Grüne gegen Ticketschranken an Bahnhöfen

15. September 2026, 16:20 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
München Hauptbahnhof (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur
München Hauptbahnhof (Archiv)
Grüne und AfD sehen Ticketschranken an Bahnhöfen als unpraktikabel an. Die SPD unterstützt den Vorstoß.

Berlin - Die Opposition hat den Vorstoß von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, die Einführung von Ticketschranken an großen deutschen Bahnhöfen zu prüfen, kritisiert.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Tarek Al-Wazir (Grüne), hält eine Zugangskontrolle zum Bahnsteig für den falschen Weg, wie er dem Nachrichtenportal "T-Online" sagte. Zwar sei es grundsätzlich richtig, dass Verkehrsminister Bilger angesichts des zunehmenden Gefühls der Unsicherheit handeln wolle. "Anders als bei unseren europäischen Nachbarn fahren in Deutschland Regional- und Fernverkehr teilweise im Minutentakt vom selben Gleis ab", gab er zu bedenken. Für den Regionalverkehr seien derartige Zugangsvoraussetzungen faktisch unmöglich, sagte der Verkehrspolitiker.

Eine technische Lösung der Zugangskontrolle gehe in zweifacher Hinsicht völlig an der Realität vorbei, mahnte er. Einerseits sei jeder Bahnhof anders und bräuchte deshalb eine individuelle Lösung. "Das ist Zeit- und sehr kostenaufwendig", so Al-Wazir. Andererseits würde eine Zugangskontrolle zum Bahnsteig für alle bei den täglichen Pendlerströmen seiner Ansicht nach zum Kollaps des gesamten Systems führen.

Bei der AfD zeigt man sich zwar prinzipiell aufgeschlossen für solche Maßnahmen. Doch bei der Eisenbahn in Deutschland würden häufig bauliche Hindernisse dagegen sprechen, sagte der verkehrspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag, Wolfgang Wiehle, zu "T-Online". Als Beispiele nannte er Durchgangsbahnhöfe mit mehreren Zugängen oder die gleichzeitige Nutzung von Gleisen durch den Fern- und Nahverkehr.

Wiehle schlug vor, dass die DB Infrago, die Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn, gemeinsam mit der DB Fernverkehr zunächst ein Pilotprojekt zu Zugangskontrollen erproben solle. Hierfür würden sich große Kopfbahnhöfe anbieten, zum Beispiel Frankfurt am Main, München oder Leipzig. "Dies kann aber nur an Bahnsteigen erfolgen, die ausschließlich durch den Fernverkehr genutzt werden", sagte der Verkehrspolitiker weiter. Er forderte eine ergebnisoffene Testphase, bevor weitere Entscheidungen gefällt werden.

Vom Koalitionspartner SPD bekommt Bilger Rückendeckung. "Den Zugang zum Bahnsteig an eine Fahrkarte zu knüpfen, halte ich für einen praktikablen und effizienten Schritt für mehr Sicherheit im Bahnverkehr", sagte der Berichterstatter für Bahnverkehr in der SPD-Bundestagsfraktion, Martin Kröber, dem Portal. Er forderte gleichzeitig die zeitnahe und flächendeckende Einführung eines solchen Systems, anstatt langwieriger Testphasen an einzelnen Standorten.

Bundesverkehrsminister Bilger hatte sich für solche Zugangskontrollen an großen deutschen Bahnhöfen offen gezeigt. Im Fernverkehr könne es sinnvoll sein, den Zugang zu den Bahnsteigen stärker an eine gültige Fahrkarte zu knüpfen, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Politik / Deutschland / Zugverkehr / Parteien / Bahnsicherheit / Steffen Bilger / Tarek Al-Wazir
15.09.2026 · 16:20 Uhr
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