ffn-Programmdirektor Jens Küffner: „Wir erleben die Renaissance von handwerklich gut gemachten ...

Er ist der Überflieger unter den Programmdirektoren. Mit ffn, dem Sender aus Niedersachsen, für den Küffner seit gut eineinhalb Jahren arbeitet, verbuchte er zuletzt deutliche Hörergewinne. Wie arbeitet ein Bayer im hohen Norden? Wo liegen die Unterschiede zwischen Süd und Nord? Welche Major-Promos zünden und was ist das Geheimnis des populären Morning-Man Franky?

Herr Küffner, bevor wir anfangen über das Radio zu sprechen. Sie sind Bayer, arbeiteten einst in Nürnberg, waren auchmal Stadionsprecher des dortigen Eishockeyklubs, moderierten die Morningshow von Radio Regenbogen und sind vor knapp zehn Jahren aber in den Norden gezogen. Wie schwer ist es denn für einen Bayer die Hörgewohnheiten und Eigenheiten der Menschen ganz im Norden zu verstehen (und vielleicht auch anders herum)?

Die Gretchenfrage also gleich zu Beginn (lacht). Natürlich gibt es beim Radiomachen regionale Unterschiede, aber die grundlegenden Gesetze gelten an der Küste wie in den Bergen gleichermaßen. Das Tempo im Norden ist jedoch anders, schneller. Die Leute sprechen schneller, manche sagen, sie denken auch schneller (lacht). Und das wirkt sich aufs Radiomachen aus. Der Grundsound der Sender im Norden hat mehr Punch, die Dynamik und die Intensität der Programme sind höher.

Und doch freuen sich meine bajuwarischen Ohren immer, wenn sie Antenne Bayern oder Ö3 hören, denn damit sind sie sozialisiert worden. Die sprachliche Wärme, die beide Programme haben, klingt für Küstenohren erst einmal etwas befremdlich, wie ich bei Hörsessions in den Gesichtern meiner lieben Kolleginnen und Kollegen oft erkennen konnte (schmunzelt).

Sie sind jetzt fast zwei Jahre als Programmdirektor bei ffn tätig. Sie haben dort, nach allem was man hört, einen gut aufgestellten Sender vorgefunden, aber gemeinsam mit Ihrem starken Team in den ersten Monaten dennoch ein paar Dinge verändert. Welche Stellschrauben galt es zu drehen?

Richtig ist, dass radio ffn sich in den letzten fünf, sechs Jahren in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen halbiert hat. Es ging zu Beginn meiner Arbeit eher nicht darum, so weiter zu machen, wie davor, sondern Programm und Marke einmal neu zu denken. Deshalb hat mich ffn geholt.

Vielleicht auch, weil wir das bei R.SH in Kiel in den Jahren vorher ganz gut hinbekommen haben. Die Überlegungen, wie eine moderne AC-Marke heute klingen muss, haben wir im vergangenen Jahr in einen relativ umfangreichen Relaunch überführt und dabei an allen Stellschrauben gedreht, die da waren. Die jüngsten MA-Ergebnisse bestätigen unseren Weg, aber fertig ist man ja nie (lacht). Wie heisst es doch im Norden so schön: `Irgendwatt is immer´.

Sie sagen es: „Irgendwatt is immer“. Um als Radiosender immer attraktiv für die Hörer zu bleiben, hört das Weiterentwickeln natürlich nie auf. Welche Impulse waren jetzt für die neue Saison und somit die neue MA-Welle wichtig?
Nach den beschriebenen Programmveränderungen im letzten Jahr, heißt das Zauberwort für die aktuelle MA-Saison: Kontinuität. Sie brauchen Verbindlichkeit und Verlässlichkeit im Programm. Man kann nicht jedes Jahr alles auf den Kopf stellen, das macht die Hörer kirre. Vielmehr haben wir zwei, drei Bereiche definiert, in denen wir Anpassungen machen wollten, um den Sound und die Marke frisch zu halten; ein neues Jinglepaket, zwei neue Stimmen bei den Moderatoren und die Neustrukturierung unserer Digitalangebote.

Es wird gerade auch ein bisschen von dem Comeback des Worts im Radio gesprochen. Wie stehen Sie Wortinhalten und auch journalistischen Inhalten im Radio gegenüber?

