GRENKE-Aktie knickt ein: GRENKE gibt weitere Prüfung in Auftrag - Gründer lässt AR-Mandat ruhen

Der MDAX-Konzern kündigte an, das in der Kritik stehende Franchise-System des Unternehmens unabhängig prüfen zu lassen. Auch eine Integration in den Konzern werde erwogen. Unternehmensgründer Wolfgang GRENKE lasse sein Aufsichtsratsmandat unterdessen ruhen, um Interessenskonflikte zu vermeiden.

GRENKE hatte am Freitag bereits mitgeteilt, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die bei dem Konzern seit drei Jahren die Bilanzen prüft, mit einem Sondergutachten beauftragt zu haben. Dabei soll es darum gehen, die Substanz des Geschäfts zu belegen und die Vorwürfe von Viceroy Resarch endgültig zu wiederlegen.

Bei der weiteren Prüfung durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, soll es um die Marktüblichkeit der Übernahmen von Franchise-Unternehmen gehen, die bei GRENKE gängig sind, und deren Vorteilhaftigkeit für den Konzern gehen.

GRENKE will jetzt auch prüfen, ob das Franchise-System insgesamt in den Konzern integriert wird und sich der Konzern früher als bisher an den Franchise-Partnern beteiligt. Bisher beteiligen sich Finanzinvestoren zunächst an den Franchise-Unternehmen. Als ein solcher tritt auch die CTP Handels- und Beteiligungs GmbH auf, die sich seit Januar im Besitz des GRENKE-Unternehmensgründers, Großaktionärs und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang GRENKE befindet.

Der hat nach Unternehmensangaben nun angeboten, dass der Konzern die von der Gesellschaft CTP gehaltenen Beteiligungen an den Franchise-Unternehmen übernimmt.

An dem bisherigen Grundprinzip der Erschließung neuer Märkte durch Gründung von Franchise-Unternehmen durch ehemalige Mitarbeiter und deren spätere Übernahme wolle GRENKE festhalten, sagte die Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky laut Mitteilung. GRENKE wolle "aber in Zukunft jeglichen Anschein von Interessenkonflikten vermeiden".

Bis die Vorwürfe etwaiger Interessenskonflikte ausgeräumt sind, lässt Wolfgang GRENKE sein Aufsichtsratsmandat mit sofortiger Wirkung ruhen, ebenso sein Aufsichtsratsmandat bei der GRENKE Bank und sein Verwaltungsratsmandat bei der Schweizer Grenkeleasing AG.

Wie der Konzern weiter mitteilte, bekennt sich die Familie Grenke dazu, ihr Aktienpaket von 40,84 Prozent an der GRENKE AG langfristig zu halten.

Der Konzern hat die Anfang vergangener Woche veröffentlichten Anschuldigungen von Viceroy Resarch, hinter der der britische Investor Fraser Parring steht, zurückgewiesen. Viceroy bemängelt unter anderem die Intransparenz des Franchise-Systems.

GRENKE schwanken nach neuer Stellungnahmen zu Vorwürfen stark

Neue Reaktionen von GRENKE auf die Betrugsvorwürfe der Investorengruppe Viceroy haben die zuletzt arg gebeutelten Aktien des Leasingspezialisten stark schwanken lassen. Die Anteilsscheine hatten am Montag im XETRA-Handel zunächst zwischenzeitliche Verluste von fast 12 Prozent wettgemacht und sind ins Plus gedreht, bevor sie wieder ins Minus abtauchten. Zum Handelsende notierten sie 7,21 Prozent tiefer bei 30,90 Euro.

Der Experte Philip Häßler vom Analysehaus Pareto Securities äußerte sich weiterhin eher skeptisch: "Generell sehen wir das Risiko eines Vertrauensverlusts der Anleger, der in Zukunft zu niedrigeren Bewertungsmultiplikatoren und höheren Refinanzierungskosten führen könnte." Diese Gefahr sollte mindestens so lange bestehen bleiben, bis die Ergebnisse der Sonderprüfung von KPMG veröffentlicht würden. Insgesamt dürften trotz des Dementis aller Vorwürfe Zweifel bleiben und operativ sei die Entwicklung der Risikovorsorge unverändert ein großer Unsicherheitsfaktor.

Vor den neuen Reaktionen von Grenke hatte der Fachmann Marius Fuhrberg vom Analysehaus Warburg Research eher optimistische Töne angeschlagen. Obwohl die Art der von Viceroy erhobenen Anschuldigungen allgemein schwer öffentlich zu widerlegen sei, habe Grenke mit seinen Stellungnahmen bis dato relativ gute Arbeit geleistet. Mit der Sonderprüfung strebe der Leasingspezialist nun mehr Transparenz an.

Es blieben Fuhrberg zufolge zwar Fragen offen zur Gesellschaft CTP, ihren früheren Eigentümern und dem gezahlten Kaufpreis. Das operative Geschäft von Grenke sei hiervon jedoch nicht betroffen. Fuhrberg wartet nun mit Spannung auf die Reaktion von Viceroy auf die Grenke-Stellungnahme.

Der Grenke-Kurs war nach der Veröffentlichung des Viceroy-Berichts am vergangenen Dienstag eingebrochen - in der Spitze war der Börsenwert des Unternehmens bis Donnerstag um mehr als 1,4 Milliarden Euro gesunken. An diesem Tag waren die Papiere zeitweise unter 24 Euro abgesackt und hatten damit das Niveau von 2014 erreicht.

FRANKFURT (Dow Jones / dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 21.09.2020 · 17:53 Uhr
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