Migration

EU-Bericht: Italien blockiert Rücknahme von Asylbewerbern

16. Juli 2026, 16:52 Uhr · Quelle: dpa
Migration
Foto: Patrick Pleul/dpa
Italien gehört zu den Ländern mit wichtigen EU-Außengrenzen, die ein Recht auf Unterstützung anderer Mitgliedsländer haben. Dafür sollen sie im Gegenzug aber auch Asylbewerber aus Ländern wie Deutschland zurücknehmen, für die sie eigentlich zuständig sind
Jahrelang streitet Deutschland mit Italien und Griechenland darüber, wer nach EU-Regeln für welche Schutzsuchenden zuständig ist. Die neuen Asylregeln sollen den Streit beilegen. Klappt das?

Brüssel (dpa) - Italien blockiert einem EU-Bericht zufolge die Rücküberstellung von Schutzsuchenden aus anderen Mitgliedsländern. In den ersten drei Wochen nach Inkrafttreten des neuen EU-Asylsystems haben die italienischen Behörden zwölfmal abgelehnt, Schutzsuchende wieder aufzunehmen, für die sie zuständig wären, wie aus einer Analyse der EU-Kommission hervorgeht. 

Aus Kreisen der Bundesregierung heißt es, dass sich die genannten Fälle nach hiesiger Kenntnis nicht auf Deutschland, sondern ausschließlich auf andere Mitgliedsstaaten bezögen. In den ersten drei Wochen seit Inkrafttreten der Asylreform habe es keine Fälle zwischen Italien und Deutschland gegeben, auf die die neuen Regeln anzuwenden gewesen wären. 

Der EU-Bericht macht aber deutlich, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass sich die italienischen Behörden aktiv mit anderen Mitgliedstaaten über die praktischen und logistischen Schritte für Rücküberstellungen nach Italien abstimmten. Die EU-Kommission teilte zu dem Bericht mit, Italien habe zwar große Anstrengungen bei der Umsetzung der neuen Asylregeln unternommen, es seien aber konkrete Schritte erforderlich, um sicherzustellen, dass die Rücküberstellungen tatsächlich stattfänden.

Wichtiger Teil der neuen EU-Asylregeln

Die Analyse betrachtet die ersten drei Wochen der Umsetzung der neuen Regeln, die am 12. Juni mit der EU-Asylreform (Geas) in Kraft getreten waren. Sie konzentriert sich lediglich auf Zypern, Spanien, Griechenland und Italien, da die vier Länder mit wichtigen EU-Außengrenzen ein Recht auf Unterstützung anderer Mitgliedsländer haben. 

Dafür sollen sie im Gegenzug aber auch Asylbewerber zurücknehmen, die regelwidrig zum Beispiel nach Deutschland weitergezogen sind. Denn: Grundsätzlich ist das Mitgliedsland für Asylverfahren zuständig, in dem Schutzsuchende erstmalig in der EU ankommen. 

Jahrelang gab es daher Streit zwischen den Mitgliedsländern. Während sich die Staaten an den Außengrenzen mit den vielen Flüchtlingen alleingelassen fühlten, pochten Länder wie Deutschland und Frankreich auf die Zuständigkeitsregeln. Die EU-Asylreform sollte einen Ausgleich schaffen und den Streit befrieden. 

Griechenland, Zypern und Spanien stehen besser da 

Während Zypern und Spanien der EU-Kommission keine Sorgen bereiten, ist die Brüsseler Behörde bei Griechenland mit einem Urteil noch zurückhaltend. Die bisherigen griechischen Maßnahmen zeigten die Bereitschaft des Landes, die Umsetzung der neuen Regeln sicherzustellen, heißt es. 

Acht Anfragen für die Übernahme von Asylsuchenden hat Griechenland von anderen Mitgliedsländern laut Bericht bisher bekommen. Als der Bericht erstellt wurde, hatten die griechischen Behörden noch Zeit für eine Rückmeldung, da die gesetzlichen Fristen noch nicht abgelaufen waren. 

Da die neuen Regeln seit weniger als einem Monat angewendet würden, müssten die Ergebnisse dieser ersten Bewertung als vorläufig betrachtet werden, teilt die EU-Kommission mit. Eine umfangreichere Analyse soll im Oktober folgen. Sollten sich Länder wie Italien nicht an die Regeln halten, könnten sie den Anspruch auf Solidarität verlieren.

