HelloFresh-Aktie bricht schlussendlich ein: HelloFresh stellt für 2022 weiteres Wachstum in Aussicht

Zugleich soll der Umsatz spürbar um 20 bis 26 Prozent auf währungsbereinigter Basis steigen, stellte das DAX-Unternehmen in einer ersten, indikativen Prognose für 2022 in Aussicht. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 500 Millionen bis 580 Millionen Euro liegen - und damit unter den Erwartungen der Börse.

Analysten haben bisher für das kommende Jahr laut HelloFresh mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von 17,7 Prozent gerechnet. Beim bereinigten EBITDA liegt die Konsensprognose allerdings mit 647 Millionen Euro deutlich über dem nun in Aussicht gestellten Ausblick.

Vergangenes Jahr hatte die HelloFresh SE einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro erzielt. Das bereinigte EBITDA lag bei 505 Millionen Euro bereits über der Schwelle von 500 Millionen Euro. Die entsprechende Marge lag bei 13,5 Prozent, für das noch laufende Jahr hat das Unternehmen 8,25 und 10,25 Prozent in Aussicht gestellt.

2022 dürfte der operative Gewinn im besten Fall leicht steigen - gemäß der überraschend am Dienstagabend veröffentlichten Prognose ist sogar ein Rückgang möglich. Aktienanalysten hatten bisher einen höheren Wert auf dem Zettel, als das Unternehmen nun in Aussicht gestellt hat.

2022 soll der Erlös währungsbereinigt um 20 bis 26 Prozent steigen, teilte der Konzern überraschend am Dienstagabend nach Börsenschluss in Berlin mit. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Aebitda) soll bei 500 bis 580 Millionen Euro liegen. Während Experten beim operativen Ergebnis mit 647 Millionen Euro deutlich mehr auf dem Schirm hatten, rechneten sie mit einem geringeren Umsatzwachstum.

Im laufenden Jahr geht der Vorstand weiter von einem Umsatzwachstum von 57 bis 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 3,75 Milliarden Euro aus. Als absoluten Wert haben Experten derzeit einen 2021er-Umsatz von knapp 5,9 Milliarden Euro auf dem Zettel. Davon sollen der Prognose des Unternehmens zufolge zwischen 8,25 und 10,25 Prozent als bereinigtes operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Aebitda) hängen bleiben. Gemessen am mittleren Wert der Spanne und des erwarteten Umsatzes würde das auf rund 550 Millionen Euro hinauslaufen.

Der Vorstand um Konzernchef Dominik Richter betonte, dass HelloFresh weiterhin den Ausbau der Produktionsstätten forcieren wolle. Zudem solle in Technologie- und Datenplattform gestärkt werden. Der Konzern wolle "weiterhin erheblich in langfristiges Wachstum investieren". Dabei will HelloFresh auch in neue Länder expandieren und neue Marken einführen. Am Mittwochnachmittag will der Vorstand im Rahmen einer Investorenveranstaltung ein Update zu seinen Plänen geben.

JPMorgan-Analyst Marcus Diebel schrieb in einem ersten Kommentar, dass die Schätzung für das Ergebnis je Aktie im kommenden Jahr nun um etwa 20 Prozent sinken dürfte. Bernstein-Research-Experte William Woods bemängelte hingegen den Preis für die HelloFresh-Kochboxen: Fast 60 Prozent jener Menschen, die noch keine Box bestellt haben, hielten die Preise für zu hoch.

HelloFresh auf Fünfwochentief wegen enttäuschendem Gewinnziel

Die Anleger von HelloFresh müssen am Mittwoch den nächsten Dämpfer hinnehmen. Am Vortag hatten sich die Aktien gerade erst auf Erholungskurs begeben, nun warf sie ein enttäuschendes operatives Gewinnziel für das Jahr 2022 den Kurs erneut zurück. Im frühen Handel rutschten sie mit fast 10 Prozent Minus unter ihre 200-Tage-Linien als mittelfristige Trendbarometer.

Zuletzt blieb ein Abschlag von 10,92 Prozent auf 76,36 Euro übrig. Das Tagestief von 75,64 Euro bedeutete das niedrigste Niveau seit etwas mehr als einem Monat.

Beim Ergebnis je Aktie sieht der JPMorgan-Experte Marcus Diebel ein Rückschlagsrisiko für die Marktschätzungen von 20 Prozent.

Dabei gingen Investitionen zu Lasten der Marge des Kochboxenlieferanten, so Diebel. Die Enttäuschung darüber war größer als die Freude über die gleichzeitig erhöhte Umsatzprognose. 2022 soll der Erlös währungsbereinigt um 20 bis 26 Prozent steigen, was etwas dynamischer ausfällt als das von Experten erwartete Umsatzwachstum.

Analyst Clément Genelot vom Analysehaus Bryan Garnier sieht drei Gründe, warum der Konsens wohl zu anspruchsvoll war. Womöglich sei die Auslastung in den Auslieferzentren über dem Idealwert und deshalb mehr Investitionen nötig, um das Wachstum zu ermöglichen. Außerdem habe HelloFresh vielleicht doch darauf verzichtet, Preissteigerungen in der Lieferkette an die Kunden durchzureichen. Hinzu kämen wohl Lohnanstiege in den USA und Großbritannien, die am Gewinn zehrten.

Genelot sieht in all dem aber keine dramatische Entwicklung. Er rät einen Kursrückschlag wegen der Nachrichten zum Kauf zu nutzen. Er verwies auf ähnliche Reaktionen der Anleger im August, als der Konzern schon einmal seine Ziele für den Umsatz und den operativen Gewinn in unterschiedliche Richtungen änderte. Damals habe es auch zunächst einen herben Rückschlag gegeben, der aber schnell aufgeholt worden sei.

Genelot rechnet am Mittwoch außerdem damit, dass HelloFresh auf dem Kapitalmarkttag noch neue Mittelfristziele formulieren wird, die ermutigend ausfallen könnten. Die Veranstaltung startet erst am Nachmittag.

HelloFresh ernennt Valeri Liborski zum CTO ab Januar

HelloFresh bekommt einen Chief Technology Officer. Ab Januar wird Valeri Liborski die HelloFresh-Gruppe verstärken. Das kündigte der CEO des Kochboxenversenders, Dominik Richter, zu Beginn des Kapitalmarkttages des Berliner DAX-Konzerns an. Liborski hat Richter zufolge mehr als 25 Jahre Erfahrung in führenden Technologiepositionen bei Amazon, AWS und Microsoft.

FRANKFURT (Dow Jones) / FRANKFURT (dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 08.12.2021 · 17:50 Uhr
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