EU erhebt hohe Zölle auf russische und belarussische Agrarimporte
Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich auf drastische Zollermäßigungen für Getreide, Ölsaaten und andere ausgewählte Produkte aus Russland und Belarus geeinigt. Diese Maßnahmen werden die Einfuhr dieser Waren praktisch zum Erliegen bringen, wie am Donnerstag in Brüssel bekannt gegeben wurde. Unter Ölsaaten versteht man Pflanzen wie Sonnenblumenkerne oder Raps, aus denen Öl gewonnen wird.
In den vergangenen Jahren waren die Getreideimporte aus Russland in die EU signifikant angestiegen. Die Zollmaßnahmen dienen laut EU-Kommission zur Vermeidung einer Destabilisierung des europäischen Marktes. Es bestehe ein erhebliches Risiko, dass Russland durch extrem günstige Agrarexporte die Preise für europäische Landwirte ruiniert und die ohnehin angespannte Situation weiter verschärft. Zudem soll die Maßnahme dazu beitragen, Russland die finanziellen Mittel zur Fortsetzung des Angriffskriegs gegen die Ukraine zu entziehen. Die neuen Zölle treten zum 1. Juli in Kraft.
Statistische Erhebungen von Eurostat zeigen, dass in den Jahren vor dem Krieg 2020 und 2021 Getreideimporte aus Russland im Wert von knapp 120 Millionen Euro (2020) und gut 290 Millionen Euro (2021) getätigt wurden. Im Jahr 2022 stieg der Wert auf rund 325 Millionen Euro und 2023 sogar auf nahezu 440 Millionen Euro.
Besonders brisant: Eigentlich wollte die EU die Ein- und Ausfuhr von Agrarprodukten nicht einschränken. Wichtige frühere Angaben besagen, dass russische Exporte in andere Weltregionen durch die Zölle nicht verteuert werden sollten. Die Maßnahmen bergen das Risiko, dass sich die Preise für Lebensmittel weiter erhöhen, was besonders für die ärmeren Länder zu größeren Ernährungsproblemen führen könnte. (eulerpool-AFX)