Wort war nie tot! Im Gegenteil. Alle Sender, die seit Jahren erfolgreich in ihren Märkten stehen, setzen auf Inhalte, statt auf Bla bla oder nackte Geldgewinnaktionen. Wir erleben die Renaissance von handwerklich gut gemachten journalistischen Magazinsendungen, von spannenden Talk- und Call-In Formaten und nicht zuletzt von starken, regionalen Contentangeboten. Stündlich 10.000 Euro zu verschenken, wenn man ein paar Quizfragen beantwortet oder sich am Telefon mit einem Slogan meldet, ist kein Sendekonzept, sondern ein Eingeständnis inhaltlicher Irrelevanz. Die Menschen spüren das.

Das Interessante ist ja: Ihr Sender ffn hat nicht nur in der klassischen Stunde werktags massiv zugelegt, sondern auch am Wochenende. Am Samstag zum Beispiel um 48 Prozent, am Sonntag sogar um 78 Prozent. Was ist Ihr Geheimrezept fürs Wochenende?

Jeder ehrliche Radiomacher verweist bei dieser Frage auf die Schwankungsbreite der MA-Abfragemethodik aufgrund der geringen Fallzahlen am Wochenende. Klingt zwar nicht superhot oder sexy, ist aber die Wahrheit (schmunzelt).

Sie haben nicht nur bei den Zuhörern ab zehn Jahren, sondern auch in der wichtigen Zielgruppe 14-49 zugelegt. Wie unterscheiden sich Ihrer Sicht die Hörbedürfnisse von „jungen Menschen“ und „den Älteren“ und zu welchem Spagat wird ein Macher da ein Stück weit gezwungen?

Spagat trifft es! Was die jungen Leute längst kennen, kommt im Mainstream bei 30+ erst nach und nach an. Aber das war schon bei Elvis und den Beatles so. Wir gucken in der Programmarbeit jeden Tag darauf, dass sich jüngere Hörer genauso wohl in unserem Programm fühlen, wie die eigentliche Kernzielgruppe. Oft gelingt der Dreh über die Familiendenke, entsprechende Benchmarks, aber auch aufgrund der Alters- und Interessenbandbreite der Personalitys, die für ffn arbeiten.

Gutes Stichwort: Programmdirektoren von überall sprechen über Personalitys – mit Franky haben Sie die vielleicht größte in Radio Deutschland. Er hat 20 Jahre ffn in diesem Sommer gefeiert. Mal davon abgesehen, wie ungewöhnlich es ist, dass heute überhaupt jemand 20 Jahre in einer Firma arbeitet, welche Bedeutung hat Franky für ffn und umgekehrt?

Franky ist die Seele von ffn. Er schafft es, wie nur große Radiopersönlichkeiten es können, eine starke und enge Bindung zu den Hörern – gleich welchen Alters – aufzubauen. Franky ist der beliebteste und bekannteste Radiomoderator in Niedersachsen. Es gibt nicht viele, die in der Liga der ehrenwerten Gentlemen spielen, die diese Fähigkeiten besitzen. Leikermoser im München, Ment in Hamburg, Arno in Berlin, Voller in Kiel … Die Morningshow-Personalitys sind und bleiben das Aushängeschild der Sender. Umgekehrt wissen sie, wem sie ihr Standing, manchmal auch ihren Porsche, zu verdanken haben: Den Hörern und dem Sender.

Es ist ein klassisches Win-Win für beide Seiden.

Last but Not Least; als Major Promo haben Sie sich aktuell neben Ihrem „Vereinkleiden“ auch wieder für das Bezahlen von Rechnungen entscheiden, eine zur Zeit populäre Form des Gewinnspiels. Warum ist das Rechnungzahlen in dieser Zeit die vielleicht erfolgreichste Major-Promo?
Weil sie keine Majorpromotion sein will! „Wir zahlen Deine Rechnung“ ist keine Drückerpromotion, wie man sie aus den 2000ern kennt, sondern Content und Storytelling. Das echte Leben. Hinter jeder Rechnung steckt immer eine Geschichte, ein Mensch, ein Ereignis, eine Sehnsucht. Und auch 2019 hören Menschen gerne Geschichten. Im Radio! Darum geht’s.

Danke für das Gespräch.

Magazin / Interview
19.09.2019 · 09:14 Uhr
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