Geplanter Insolvenzschutz könnte Pauschalreisen verteuern

Berlin (dts) - Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) plant eine weitreichende Reform für die künftige Absicherung von Kundengeldern bei Pauschalreisen. Das berichtet der "Spiegel" in seiner neuen Ausgabe. Die Firmen sollen künftig je nach Bonität zwischen 6,5 und 17 Prozent ihres Umsatzes als Sicherheit hinterlegen - etwa über Bankbürgschaften oder Versicherungen.

Außerdem sollen die Anbieter pro Kunde rund 30 Euro in einen Fonds einzahlen, der innerhalb von drei Jahren 1,2 Milliarden Euro ansammeln und im Insolvenzfall weitere Kosten tragen soll. In der Corona-geschüttelten Branche stoßen die Vorstellungen auf Gegenwehr, da zurzeit kaum ein Veranstalter zuverlässige Businesspläne erstellen kann. Branchenvertreter fürchten, dass Pauschaltrips durch die geplante Neuregelung teurer werden - und noch mehr Kunden ihre Reisen selbst im Internet zusammenstellen. Deshalb wollen sie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einschalten. Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums versichert, "die derzeitige Marktsituation" sei "Bestandteil der gegenwärtigen Prüfungen". Außerdem solle der geplante Fonds in der Aufbauphase durch "eine befristete staatliche Garantie abgesichert werden". Die Reform ist nötig, weil bei der Pleite des britischen Touristikkonzerns Thomas Cook vor knapp einem Jahr das vorhandene Sicherungssystem nicht ausgereicht hatte; die Regierung musste einen Großteil der Ausgleichzahlungen übernehmen.
Politik / DEU / Reise
04.09.2020 · 13:32 Uhr
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