EZB setzt auf Zinssenkung: Hoffnungsschimmer für die europäische Wirtschaft?
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erneut ein Zeichen gesetzt und die Leitzinsen im Euroraum gesenkt, in der Hoffnung, Konjunktur und Investitionen zu beleben, die zuletzt unter hohen US-Zöllen litten. Mit der achten Zinssenkung seit Sommer 2024 wird der Einlagensatz um weitere 0,25 Prozentpunkte auf nunmehr 2,0 Prozent gesenkt. In Summe bedeutet das seit Beginn der Zinssenkungs-Phase eine Halbierung des Einlagenzinses. Auch der Zinssatz für die Geldaufnahme von Geschäftsbanken bei der EZB wurde auf 2,15 Prozent gesenkt - ein klares Signal für niedrigere Kreditkosten.
Analysten hatten diesen Schritt erwartet, bedingt durch die zurückgehende Inflationsrate im Euroraum. Nichtsdestotrotz sorgt der Handelsstreit mit den USA unter Präsident Donald Trump für Dauerstress in der Konjunktur. Wie EZB-Vizepräsident Luis de Guindos betont, beeinträchtigt die Ungewissheit die Investitionsfreude und schwächt das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen. Sollte China im Zuge des US-Handelskonflikts verstärkt Exporte nach Europa umleiten, sind weitere wirtschaftliche Auswirkungen zu erwarten.
Trotz internationaler Spannungen zeigt sich die EZB für das Wachstum der Eurozone in diesem Jahr zuversichtlich und prognostiziert ein Wachstum von 0,9 Prozent. Für 2026 rechnet die Bank nun mit einem Bruttoinlandsprodukt-Wachstum von 1,1 Prozent im Währungsraum. Öffentliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung könnten künftig weiterhin für Wachstum sorgen, während die Handelspolitik kurzfristig belastend wirkt.
In den aktuellen geopolitischen Wirren sieht EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowohl Risiken als auch Chancen: Die veränderte Weltordnung könnte den Euro international stärken. Stabilität bleibt jedoch oberstes Ziel der EZB, insbesondere bei der Wahrung der Preisniveaustabilität mit einer angestrebten Inflationsrate von 2,0 Prozent. Erste Schätzungen von Eurostat zeigen, dass die Inflation im Mai mit 1,9 Prozent leicht unter dem Zielwert liegt.
Zentralbanken versuchen, Preisschwankungen zu vermeiden, die Investitionsentscheidungen beeinflussen könnten. Die jüngste Zinssenkung könnte vorerst die letzte gewesen sein, lautet ein Konsens innerhalb des EZB-Rates. Stimmen wie die von Griechenlands Notenbankpräsident Yannis Stournaras und EZB-Direktorin Isabel Schnabel mahnen zur Vorsicht und raten zu einer abwartenden Haltung.

