Konflikt in Südostasien

Heftige Kämpfe an der Grenze von Kambodscha und Thailand

09. Dezember 2025, 15:10 Uhr · Quelle: dpa
Nur sechs Wochen nach dem Waffenstillstand brechen an der thailändisch-kambodschanischen Grenze heftige Gefechte aus. Zehntausende Zivilisten müssen fliehen, während beide Seiten militärisch aufeinander losgehen.

Bangkok/Phnom Penh (dpa) - Nur rund sechs Wochen nach Unterzeichnung eines Waffenruheabkommens zwischen Thailand und Kambodscha ist die Gewalt an der gemeinsamen Grenze vollends eskaliert. Vielerorts entlang der 800 Kilometer langen Grenze der südostasiatischen Länder tobten am Dienstag heftige Gefechte. Zehntausende Bewohner des Grenzgebiets beider Seiten mussten in Schutzunterkünfte oder sicherere Landesteile flüchten. 

Beide Länder gingen mit Soldaten am Boden und teils unter Einsatz schwerer Geschütze gegeneinander vor. Die thailändische Luftwaffe flog nach Angaben einheimischer Medien weitere Angriffe auf mutmaßliche kambodschanische Armeestellungen. Ziel sei, das Militär des Nachbarstaats langfristig zu dezimieren, zitierte die Zeitung «Bangkok Post» den Generalstabschef des Militärs, Chaiyaphreuk Duangpraphat. Damit solle die Sicherheit der künftigen Generationen in Thailand gewährleistet werden. 

Kambodschas Senatspräsident Hun Sen erklärte, man habe zunächst Zurückhaltung gewahrt, um den am 26. Oktober vereinbarten Waffenstillstand zu respektieren. Doch inzwischen werde gekämpft, um sich zu verteidigen, und zwar mit «Schützengräben und Waffen aller Art».

Weitere Eskalation vorstellbar

Die aktuelle Rhetorik aus Bangkok lasse eine weitere Eskalation der Lage vermuten, sagte der Leiter der Forschungsgruppe Asien von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Felix Heiduk, der Deutschen Presse-Agentur. Der Kampf sei allerdings ein ungleicher: «Kambodschas Armee hat nur ein Drittel der Größe der Armee Thailands, das Militärbudget ist weitaus geringer und das Land hat überhaupt keine Luftwaffe», so der Experte der Stiftung mit Sitz in Berlin. Ob Thailand seine militärische Überlegenheit nutzen werde, um zum Beispiel Gebiete zu annektieren, sei allerdings reine Spekulation. Öffentliche Aussagen dazu gebe es bisher nicht. 

Hauptleidtragende des Konflikts sei in jedem Fall die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten. Hunderttausende seien aus ihren Dörfern im Grenzgebiet vertrieben worden. Auch der grenzüberschreitende Handel und die für beide Länder wichtige Arbeitsmigration aus Kambodscha nach Thailand seien gestört, so Heiduk. «Aus wirtschaftlicher Sicht macht dieser Konflikt für keine der beiden Länder irgendwie Sinn.»

Politisch berge die Eskalation allerdings eine Chance für Thailands Übergangs-Ministerpräsident Anutin Charnvirakul. Der dürfte Heiduk zufolge noch im Dezember Neuwahlen für Anfang 2026 ausrufen: «In Umfragen liegt er, der aus dem konservativen, militärnahen Lager stammt, gegenüber linken, progressiven Kräften zurück. Er könnte durchaus den Grenzkonflikt für die eigene Darstellung als Verteidiger der thailändischen Souveränität innenpolitisch nutzen.»

Verletzte und Tote auf beiden Seiten

Kambodscha und Thailand beschuldigen sich seit Sonntag, eine zuletzt geltende Waffenruhe im Grenzgebiet zuerst verletzt zu haben. In Kambodscha kamen nach Angaben des Verteidigungsministeriums seit Montag mindestens sieben Zivilisten ums Leben, mindestens 20 wurden verletzt. Thailändische Medien meldeten unter Berufung auf das Militär den Tod von vier Soldaten.

