Frankreich trauert und fahndet nach Unterstützern

10. Januar 2015, 19:54 Uhr · Quelle: dpa

Paris (dpa) - Nach der beispiellosen Terrorwelle von Paris läuft die Fahndung nach möglichen Unterstützern der Terroristen weiter. Aus Protest gegen die Gewalt gehen die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straße. Paris bereitet sich auf einen riesigen Solidaritätsmarsch am Sonntag vor.

Nach dem dramatischen Ende der Anti-Terror-Einsätze in Frankreich suchen die Ermittler unter Hochdruck mögliche Unterstützer der islamistischen Gewalttäter. Intensiv gefahndet wurde nach der flüchtigen Lebensgefährtin eines der getöteten Terroristen - die 26-Jährige soll Frankreich aber schon einige Tage vor dem Anschlag auf das Satireblatt «Charlie Hebdo» verlassen haben, berichteten französische Medien. Gegen die Welle der Gewalt gingen am Samstag im ganzen Land insgesamt rund 700 000 Menschen auf die Straße, bilanzierte Innenminister Bernard Cazeneuve.

Auch nach dem Tod der drei Attentäter galt weiterhin die höchste Alarmstufe. Staatspräsident François Hollande rief erneut Minister und Sicherheitsdienste zu einer Krisensitzung zusammen.

Zu einem großen Solidaritätsmarsch werden am Sonntag in Paris Hunderttausende erwartet. Hollande empfängt viele internationale Regierungsspitzen und führende Politiker, darunter auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Tausende Polizisten und Soldaten werden die Demonstration im Osten der Hauptstadt absichern. Auf Hausdächern werden Scharfschützen postiert.

Mit dem Schweigemarsch soll der insgesamt 17 Opfer der islamistischen Terrorakte gedacht werden. Zwölf Menschen starben am Mittwoch beim Anschlag auf das Satiremagazin, eine Polizistin wurde am Donnerstag bei einer Schießerei im Süden von Paris getötet, vier Menschen brachte einer der Terroristen am Freitag bei einer Geiselnahme in einem jüdischen Laden im Osten von Paris um.

Die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) drohte Frankreich mit weiteren Anschlägen. Es werde neue Angriffe geben, sollte das Land nicht damit aufhören, den Islam, seine Symbole und die Muslime zu «bekämpfen», zitierte die Beobachtungsplattform Site. Sie berief sich auf eine per Video verbreitete Rede von Harith bin Ghasi al-Nadhari, einem der wichtigsten Glaubenshüter der Gruppe.

Die beiden Brüder Chérif (32) und Said Kouachi (34), die in der «Charlie-Hebdo»-Redaktion ein Blutbad mit zwölf Toten angerichtet hatten, riefen dabei «Allah ist groß» und «Wir haben den Propheten gerächt». Sie behaupteten, zur Terror-Organisation Al-Kaida zu gehören. Der jüngere der beiden hatte sich nach Erkenntnissen der Ermittler 2011 im Jemen aufgehalten.

Auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) drohte mit einer größeren Terrorkampagne und weiteren Angriffen in Europa und den USA. «Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein», sagte der IS-Prediger Abu Saad al-Ansari in der nordirakischen Stadt Mossul. Einen Zusammenhang mit IS behauptete auch Amedy Coulibaly (32), der dritte der am Freitag getöteten Terrorverdächtigen.

Die Polizei jagte weiter die flüchtige Lebensgefährtin von Coulibaly. Die 26-jährige Hayat Boumeddiene wird im Zusammenhang mit der Schießerei im Süden von Paris gesucht. Allerdings ist sie laut des französischen Senders RTL bereits am 2. Januar über Madrid nach Istanbul geflogen und am Donnerstag an der türkisch-syrischen Grenze gesehen worden. An diesem Tag war in Paris die Polizistin getötet worden. Für diese Attacke wird Coulibaly verantwortlich gemacht, der in einem Geschäft im Osten von Paris von Sicherheitskräften getötet wurde. Er soll vorher vier Geiseln getötet haben.

Zu der Solidaritätsveranstaltung am Sonntag in Paris werden aus Deutschland neben Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel auch die Minister Frank-Walter Steinmeier (Außen) und Thomas de Maizière (Innen) erwartet. Letzterer trifft sich zuvor mit EU-Kollegen, um über Konsequenzen im Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Daran nimmt auch US-Justizminister Eric Holder teil.

Spezialeinheiten hatten am Freitag in Dammartin-en-Goële etwa 40 Kilometer nordöstlich von Paris Chérif und Said Kouachi erschossen, die hinter dem «Charlie-Hebdo»-Anschlag stecken sollen. Fast zeitgleich beendeten sie die Geiselnahme im Pariser Osten.

Die drei Attentäter hatten sich nach einem Bericht des französischen Fernsehsenders BFMTV bei ihren Taten eng abgestimmt. In einem Gespräch sagte Coulibaly, er habe sich mit den Brüdern Kouachi abgesprochen. Die beiden sollten das Satireblatt angreifen, er selbst wollte Polizisten ins Visier nehmen. Coulibaly sagte auch, er habe Instruktionen der Terrormiliz IS bekommen. Die Fahnder wollen herausfinden, woher die Waffen der Terroristen stammten und ob die Männer Anweisungen erhielten, «aus Frankreich, dem Ausland oder dem Jemen», so der Staatsanwalt von Paris, François Molins.

Terrorismus / Medien / Frankreich / Deutschland
10.01.2015 · 19:54 Uhr
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