Generative KI in Unternehmen: 60 Prozent der Informationswirtschaft stellen Anwendungen bereit, im Verarbeitenden Gewerbe sind es 30 Prozent
Eine Befragung von rund 1.500 Betrieben zeigt, wie weit der Abstand zwischen kleinen und großen Unternehmen beim Einsatz von Sprachmodellen inzwischen reicht und welche Werkzeuge dabei tatsächlich eingekauft werden

02. September 2026, 11:00 Uhr · Quelle: Pressebox
Die ZEW-Erhebung zeigt deutliche Unterschiede zwischen Branchen und Betriebsgrößen bei der Bereitstellung generativer KI.

Bietigheim-Bissingen, 02.09.2026 (PresseBox) - Fast 60 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft stellen ihrer Belegschaft generative KI-Anwendungen gezielt zur Verfügung. Laut einer am 8. Juni 2026 veröffentlichten Auswertung des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim liegt der Anteil im Verarbeitenden Gewerbe bei 30 Prozent. Befragt wurden im März und April 2026 rund 1.500 Unternehmen aus beiden Wirtschaftsbereichen. Welche Aufgaben Betriebe damit zuerst besetzen, zeigt der Überblick zu Software für automatische Meeting-Protokolle, einer der am häufigsten genannten Einstiegsfälle in Verwaltung und Vertrieb.

Wie viele Betriebe ihrer Belegschaft Werkzeuge bereitstellen

Nach Angaben des ZEW trennen die Zahlen zwischen aktiver Bereitstellung und bloßer Duldung. In der Informationswirtschaft erlauben weitere 16 Prozent der Unternehmen die Nutzung, ohne selbst Zugänge einzurichten. Im Verarbeitenden Gewerbe sind es 23 Prozent.

„Ein Zugang, den niemand bereitstellt, ist kein Verzicht auf die Technik, sondern eine Verlagerung in die private Ausstattung der Beschäftigten. Wer die Nutzung nicht organisiert, verliert die Kontrolle über die Daten, die dabei das Haus verlassen“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Was Unternehmen einkaufen, wenn sie Sprachmodelle einführen

Nach Angaben des ZEW setzen die Betriebe vor allem auf Lizenzen und Profi-Zugänge kommerzieller Anbieter. Quelloffene Anwendungen kommen seltener zum Einsatz. Eigene Anwendungen, die mit den Daten des Unternehmens angereichert sind, bleiben die Ausnahme und finden sich vor allem in großen Häusern der Informationswirtschaft.

Die Einführung fällt damit in den meisten Fällen als Lizenzentscheidung an, nicht als Entwicklungsprojekt. Für wiederkehrende Aufgaben wie das Erfassen und Zuordnen von Belegen zeigt der Marktüberblick zu KI-gestützter Dokumentenverwaltung, welche Funktionen dabei typischerweise verglichen werden.

Warum die Betriebsgröße über den Nutzungsgrad entscheidet

Der Abstand zwischen kleinen und großen Betrieben ist der auffälligste Befund der Erhebung. Ab 100 Beschäftigten steigt der Anteil der Unternehmen, die Werkzeuge bereitstellen, deutlich über den Branchenschnitt.

Die Erhebung vom Juni 2026 nennt folgende Werte:

  • Informationswirtschaft insgesamt: knapp 60 Prozent stellen generative KI bereit.
  • Informationswirtschaft ab 100 Beschäftigten: 87 Prozent.
  • Verarbeitendes Gewerbe insgesamt: 30 Prozent.
  • Verarbeitendes Gewerbe ab 100 Beschäftigten: 65 Prozent.
Für kleinere Betriebe ist der Rückstand weniger eine Frage der Lizenzkosten als eine Frage der Zuständigkeit. Wo niemand die Auswahl, die Einweisung und die Abrechnung übernimmt, bleibt die Einführung liegen, obwohl die Werkzeuge am Markt verfügbar sind.

Wo klare Vorgaben fehlen, entsteht Nutzung ohne Regeln

Verbote spielen laut der Auswertung kaum eine Rolle: 4 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 8 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe untersagen den Einsatz. Deutlich größer ist die Gruppe, die den Einsatz ohne klare Vorgaben laufen lässt, mit 22 Prozent in der Informationswirtschaft und 39 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe.

Für den Mittelstand ergibt sich daraus eine praktische Reihenfolge. Erst die Frage, welche Aufgaben überhaupt in Frage kommen, dann die Auswahl der Zugänge, dann eine schriftliche Hausregel zum Umgang mit Kundendaten. Die Erhebung des ZEW zeigt, dass viele Betriebe die zweite Stufe erreicht haben, ohne die dritte zu bearbeiten.

Software / Künstliche Intelligenz / Informationswirtschaft / Verarbeitendes Gewerbe / ZEW / Unternehmenssoftware / Digitalisierung
[pressebox.de] · 02.09.2026 · 11:00 Uhr
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