Fahmi Quadir: Die Frau, die gegen Tesla und Wirecard wettet

• Fahmi Quadir gehört mit unter 30 schon zu den bekanntesten Shortsellern
• Wette auf Valeant-Absturz hat sie bekannt gemacht
• Hedgefonds Safkhet Capital hält Shortpositionen auf Wirecard und Tesla

Die Frau hinter dem Hedgefonds Safkhet Capital ist hierzulande nur wenigen bekannt. Dabei hat sich Fahmi Quadir als Shortseller inzwischen einen Namen in der Finanzbranche gemacht. Als Kind von Einwanderern aus Bangladesh wurde Fahmi Quadir in Long Island geboren. Heute wettet sie gegen bekannte Börsengrößen - und will doch anders wahrgenommen werden, als typische Shortseller.

"Ich wollte nie bei Hedgefonds arbeiten"

"Von Anfang an hatte ich kein Interesse daran, an der Wall Street zu arbeiten. Ich wollte ausdrücklich nie bei Hedgefonds arbeiten. So wie ich aufgewachsen bin, stimmten meine Interessen damit nie überein - angesichts meiner politischen Ansichten und Ideologien war es der letzte Ort, an den ich jemals gedacht hätte", zitiert das Magazin "squaremile" die 29-jährige Quadir.

Tatsächlich war der Karriereweg der heutigen Hedgefonds-Managerin so nicht abzusehen. Sie studierte Mathematik und Biologie in Kalifornien und strebte eigentlich in ihrem Studienfach einen Doktortitel an. Eine Anstellung bei Deallus Consulting, einem Berater für Pharma- und Biotechunternehmen, sollte eigentlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu ihrer Promotion sein: Doch sie machte ihren Job als Analystin offenbar gut und kletterte schnell die Karriereleiter empor - schon nach kurzer Zeit stieg sie zum Senior Associate auf.

Von der Analystin zum Shortsellerin

Ihre nächste berufliche Station war Krensavage Asset Management, ein Fonds, bei dem man ihre Eignung zur Leerverkäuferin erkannte. Dank ihres Biologiestudiums konzentrierte sie sich in ihrem neuen Job auf Pharma- und Gesundheitsaktien. Ihr Arbeitgeber hatte ein Long-Position auf Valeant, einen Pharmariesen, der vielen seinerzeit als solides Investment galt. Quadir sah das allerdings anders, "Valeant hatte einen gewissen Ruf in der Branche", begründete sie später ihre Skepsis.

2015 schaffte sie es, die Verantwortlichen bei Krensavage davon zu überzeugen, ihre Beteiligung an dem Unternehmen aufzugeben und stattdessen eine Short-Position zu eröffnen - ausgerechnet dann, als die Aktie nahe ihrer Höchststände gehandelt wurde.

Es sollte der bis dahin größte finanzielle Erfolg von Quadir werden, denn ihre Intuition erwies sich als richtig: Obwohl 2015 operativ ein gutes Jahr für Valeant (heute Bausch Health) war, geriet das Unternehmen zunehmend unter Druck. Der Konzern saß auf einem hohen Schuldenberg und geriet wegen hoher Medikamentenpreise in die Kritik. Anfang 2016, mitten im US-Wahlkampf, nahm sich die damalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton den Pharmariesen vor und sprach sich vehement gegen die teils exorbitant hohen Preise aus. Demokraten im Kongress forderten eine Untersuchung im US-Kongress - Pharmaaktien stürzten reihenweise ab. Valeant traf die Entwicklungen besonders hart: Die Aktie brach um 90 Prozent ein. Was Quadirs Arbeitgeber, der auf ihre Bestreben hin eine Short-Position eröffnet hatte, satte Gewinne einbrachte, ließ eine andere Börsengröße alt aussehen: Der bekannte Hedgefonds-Manager Bill Ackman musste seine Valeant-Position mit einem Milliardenverlust schließen, dabei hatte er durch Stützungskäufe zuvor noch versucht, einen schlimmeren Absturz der Aktie zu verhindern. Verkauft haben soll der Experte seine Anteile schlussendlich bei 11,10 US-Dollar - als Krensavage seine Anteile an Valeant dank Fahmi Quadir abstieß, kostete die Aktie noch rund 250 US-Dollar.

Netflix klopft an - und Quadir geht ihren Weg

Der Erfolg der Shortwette auf Valeant hat auch den Streamingriesen Netflix aufmerksam werden lassen auf die junge Frau aus New York, die es mit etablierten Branchengrößen aufnahm. In der Netflix-Doku "Dirty Money" kam sie in einer Folge mit dem Namen "Drug Short" zu Wort und wurde so einem breiteren Publikum bekannt und zeigte sich im Rahmen der Dokumentation bemüht, die Vorurteile, die viele Menschen gegenüber Shortsellern haben, zu entkräften.

Beruflich ging sie unterdessen ihren eigenen Weg, nach zwei Jahren verließ sie Krensavage Asset Management und gründete ihren eigenen Hedgefonds: 2017 ging Safkhet Capital an den Start, benannt nach der ägyptischen Göttin der Weisheit. Mit diesem will die 29-Jährige offenbar einen anderen Ansatz verfolgen, als es viele Shortseller tun. Auf der Website des Unternehmens heißt es: "Bei Safkhet Capital ist es unsere Leidenschaft, Unternehmenskriminalität aufzuklären und eine zielgerichtete Regulierung und deren Durchsetzung zu fördern. Wir ermutigen alle Marktteilnehmer, von denen, die in den Markt investiert haben, bis zu denen, die ihn beaufsichtigen, in einen offenen Dialog darüber zu treten, wie wir gemeinsam die finanziellen und gesellschaftlichen Verluste, die damit verbunden sind, abfedern können".

