Machtkampf im Jemen

Huthi auf dem Vormarsch – neue Gefahr für die Schifffahrt?

10. September 2026, 14:33 Uhr · Quelle: dpa
Huthi auf dem Vormarsch – neue Gefahr für die Schifffahrt?
Foto: Osamah Abdulrahman/AP/dpa
Die Huthi wollen ihre Macht ausbauen. (Archivbild)
Die Huthi haben eine strategisch wichtige Hafenstadt im Jemen erobert. Damit rückt die Miliz näher an eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Droht eine weitere Eskalation im Iran-Krieg?

Sanaa (dpa) - Im Jemen am südlichen Ende des Roten Meeres verschieben sich die Machtverhältnisse: Die Huthi-Miliz hat nach Angaben aus jemenitischen Militärkreisen und Augenzeugenberichten die strategisch wichtige Hafenstadt Mokka an der Westküste des Landes eingenommen. Damit rückt die von Iran unterstützte Miliz noch näher an die Meerenge Bab al-Mandab heran, einen der wichtigsten Engpässe für den internationalen Schiffsverkehr. Was bedeuten die jüngsten Entwicklungen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was passiert gerade im Jemen?

Im Jemen ist ein seit Jahren andauernder Konflikt erneut aufgeflammt. Die vom Iran unterstützten Huthi kämpfen gegen die international anerkannte Regierung und deren Verbündete. Eine seit 2022 faktisch geltende und weitgehend eingehaltene Waffenruhe ist im Sommer zusammengebrochen. Die aktuellen Kämpfe werden als schwerste Gefechte seit Jahren beschrieben.

Die Huthi gehören zur sogenannten iranischen «Achse des Widerstands», einem regionalen Netzwerk aus vom Iran unterstützten Milizen. Teheran unterstützt die Huthi ähnlich wie die Hisbollah im Libanon mit Waffen, Technologie, Fachwissen und finanziell. 

Auf der anderen Seite stehen die jemenitische Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird, sowie regierungstreue Kräfte. Teile der Westküste sind unter Kontrolle der sogenannten Nationalen Widerstandskräfte, angeführt von Tarik Salih, dem Neffen des inzwischen verstorbenen Ex-Präsidenten. Diese sind strategische Partner geworden im Kampf gegen die Huthi, gegen die das saudisch angeführte Bündnis auch Luftangriffe fliegt. 

Warum ist Mokka so wichtig?

Mokka liegt unmittelbar nördlich der Meerenge Bab al-Mandab. Diese gehört zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Über die Meerenge führt der Zugang zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden und damit die kürzeste Seeroute von Asien nach Europa. 

Mit der Einnahme Mokkas kontrollieren die Huthi nach der Einschätzung von Verteidigungsanalyst Wolfgang Pusztai einen Großteil der jemenitischen Westküste. Dadurch können sie den Schiffsverkehr im Roten Meer leichter bedrohen oder behindern als ohnehin schon, sagte er dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera. Sie könnten Schiffe künftig auch mit Artillerie beschießen und wären dafür nicht mehr zwingend auf Raketen oder Drohnen angewiesen.

Die Meerenge ist an der schmalsten Stelle etwa 20 Kilometer breit und damit deutlich schmaler als die Straße von Hormus, die etwa 50 Kilometer breit ist. Eine stärkere Kontrolle des Zugangs zu Bab al-Mandab durch die Huthi wäre ein erheblicher Rückschlag für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr. Die USA und die EU versuchten mit Militäreinsätzen bereits, Handelsschiffe besser vor Angriffen der Miliz zu schützen.

Die Huthi hatten schon im Zuge des Gaza-Kriegs aus Solidarität mit der Hamas wiederholt Schiffe im Roten Meer angegriffen. Dadurch wurde der internationale Schiffsverkehr erheblich gestört. Nach saudisch geführten Angriffen kündigten die Huthi im Juli eine Blockade der Schifffahrt für Saudi-Arabien an. Seitdem griffen sie mehrere Schiffe an und zwangen weitere zu Kursänderungen.

Welche Rolle spielt der Iran-Krieg?

Der Konflikt im Jemen ist eng mit dem Iran-Krieg verbunden. Einschätzungen der Jemen-Expertin Nadwa Dausari zufolge versucht der Iran die mit Teheran verbündete Huthi-Miliz im Jemen ähnlich wie die Hisbollah im Libanon als Verhandlungsmasse einzusetzen. Mit der Kontrolle über Mokka kann auch die Meerenge Bab al-Mandab – ähnlich zur Straße von Hormus – dem Iran als Druckmittel dienen. Allerdings handeln die Huthi etwas unabhängiger vom Iran und verfolgen vor allem das Ziel, ihre Macht im Jemen zu erhalten und auszubauen.

Die Meerenge wird seit Beginn dieses Kriegs verstärkt als Ausweichroute genutzt, um Ausfälle an der Straße von Hormus zu kompensieren. Eine stärkere Position der Huthi an der jemenitischen Westküste könnte den internationalen Handel und die weltweite Energieversorgung neben der faktischen Sperrung der Straße von Hormus noch stärker unter Druck setzen.

Nach Einschätzungen des israelischen Militärexperten Danny Citrinowicz reicht dafür allein die Bedrohung von Angriffen auf die Schifffahrt aus. Ein schlagkräftiger Huthi-Akteur, der Bab al-Mandab bedroht, Saudi-Arabien unter Druck setzt und US-Ressourcen verschlingt, werde vom Iran als Erfolg gewertet.

Können regionale Verteidigungspakte für Sicherheit sorgen?

Die Einnahme Mokkas durch die Huthi ist auch eine Herausforderung für andere Staaten in der Region. Pakistan hat den Iran nach Angaben aus Sicherheitskreisen mehrfach aufgefordert, die verbündeten Huthi zu zügeln. Armeechef Asim Munir soll Teheran bei einem Besuch gewarnt haben, Pakistan werde reagieren, sollten die Huthi die Schifffahrt im Roten Meer stören. 

Pakistan, die Türkei und Saudi-Arabien haben jüngst einen Verteidigungspakt geschlossen. Ein Angriff auf einen der drei Staaten soll demnach als Angriff auf alle gelten. Ein direkter Einsatz pakistanischer Kampfjets von Stützpunkten in Saudi-Arabien sei jedoch unwahrscheinlich, hieß es aus den Sicherheitskreisen in Islamabad. Es sei jedoch möglich, dass dort stationierte Luftabwehrsysteme gegen Huthi-Angriffe eingesetzt werden.

Experte Citrinowicz stellt den Verteidigungspakt infrage. Ein Bündnis, das nur in Friedenszeiten funktioniere, sei kaum ein belastbares Bündnis, schreibt er auf X.

Konflikte / Krieg / Jemen / Saudi-Arabien / Iran / Pakistan / Bab al-Mandab
10.09.2026 · 14:33 Uhr
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