Hybride Bedrohungen treffen jedes fünfte Unternehmen – und der Staat bleibt hinterher
Ein Fünftel spürt den Druck
Jede fünfte deutsche Firma berichtet von direkten Auswirkungen hybrider Angriffe aus dem Ausland. Cyberattacken, Spionage, Sabotage und gezielte Desinformation zwingen Unternehmen dazu, Werkschutz nachzurüsten oder Produktionsabläufe einzuschränken.
Besonders betroffen sind Konzerne mit über 250 Beschäftigten sowie die Branchen Information und Kommunikation, Energie- und Wasserversorgung und Entsorgung. Das Institut der deutschen Wirtschaft befragte 1.041 Unternehmen.
Schwache Verteidigung, diffuse Zuständigkeiten
Viele Betriebe haben zwar ihre IT-Sicherheit gestärkt, doch Notfallpläne für Strom- oder Wasserausfälle fehlen weitgehend. Der Austausch mit Sicherheitsbehörden ist dünn, Regelungen uneinheitlich, Zuständigkeiten unklar.
Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hat vor dieser Lage gewarnt: Die Bedrohungslage habe in den vergangenen zwölf bis 18 Monaten spürbar zugenommen. Er fordert einen zivilen Operationsplan zum Schutz kritischer Infrastruktur.
Ein Gesetz, das noch nicht wirkt
Das im März in Kraft getretene Kritis-Dachgesetz soll besseren Schutz bieten, bleibt nach IW-Einschätzung aber hinter den Anforderungen zurück. Die Wirtschaftsforscher warnen: mangelnde Vorbereitung destabilisiert Wirtschaft und Gesellschaft und erzeugt Kosten durch Produktionsausfälle und steigende Unsicherheit.
Wer zahlt, wenn der Staat nicht liefert?
Unternehmen müssen eigenes Kapital in Schutzmaßnahmen stecken, weil staatliche Abstimmungswege diffus bleiben. Das ist klassische Fehlallokation: Produktive Mittel werden für bürokratische Lücken verbraucht, statt in Wachstum und Innovation zu fließen.
Die Lösung liegt nicht in neuen Regulierungstürmen, sondern in klaren Zuständigkeiten, einheitlichen Standards und einer echten Kooperation zwischen Sicherheitsbehörden und den Unternehmen, die den Laden am Laufen halten. Solange das nicht passiert, bleiben die Risiken bei den Leistungsträgern hängen.

