Frankreichs Regierung verspricht umfassende Hilfszusagen an Landwirte
Die französische Regierung hat angesichts wachsender Proteste der Landwirte weitreichende Hilfsmaßnahmen angekündigt. Aufgrund landesweiter Blockaden, die sich am Freitag auf den Großraum Paris ausgedehnt hatten, legte Premierminister Gabriel Attal am Abend ein umfassendes Paket von Maßnahmen vor. Dazu gehört die Rücknahme der geplanten Erhöhung der Besteuerung von Agrardiesel sowie die Bereitstellung von Nothilfen in Höhe von 100 Millionen Euro für durch Unwetter betroffene Landwirte und den Biosektor. Zudem sollen Hilfen für den unter Überproduktion leidenden Weinbau mobilisiert werden. Attal kündigte außerdem an, dass etliche Vorschriften und Verfahren mit sofortiger Wirkung vereinfacht würden.
Bei einem Besuch auf einem Hof nahe der spanischen Grenze betonte Attal, dass Frankreich eine Agrarmacht sei und das Land seine Landwirte liebe. Der Schutz vor unlauterer Konkurrenz werde verstärkt und Industrie und Handel würden mit drastischen Strafen belegt, wenn sie die in Frankreich geltenden Regelungen missachteten, die den Landwirten ein faires Einkommen sichern sollen. Attal rief die Bevölkerung dazu auf, nach Möglichkeit französische Erzeugnisse zu kaufen. Auch in Kantinen soll vermehrt Essen aus Frankreich serviert werden.
Für den jungen Premierminister, der erst vor gut zwei Wochen sein Amt angetreten hat, stellen die Bauernproteste eine erste große Herausforderung dar, noch vor seiner bevorstehenden Regierungserklärung in der kommenden Woche. Attal sprach fast eine Stunde zu den Landwirten, wobei er seine Ankündigung von zeitnah greifenden Erleichterungen aneinanderreihte.
Die Blockaden in Frankreich nehmen unterdessen immer größere Ausmaße an. Alleine im Süden des Landes waren 400 Kilometer Autobahn gesperrt und erstmals wurden im Großraum Paris auch Autobahnen in Richtung Hauptstadt blockiert. Die Agrarverbände wollten am Abend auf die Ankündigungen des Premierministers reagieren und darüber entscheiden, ob sie die Proteste fortsetzen. Die Bauern protestieren gegen überbordende Normen und Vorschriften, auch von der EU, und kämpfen für ein ausreichendes Einkommen.
Es sind auch außergewöhnliche Aktionen im Rahmen der Proteste geplant: In La Roche-sur-Yon haben Landwirte angekündigt, nackt auf aufgehäufte Strohballen in einem Kreisverkehr zu steigen, wie der Sender BFMTV berichtete.
In der Großstadt Reims kam es aufgrund der Bauernproteste zu einem Stau, der ein junges Paar auf dem Weg zum Kreißsaal in große Bedrängnis brachte. Die Frau brachte schließlich das Kind im Auto zur Welt, unterstützt von zwei Gemeindepolizisten und einem Feuerwehrmann, berichtete die Zeitung 'L'Est Républicain' unter Berufung auf die Stadt. (eulerpool-AFX)

