt, müssen in allen Ländern die Anforderungen aber vergleichbar sein.»

Keinen Grund für Alarm sieht man bei Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann sagte der Zeitung: «Dass die Schule einfacher wird und die Schüler fauler werden, erzählt man sich bereits seit 2000 Jahren». Das decke sich nicht mit ihrer eigenen Abitur-Erfahrung aus dem Jahr 1981. «Ich würde nicht sagen, dass es damals schwerer war. Wir hatten sogar mehr Freiräume.» Ihr Eindruck sei, dass die Jugendlichen heute zielstrebiger seien.

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sieht die Entwicklung ebenfalls positiv. Genau das, was nach dem PISA-Schock gefordert worden sei, werde nun getan: «Es gibt eine bessere Zusammenführung der Anforderungen und des zuvor erworbenen Wissens und der notwendigen Kompetenzen, dieses entsprechend anzuwenden. Sich dann, wenn sich das in den erbrachten Leistungen positiv niederschlägt, über eine «Noteninflation» zu beschweren, ist paradox».

Eine solche «Noteninflation» sieht allerdings auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger. Seiner Ansicht nach sind im Nachgang von PISA und anderen Vergleichsstudien in Deutschland die Leistungsmaßstäbe gesenkt worden. Von der Bildungspolitik sei das Ziel ausgegeben worden, «die Zahl der Abiturienten massiv zu steigern und die Zahl der Durchfaller und Sitzenbleiber drastisch zu reduzieren», sagte Meidinger der Deutschen Presse-Agentur.

Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Philologenverbands, der vor allem die Gymnasiallehrer vertritt, kritisierte ein verzerrtes Verhältnis von Leistung und Bewertung an den Schulen: Nicht ausreichende Leistung wird mit «Ausreichend» bewertet, gute Leistung mit «Sehr gut».» Das liegt ihrer Ansicht nach auch an einem gesellschaftlichen Trend: Noten seien ein sensibles Thema, schlechtere Noten würden weniger akzeptiert, es gebe Verbände und politische Gruppen, die Noten grundsätzlich hinterfragten und abschaffen wollten. Die Lehrer reagierten darauf, die Noten würden an jeder Schulart immer besser.

Lin-Klitzing sieht aber auch in Verbesserungen im Unterricht seit PISA einen Grund für die Steigerung bei den Abiturnoten. Zudem könnten sich Schüler wegen zentralisierter Abi-Prüfungen heute auch besser auf diese vorbereiten.

Letztlich lässt sich die Frage, ob nun die Schüler besser oder die Notenvergabe lascher geworden sind, nicht verlässlich beantworten. Dafür fehlen nach Angaben von Marko Neumann, dem stellvertretenden Leiter des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Vergleichsdaten - also bundesweite Leistungsmessungen bei Abiturienten. Angesichts der in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegenen Quote von Abiturienten sei er aber «ein Stück weit skeptisch», dass die besseren Noten Folge eines Anstiegs der Kompetenzen der Schulabgänger sein könnten, sagte er der dpa.

Bildung / Schulen / Abitur / Schulabschluss / Deutschland
16.09.2019 · 17:55 Uhr
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