GTA 6 könnte alte Rockstar-Ideen retten, aber GTA 5-Fans sollten nicht zu viel erwarten
GTA 6 ist groß genug, um selbst alte Rockstar-Geister wieder auszugraben. Seit Monaten diskutieren Fans über Trailer, Screenshots, Fahrzeuge, Preise, Vorbestellungen und die Frage, ob die PC-Version wieder später kommt. Jetzt geht es um etwas anderes: gestrichene Inhalte.
Genauer gesagt um die Frage, ob Inhalte, die es damals nicht in GTA 5 geschafft haben, vielleicht in GTA 6 wieder auftauchen könnten. Klingt nach Wunschdenken. Ist es vielleicht auch. Aber ein früherer Rockstar-Entwickler erklärt jetzt, dass solche Dinge grundsätzlich möglich sind.
Der ehemalige Rockstar-Entwickler John Ricchio sprach im Podcast von Kiwi Talkz über geschnittene Inhalte, alte Missionen und die Frage, ob Rockstar Ideen später wiederverwendet. Und ja, natürlich hören GTA-Fans bei so etwas sofort sehr genau hin.
Gestrichen heißt nicht immer verloren
Ricchio erklärt, dass die Wiederverwendung alter Inhalte stark davon abhängt, wie sehr sich die Technik zwischen zwei Spielen verändert. Also nicht nur: Hatte Rockstar eine gute Idee? Sondern: Passt diese Idee technisch überhaupt noch in das nächste Spiel?
Sein Zitat dazu:
Ich glaube, es kommt darauf an. Ich glaube, vieles hängt davon ab, wie stark sich die Technik zwischen den Spielen oder zwischen den Iterationen des Spiels verändert. Wenn die Technik also im Kern gleich oder ähnlich genug ist, kann man es manchmal einfach reinwerfen nach dem Motto: ‚Hey, schauen wir mal, wie das funktioniert.‘
Das klingt erst einmal nach Hoffnung. Wenn ein Minispiel, eine Mission oder ein System damals nicht fertig wurde, könnte es später theoretisch wieder aus der Schublade kommen. Nur ist Rockstar eben nicht irgendein Studio, das alte Dateien nimmt und in den nächsten Ordner kopiert. Gerade zwischen GTA 5 und GTA 6 dürfte technisch sehr viel passiert sein.

Zwischen Grand Theft Auto VI (GTA 6) und seinem Vorgänger (GTA 5) liegen 13 (!) Jahre. – Bild: Rockstar Games
Bei GTA 4 ist es schon einmal passiert
Spannend wird es, weil Ricchio ein konkretes Beispiel nennt. Bei Rockstar gab es offenbar ein unangekündigtes Spiel, das eingestellt wurde. Einige Missionen daraus landeten später in GTA 4. Das ist genau die Art Hintergrunddetail, bei der man sofort wissen will: Welches Spiel war das? Welche Missionen waren das? Und wie viel Rockstar-Geschichte steckt eigentlich in bekannten GTA-Momenten?
Ricchio sagt:
Ich weiß, dass es bei Rockstar ein Spiel gab, das eingestellt wurde; es war eine Art unangekündigtes Spiel, und einige der Missionen, die wir dafür entworfen hatten, landeten schließlich in GTA 4, was irgendwie cool war.
Das ist kein Beweis dafür, dass GTA 6 jetzt automatisch alte gestrichene GTA 5-Missionen bekommt. Aber es zeigt: Rockstar wirft gute Ideen nicht zwingend für immer weg. Manchmal wartet eine Mission offenbar nur auf das richtige Spiel.
GTA 5 hatte offenbar viel geschnittenen Inhalt
Genau deshalb ist die Diskussion so interessant. GTA 5 war riesig, aber auch dieses Spiel wurde nicht mit allem veröffentlicht, was Rockstar ursprünglich geplant hatte. Ricchio sagte, dass bei GTA 5 kurz vor Veröffentlichung noch sehr viel gestrichen wurde. Darunter auch Minispiele, die angeblich schon fast komplett fertig waren.
Das passt zu Rockstar. Die Spiele wirken nach außen gigantisch, aber intern wird offenbar trotzdem gnadenlos geschnitten. Wenn etwas nicht funktioniert, nicht passt oder nicht rechtzeitig sauber wird, fliegt es raus. Selbst dann, wenn schon viel Arbeit darin steckt.

GTA V (GTA 5): Hätten Michael, Trevor und Franklin noch mehr Missionen gehabt? – Bild: Rockstar Games
GTA 6 ist kein alter Teile-Baukasten
Wenn Grand Theft Auto VI wirklich Rockstars „größte und immersivste Evolution“ der Reihe wird, wie Rockstar selbst schreibt, dann dürfte das Spiel technisch weit über GTA 5 hinausgehen. Und genau hier liegt der Haken. Eine alte Idee kann überleben. Alter Code eher nicht. Eine Mission, ein Konzept oder ein Minispiel kann neu gebaut werden. Aber einfach GTA 5-Reste in GTA 6 werfen? Das wäre bei einem Projekt dieser Größe und Qualität ziemlich unrealistisch.
Trotzdem ist die Vorstellung reizvoll. Vielleicht gab es in GTA 5 Aktivitäten, die in Los Santos nie richtig Platz fanden, in Leonida aber perfekt funktionieren. Vielleicht wurden alte Konzepte mit Jason und Lucia neu gedacht. Vielleicht stecken in GTA 6 Ideen, die Rockstar schon seit Jahren im Kopf hat. Nicht als Recycling. Eher als zweite Chance.
Für Fans klingt „geschnittener Inhalt“ oft wie verlorener Schatz. Für Entwickler ist es meistens Alltag. Spiele entstehen nicht linear. Dinge werden gebaut, getestet, verworfen, umgebaut, neu kombiniert oder später in völlig anderer Form wiederverwendet. Zwischen GTA 5 und GTA 6 liegen mehr als 13 Jahre. In dieser Zeit hätten einige Ideen von damals also Zeit gehabt zu reifen.
GTA 6 wird sicher kein Sammelbecken für alte Reste. Wenn etwas zurückkommt, dann wohl neu gebaut, neu gedacht und so versteckt, dass wir erst später darüber streiten können.