Das thailändische Nachrichtenportal «Khaosod» berichtete auf der Plattform X unter Berufung auf das Militär von heftigen kambodschanischen Angriffen auf thailändisches Hoheitsgebiet, unter anderem mit Mörsern und Artillerie. Der «Bangkok Post» zufolge wurde auch die thailändische Marine eingesetzt, um in der Provinz Trat kambodschanische Soldaten aus dem von ihnen besetzten Grenzgebiet zu verdrängen. 

Weder die Angaben aus Phnom Penh noch aus Bangkok ließen sich zunächst unabhängig überprüfen. 

Wurzeln des Konflikts liegen in Kolonialzeit

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in das unmittelbare Grenzgebiet und rät auch von Reisen in Provinzen in Grenznähe ab. Touristen wird geraten, sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts einzutragen. 

Die Nachbarländer hatten nach schweren Kämpfen im Juli Ende Oktober in Anwesenheit von US-Präsident Donald Trump auf dem Asean-Gipfel in Malaysia eine Erklärung für einen Weg Richtung Frieden unterzeichnet. Doch bereits im November wurde die vereinbarte Feuerpause nach einem neuerlichen Vorfall an der Grenze ausgesetzt. Jenes Abkommen sei «inhaltlich sehr dünn» und von gegenseitigem Misstrauen begleitet gewesen, sagte Heiduk dazu. 

Allein der wirtschaftliche Druck durch die Androhung höherer Zölle seitens Trump und dessen Inszenierung als Friedensstifter reichten nicht aus, um einen echten Friedensprozess anzustoßen. 

Problematische Grenzziehung in der Kolonialzeit

Die Wurzeln des Konflikts liegen in der Kolonialzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Frankreich den Grenzverlauf festlegte, es aber zu Abweichungen in den dazu veröffentlichten Karten kam. Thailand - das damalige Königreich Siam - habe sich benachteiligt gefühlt, da einige wichtige Tempelanlagen aus der Zeit des Khmer-Imperiums auf der Seite Französisch-Indochinas lagen, erklärte der Experte Heiduk. 

Vor allem der Hindu-Tempel Prasat Preah Vihear ist ins Zentrum des Streits gerückt. Beide Länder beanspruchen das umliegende Gebiet der seit 2008 zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Anlage an der Grenze. Immer wieder ist es schon in der Vergangenheit zu Gefechten zwischen den Streitkräften beider Länder gekommen, was die Region unsicher macht - auch für die vielen Pilger, die die dem Gott Shiva gewidmete Stätte besuchen wollen.

