Frühere WHO-Chefin Brundtland kritisiert China

Genf (dts) - Die ehemalige WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland kritisiert das chinesische Krisenmanagement zu Beginn des Corona-Ausbruchs. "Die Verantwortlichen dort waren zu langsam, haben zu spät informiert", sagte Brundtland dem "Spiegel". "Am schlimmsten war, dass es lange gedauert hat, bis sie die Ansteckung von Mensch zu Mensch eingeräumt haben."

Schon am 1. Januar sei dieser Infektionsweg klar erkennbar gewesen. Offiziell gab China dies erst am 20. Januar bekannt. Auch den europäischen Staaten hält die frühere norwegische Ministerpräsidentin Fehler vor. "Ich war schon etwas überrascht, dass die Reaktionen überall in Europa so langsam waren", sagte Brundtland. Dass der Kontinent zum Zentrum der Pandemie werden konnte, führt sie auf zu großes Vertrauen in die nationalen Gesundheitssysteme zurück. "Anscheinend waren viele Verantwortliche sehr optimistisch, was die Leistungsfähigkeit ihrer Krankenversorgung angeht". Außerdem hätten sie "unterschätzt, wie ansteckend das neue Coronavirus ist". Vorbildlich sei dagegen das entschlossene Handeln in asiatischen Ländern wie Taiwan und Südkorea gewesen: "Ihr Beispiel zeigt uns, dass die persönliche Freiheit manchmal hinter der Gesundheitsvorsorge für alle zurückstehen sollte."
Politik / China / Gesundheit
05.06.2020 · 13:00 Uhr
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