EU vs. Schweizer Aktien: Schweizer Kapitalmarkt "gesichert und gestärkt"

Wegen Unstimmigkeiten über ein gemeinsames Rahmenabkommen, das die langfristigen Beziehungen verschiedener Art zwischen der EU und der Alpenrepublik klären soll, hat die EU ein anderes Abkommen mit der Schweiz, welches die Schweizer Börsenplätze als gleichwertige Handelsplätze ausgezeichnet hätte, zum 1. Juli auslaufen lassen. Seither dürfen Händler aus der EU in Zürich nur noch eingeschränkt handeln. Die Schweiz hat im Gegenzug dazu den Handel von Schweizer Wertpapieren an europäischen Handelsplätzen wie der Deutschen Börse oder der London Stock Exchange verboten. Bisher haben die Handelseinschränkungen nur minimale Auswirkungen, vor allem Kleinanleger sind betroffen. Doch den Bewertungen der Schweizer Aktien hat das Verbot des Handels in der EU bis dato kaum geschadet.

Schweizer Kapitalmarkt "gesichert und gestärkt"

Thomas Zeeb, Head Securities & Exchange bei der SIX, bewertet den Schritt der Schweiz, den Handel in der EU zu verbieten, als positiv. Dieser habe den Schweizer Kapitalmarkt "gesichert und gestärkt", äußerte er gegenüber dem Nachrichtenportal CNBC. Wer Schweizer Aktien handeln wolle, müsse das jetzt direkt bei ihnen vollziehen, im "liquidesten und tiefsten Orderbuch".

Die Schritte der EU gegen die Schweiz habe die SIX bereits im Vorhinein bedacht und sich dementsprechend vorbereitet. Die Börse habe direkte Kontakte zu ihren Klienten entwickelt und den regulären Austausch mit allen Anteilseignern in den letzten Monaten intensiviert, "damit der Handel nicht zerstört wird", so Zeeb.

Dass die EU den Handel an der SIX auf Dauer einschränken wird, glaubt Zeeb hingegen nicht. Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Schweizer Börse seien schon mehrmals von Technik-Experten der EU als gleichwertig eingestuft worden. Zeeb scheint keinen Grund zu sehen, weshalb sie dieses Mal nicht zertifiziert werden sollten. Er geht davon aus, dass sobald eine Einigung über die allgemeinen Rahmenbedingungen zwischen der EU und der Schweiz gefunden ist, auch die SIX wieder als gleichwertig eingestuft wird und der Handel wieder vollumfänglich erlaubt sein wird.

Droht Großbritannien nach Brexit das gleiche Schicksal?

Die Einschränkungen im Aktienhandel zwischen der Schweiz und der EU könnten auch ein Indiz dafür sein, wie die EU nach dem Brexit, der nach aktuellem Stand am 31. Oktober erfolgen wird, mit dem Vereinigten Königreich umgehen wird. Hier könnte dasselbe Prinzip angewandt werden, um Großbritannien zu Zugeständnissen an die EU zu bringen.

Das sieht zumindest Michael McKee, Partner der englischen Anwaltskanzlei DLA Piper. Konflikte um die "Gleichwertigkeit" verschiedener Handelsplätze seien schon immer ein beliebtes Mittel der EU gewesen, um andere Länder dazu zu bringen, ihre Gesetze zu ändern oder sich ein bisschen stärker an die Konzepte der EU anzunähern - normalerweise seien hier aber immer kleine Länder betroffen gewesen, die sich dagegen nicht wehren konnten. "Es ist das erste Mal, dass sich ein anderes Land wirklich der EU widersetzt - abgesehen von den großen Wirtschaftsmächten USA oder China."

Großbritannien würde anders reagieren als die Schweiz

Sollte die EU nach dem Brexit so mit Großbritannien umgehen, sieht McKee das allerdings nicht als kritisch an. Der Aktienmarkt und die Aktien auf dem Markt seien so umfangreich, außerdem sei das Handelsvolumen britischer Titel an der Londoner Stock Exchange und der FTSE 100 ausgewogen verglichen zum Handel an anderen europäischen Plätzen. Er glaubt auch nicht, dass Großbritannien so wie die Schweiz auf Einschränkungen der EU reagieren würde, denn im Gegensatz zur Schweiz sind britische Werte internationaler aufgestellt.

Die Handelseinschränkungen scheinen bisher keine großartigen Konsequenzen gehabt zu haben. Über Umwege können EU-Bürger Schweizer Werte immer noch ohne größere Kosten handeln. Ob es bald zu einer Einigung zwischen der Europäischen Union und der Schweiz kommen wird, bleibt abzuwarten.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 12.07.2019 · 19:32 Uhr
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