GDL kündigt längsten Streik in ihrer Geschichte an
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat zu ihrem längsten Streik in der Amtszeit von Chef Claus Weselsky aufgerufen. Der Arbeitskampf soll insgesamt 136 Stunden dauern und damit noch länger sein als der bisherige Rekordstreik im Jahr 2015, der Deutschland für 127 Stunden lahmlegte. Der Streik betrifft sowohl den Personen- als auch den Güterverkehr und wird erhebliche Einschränkungen für Pendler und Wochenendausflügler mit sich bringen.
Es handelt sich bereits um den vierten Arbeitskampf im laufenden Tarifkonflikt zwischen der GDL und der Deutschen Bahn. Anders als bei früheren Streiks wird das Unternehmen dieses Mal jedoch nicht versuchen, gerichtlich gegen den Streik vorzugehen. Beim letzten Streikversuch der Gewerkschaft vor anderthalb Wochen wurde die Bahn sowohl vor das Arbeitsgericht Frankfurt als auch vor das Landesarbeitsgericht Hessen gezogen, unterlag jedoch in beiden Fällen.
Die GDL verteidigt den Streik mit Verweis auf das jüngste Angebot der Deutschen Bahn, das ihrer Meinung nach nicht ausreichend auf ihre Forderungen eingeht. Der Gewerkschaftschef betont, dass es keine Verhandlungsgrundlage gebe, um Gespräche mit der DB aufzunehmen. Bahnchef Richard Lutz hingegen kritisiert die Gewerkschaft und wirft ihr vor, den Konflikt zu verschärfen und auf Eskalation zu setzen.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing zeigt kein Verständnis für die Art und Weise des Arbeitskampfes und glaubt, dass die GDL und ihr Chef sich damit keinen Gefallen tun. Eine Rückkehr an den Verhandlungstisch ist derzeit nicht absehbar. Weselsky stellt klar, dass er Gespräche nur bei einer weiteren Entgegenkommen der DB aufnehmen werde. Eine Schlichtung lehnt er weiterhin ab.
Das jüngste Angebot der Bahn sieht eine Reduzierung der Arbeitszeit für Lokführer und Zugbegleiter von 38 auf 37 Stunden bei vollem Gehalt ab Januar 2026 vor. Alternativ gibt es eine Lohnerhöhung von 2,7 Prozent für diejenigen, die sich gegen die Arbeitszeitverkürzung entscheiden. Die Gewerkschaft lehnt dieses Angebot jedoch ab und kritisiert die Verfügbarkeit von ausreichendem Personal.
Kleinere Bahnunternehmen haben den Forderungen der GDL bereits zugestimmt und entsprechende Tarifverträge unterzeichnet. Diese stehen jedoch unter Vorbehalt und könnten von besseren Tarifbedingungen seitens der Deutschen Bahn abgelöst werden. Weselsky betont jedoch, dass es das Ziel der GDL sei, das Tarifniveau in der gesamten Eisenbahnbranche zu angleichen und zu verbessern.
Der Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der GDL läuft bereits seit November. Nach einer Urabstimmung unter den GDL-Mitgliedern sind auch unbefristete Streiks möglich. (eulerpool-AFX)

