Investmentweek

Gefangen im Depot – Anleger klagen über Trade Republic

07. November 2025, 13:27 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Wertpapiere kaufen ist bei Trade Republic unkompliziert, doch Übertragungen stoßen auf Hürden. Anleger fordern Eingreifen der BaFin für reibungslose Prozesse.

Es wirkt wie ein schlechter Scherz: Wertpapiere lassen sich mit einem Klick kaufen – aber nicht übertragen. Genau das werfen Anleger und mehrere etablierte Broker derzeit Trade Republic vor. In Foren häufen sich Berichte frustrierter Nutzer, die seit Wochen versuchen, ihr Depot zu einem anderen Anbieter zu verschieben. Ohne Erfolg. Statt Unterstützung erhielten sie automatisierte Antworten, schreibt ein Nutzer auf Reddit:

„Nutze Trade Republic nicht, wenn du dein Depot irgendwann wechseln willst.“

Blockierte Depotwechsel – und niemand fühlt sich zuständig

Was bisher wie Einzelfälle wirkte, entwickelt sich zu einer Brancheneskalation. Mehrere etablierte Anbieter bestätigen gegenüber der WirtschaftsWoche ungewöhnlich lange Bearbeitungszeiten bei Überträgen von und zu Trade Republic. Normal sind drei bis fünf Tage. Doch nun berichten Fondsanbieter und Banken von Wartezeiten jenseits der drei Wochen – länger, als die Finanzaufsicht BaFin toleriert.

Die Deutsche WertpapierService Bank liefert Zahlen, die das Problem untermauern: Während 2021 nur 0,15 Prozent aller Depotüberträge länger als drei Wochen brauchten, waren es im vergangenen Jahr bereits 2,1 Prozent. In dieser Zeit explodierte die Kundenbasis von Trade Republic – von einer auf acht Millionen Depots. Kausalität? Offiziell nein. Korrelation? Offensichtlich.

Eine Prozessänderung als Brandbeschleuniger

Seit März dürfen Depotüberträge nicht mehr vom neuen Broker angestoßen werden. Kunden müssen den Wechsel selbst in der App von Trade Republic starten. Was nach Effizienz klingt, sorgt in der Praxis für Chaos. Kunden tragen nun selbst Depotnummern, Banken und Details ein. Machen sie einen Fehler, hängt der Prozess fest. Wettbewerber berichten, dass von ihnen initiierte Überträge ignoriert würden.

Konkurrenz-Broker sprechen von unnötigem Aufwand, Rückfragen und zusätzlicher Abstimmung. Ein Vertreter eines Fondshauses formuliert es drastischer: „Die Kommunikation ist entweder nicht hilfreich – oder nicht existent.“

Trade Republic verteidigt sich – und schiebt die Verantwortung weiter

Der Neobroker weist die Vorwürfe zurück. In neun von zehn Fällen dauere ein Wechsel weniger als fünf Tage, heißt es aus dem Unternehmen. Verzögerungen lägen am empfangenden Broker. Und überhaupt: Die BaFin habe Digitalisierung eingefordert, das Problem seien die anderen.

Doch die Branche sieht das anders. Bei traditionellen Brokern läuft der Prozess standardisiert über Formulare – bei Trade Republic automatisiert und damit fehleranfälliger, sagen Kritiker.

Smartbroker-Chef fordert BaFin – „nicht hinnehmbar“

Spätestens jetzt ist das Thema nicht mehr ein Streit zwischen Brokern, sondern eine Frage der Aufsicht. Thomas Soltau, Geschäftsführer von Smartbroker, geht offen in die Konfrontation:

„Diese Praxis ist nicht hinnehmbar. Aus unserer Sicht ist eine genaue Betrachtung durch die BaFin geboten.“

Dagegen argumentiert Trade Republic, dass durch die Automatisierung weniger Fehler passieren würden. Man sei erreichbar und halte sich an die Regeln.

Das größere Bild: Wenn der Neobroker zum Nadelöhr wird

Trade Republic hat den Markt verändert: Null Gebühren, App-first, alles digital. Doch Wachstum bringt Verantwortung. Wer acht Millionen Kunden auf die Plattform holt, darf sich beim Abgang nicht querstellen. Depotüberträge sind kein Nice-to-have, sondern gesetzlich verankertes Eigentumsrecht.

Wenn Anleger ihr Depot nicht wegbewegen können, entsteht ein strukturelles Problem – eines, das die BaFin nicht ignorieren kann.

Ein Broker, der Millionen junger Menschen an die Börse bringt, baut Vertrauen auf. Ein Broker, der sie beim Weggehen blockiert, verspielt es.

Finanzen / Education / Trade Republic / Depotübertragung / BaFin
[InvestmentWeek] · 07.11.2025 · 13:27 Uhr
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