Nichtsdestotrotz verdient der Hedgefonds Geld durch Wetten auf den Absturz von Aktien. Quadir betont in diversen Interviews aber immer wieder, dass es ihr darum geht, Shortwetten aus hehren Gründen zu platzieren: "Ich verdiene Geld daran, Unternehmen zu finden, die Menschen ausbeuten", so die Chefin von Safkhet. Der Hedgefonds hat seinen Fokus darauf, Konzerne im Hinblick auf Betrügereien oder Bilanzierungs-Schwachstellen zu identifizieren, bei denen es deutliches Abwärtspotenzial gibt.

Shortwetten auf Tesla

Erst kürzlich wurde bekannt, dass Quadir sich unter die Tesla-Shortseller gemischt hat. Der Elektroautohersteller scheint "in einer Zwickmühle zu stecken", begründete sie ihre Wette auf den Absturz der Tesla-Aktie. Für das Unternehmen von Elon Musk werde es schwierig, Geld über eine Aktien- oder Anleiheemission einzusammmeln. Vor diesem Hintergrund werde es immer offensichtlicher, "dass Tesla Schwierigkeiten hat, seine Rechnungen zu bezahlen", glaubt Quadir. Viele der Probleme, die Tesla derzeit hat, habe sie damals auch bei Valeant gesehen - wohin dies führen kann, hat die Geschichte gezeigt.

Safkhet habe lange Zeit an der Seitenlinie gestanden, ohne eine Position auf Tesla zu eröffnen - das sei einerseits der Macht der Marke und andererseits der Stimmung am Markt zu schulden gewesen. Doch nun, da immer mehr Teslas auf den Markt kommen, habe die Stimmung gedreht, glaubt die Hegdefonds-Chefin. Bei Tesla gingen die Erwartungen eindeutig nicht konform mit der Realität, so Quadir im Interview mit "Bloomberg".

Tesla-Chef Elon Musk und Leerverkäufer verbindet seit langem ein schwieriges Verhältnis. Immer wieder haben Shortseller in der Vergangenheit auf einen Einbruch der Tesla-Aktie gewettet, 26 Prozent der frei verfügbaren Tesla-Aktien werden aktuell geshortet.

Safkhet ist auch short in Wirecard

Ein weiterer bekannter Name, auf den Quadir Shortwetten laufen hat, ist der deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard. Schon Anfang 2018 hatte ihr Hedgefonds eine Wette auf einen Kurssturz bei dem DAX-Konzern platziert. Auch ein zwischenzeitliches Leerverkaufsverbot von Seiten der BaFin, das viele Leerverkäufer zur Aufgabe zwang, brachte Quadir nicht von ihren Shortpositionen ab.

"Ich bin fasziniert von Unternehmen, die über einen langen Zeitraum glaubwürdigen Anschuldigungen ausgesetzt sind, aber immer irgendwie davonkommen", sagt sie. Bei Wirecard sei dies bereits seit einem Jahrzehnt der Fall, begründete sie ihr Engagement.

Die Entscheidung der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kritisierte sie vor diesem Hintergrund seinerzeit scharf, indem sie einen Brief an Jean-Pierre Bussalb, den Leiter der Leerverkaufsabteilung, schrieb. Das Leerverkaufsverbot sei "bizarr" und "rückständig", hieß es in dem Schreiben, in dem sie zudem Leerverkäufe als Handelsstrategie als vorteilhaft und notwendige Ausgleichskraft zur Aufrechterhaltung der Markteffizienz verteidigte. Sie glaube nicht, dass es eine Situation gebe, in der ein Leerverkaufsverbot gerechtfertigt sei, betonte sie.

Anlegern von Wirecard riet sie, "die Kernkompetenzen von Wirecard und die in diesem Jahrzehnt gemeldeten Erfolge zu analysieren und sich zu fragen, ob das zusammenpasst". "Was zu gut ist, um wahr zu sein, ist normalerweise nicht wahr", so Quadir weiter.

Wirecard selbst hat unterdessen die jüngsten Vorwürfe der Financial Times ein weiteres Mal zurückgewiesen. Für den Hedgefonds ist dies aber kein Grund, seine Short-Positionen zu überdenken. "Es gibt weitaus einfachere Möglichkeiten, Geld zu verdienen, als short zu gehen - insbesondere bei der Größe der Positionen, die Safkhet einnimmt. Aber ich bekomme eine moralische Befriedigung, wenn ich das tue", betonte Quadir noch kürzlich.

Fahmi Quadir widerspricht daher dem Bild eines prototypischen Shortsellers, immer wieder in ihrer Karriere betonte die 29-Jährige, nicht einfach nur vom Untergang von Unternehmen profitieren zu wollen, sondern trat vielmehr als Verfechterin von Gerechtigkeit auf. Das Narrativ von Shortselling als Folge betrügerischer Unternehmensmachenschaften macht Fahmi Quadir in der Shortseller-Welt einzigartig.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 18.10.2019 · 16:09 Uhr
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