Militär / Konflikte / Thailand / Kambodscha
09.12.2025 · 15:10 Uhr
[0 Kommentare]
1- und 2-Cent-Münzen (Archiv)
Berlin - Die Zahl der Spender in Deutschland geht immer weiter zurück. Nur 13 Prozent geben aktuell an, regelmäßig Geld zu spenden, weitere 25 Prozent spenden gelegentlich, so eine Umfrage des Instituts Yougov, die der dts Nachrichtenagentur vorab vorliegt. Das macht zusammen 38 Prozent. Die tatsächlichen Zahlen sehen aber womöglich anders aus. Yougov […] (00)
vor 2 Minuten
Myles Kennedy will künstliche Intelligenz nicht zum Schreiben seiner Songs verwenden.
(BANG) - Myles Kennedy will künstliche Intelligenz nicht zum Schreiben seiner Songs verwenden. Der Alter-Bridge-Frontmann empfindet den kreativen Prozess als einen der erfüllendsten Teile seiner Arbeit und sieht keinen Grund, sich diese Erfahrung von KI wegnehmen zu lassen. In der SiriusXM-Sendung 'Trunk Nation With Eddie Trunk' machte Kennedy seine […] (01)
vor 7 Stunden
Dreame startet mit seiner neuen T-Serie
Dreame Technology, ein weltweit führendes Unternehmen für Smart-Home-Lösungen, gibt heute den Verkaufsstart seiner neuen T-Serie Nass- und Trockensauger bekannt. Nachdem die neue Generation erstmals im Mai vorgestellt wurde, ist das komplette Line-up nun auf dem europäischen Markt erhältlich. Mit fünf Modellen – T16 Pro Heat, T16 Pro Steam, T15 Pro […] (00)
vor 3 Stunden
Eiserne Demokratie bringt frisches Arsenal — Helldivers 2 erweitert Loadouts
Am 22. September erhalten Helldiver auf PlayStation 5, PC und Xbox Series mit der neuen Premium-Kriegsanleihe „Eiserne Demokratie“ Zugriff auf eine Vielzahl neuer Waffen und Ausrüstungsgegenstände für den intergalaktischen Krieg. „Kriegsanleihen” sind ein Live-Service in Helldivers 2, der Zugriff auf zahlreiche freischaltbare Inhalte bietet. Die […] (00)
vor 3 Stunden
JustWatch wird selbst zum Streamingdienst
Der bislang vor allem als Streaming-Suchmaschine bekannte Anbieter startet im Oktober JustWatch TV. Aus dem Streaming-Guide wird ein Streamingdienst: Die JustWatch Group startet im Oktober 2026 mit JustWatch TV erstmals ein eigenes Angebot für Filme und Serien. Zum Auftakt ist der Dienst unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in den USA, Kanada, Großbritannien, Irland, […] (00)
vor 6 Stunden
Lionel Messi
Buenos Aires (dpa) - Nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft könnte Lionel Messi doch noch zu einem weiteren Einsatz für Argentinien kommen. Trainer Lionel Scaloni nominierte den 39 Jahre alten Superstar in seinen Kader für drei anstehende Freundschaftsspiele. Verbandspräsident Claudio Tapia sagte, Messi habe die Einladung für das Duell mit […] (01)
vor 25 Minuten
business, computer, security, currency, finance, bitcoin, money, digital, financial, technology
Der Kupferpreis liegt am Dienstag bei etwa $6,30 pro Pfund, was einem Rückgang von fast 8 % seit seinem Rekordhoch Anfang August entspricht. Dies geschieht, nachdem das Metall seine erste Verlustwoche seit Juni verzeichnete. Ökonom Steve Hanke empfahl vor sechs Tagen, Kupfer weiterhin zu halten, kurz bevor die Rallye ins Stocken geriet. Die […] (00)
vor 41 Minuten
03.10.2026 ab 20 Uhr Konzert mit Siggi Schwarz & Band
Gundelfingen, 15.09.2026 (lifePR) - Gitarrenmeister Siggi Schwarz, der zu Deutschlands prägenden und bekanntesten Gitarristen zählt und seine internationale, hochkarätige Band interpretieren die Musik von Gary Moore auf eine einzigartige, besondere und begeisternde Art und Weise. Im Vordergrund steht die gefühlvoll und virtuos gespielte Gitarre von […] (00)
vor 7 Stunden
 
Friedrich Merz und Tino Chrupalla (Archiv)
Berlin - Eine Woche nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und vor den Wahlen in […] (03)
Roland Koch (Archiv)
Berlin - Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat seine Partei […] (02)
Senioren in einer Fußgängerzone (Archiv)
Berlin - Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich laut einer Umfrage des […] (01)
Bundeslagebilder Organisierte Kriminalität und Rauschgift
Berlin (dpa) - Kriminelle Banden in Deutschland greifen immer häufiger zu exzessiver […] (02)
Ralf Richter
Köln (dpa) - Seinen schauspielerischen Durchbruch feierte er mit einer Rolle im […] (01)
bitcoin, table, courses, finance, virtual, crypto, currency, money, coin, computer
Der HYPE-Token von Hyperliquid muss die Protokolleinnahmen schneller steigern als die […] (00)
Tessa Thompson und Michael Shannon verstärken die Besetzung von 'Last Meals'.
(BANG) - Tessa Thompson und Michael Shannon verstärken die Besetzung von 'Last […] (00)
Dame Helen Mirren hat verraten, dass sie Arztbesuche lieber vermeidet.
(BANG) - Dame Helen Mirren hat verraten, dass sie Arztbesuche lieber vermeidet und […] (00)
 
 
Suchbegriff