Ein EU-Beamter sagte, die Analyse zeige, dass die EU-Kommission genaustens verfolge, ob die Regeln umgesetzt würden.

Dobrindt verhandelte mit Griechenland und Italien 

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte Ende vergangenen Jahres nach eigenen Angaben Vereinbarungen zu den Rückübernahmen mit Italien und auch Griechenland getroffen. Der «Bild»-Zeitung sagte er Anfang Dezember 2025: «Wir haben uns mit Griechenland und Italien darauf verständigt, dass sie Migranten wieder zurücknehmen, die über ihre Länder die Europäische Union betreten haben.»

Aus dem griechischen Migrationsministerium hatte es daraufhin geheißen, Griechenland habe dafür erreicht, dass es bis zum Inkrafttreten der europäischen Asylreform keine Asylbewerber zurücknehmen müsse. Wenn jemand also illegal nach Griechenland und bis zum 12. Juni 2026 weiter nach Deutschland reiste, wurde die Person nicht zurück nach Griechenland gebracht. Das hatte in der Vergangenheit ohnehin kaum noch funktioniert.

Verzögert sich Ende der Grenzkontrollen deshalb?

Die Bundesregierung hatte in der Vergangenheit eine vollständige Umsetzung der EU-Asylregeln auch mit dem Ende der umstrittenen deutschen Grenzkontrollen verknüpft, die im September 2024 eingeführt worden waren. 

Langfristig setzt Dobrindt darauf, dass die Reformen des Migrationssystems funktionieren, um wieder aus Grenzkontrollen auszusteigen. Die sind im Schengen-Raum den Regeln nach eigentlich nicht dauerhaft vorgesehen. 

EU-Kommissar: Ende der Grenzkontrollen an der Zeit 

Der EU-Migrationskommissar Magnus Brunner bekräftigte daher zuletzt seine Forderung nach einem Ende der deutschen Grenzkontrollen. Es sei jetzt an der Zeit, die innereuropäischen Grenzkontrollen schrittweise abzuschaffen, sagte Magnus Brunner der dpa und anderen Mitgliedern des Nachrichtenagentur-Netzwerks European Newsroom (enr) in Brüssel. 

Brunner begründete seine Forderung damit, dass die EU-Außengrenzen besser geschützt würden und die Zahlen der illegalen Grenzübertritte dramatisch zurückgegangen seien. Die EU-Behörde Frontex hatte im ersten Halbjahr etwa ein Drittel weniger irreguläre Grenzübertritte an den Außengrenzen Europas verzeichnet. 

Auch der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sprach sich für die Aufhebung der deutschen Grenzkontrollen aus. «Diese Kontrollen bringen fast nichts und verstoßen gleichzeitig gegen grundlegendes europäisches Recht», sagte der frühere SPD-Chef der Deutschen Presse-Agentur.

Leider bleibe ein Aufschrei bisher aus. «Aber ich glaube, wenn jetzt viele Menschen in den Urlaub fahren und dann später bei der Rückreise nach Deutschland im Stau stehen, dann wird da einiger Ärger entstehen.»

Migration / EU / Asyl / Italien / Griechenland / Zypern / Spanien
16.07.2026 · 16:52 Uhr
[3 Kommentare]
Organspendeausweis (Archiv)
Berlin - Die Initiatoren eines Gruppenantrags zur Reform der Organspende haben ihren Gesetzentwurf am Donnerstag beim Parlamentssekretariat eingereicht. Das berichtet der "Stern". Damit wird das Gesetzgebungsverfahren ausgelöst und nach der parlamentarischen Sommerpause kann die erste Lesung stattfinden. Eine Orientierungsdebatte hatte bereits Ende Juni […] (00)
vor 1 Minute
Olivia Munn
(BANG) - Olivia Munn hat die Frauen, die sie während ihrer Brustkrebserkrankung kennengelernt hat, als "unglaublich, großzügig und unterstützend" beschrieben. Die 46-jährige Schauspielerin erhielt im April 2023 die Diagnose einer aggressiven Luminal-B-Brustkrebserkrankung in beiden Brüsten. Es folgte unter anderem eine beidseitige Brustamputation sowie […] (00)
vor 4 Stunden
Pressesprecherin des Weißen Hauses Leavitt
Washington (dpa) - Sie ist das Sprachrohr von US-Präsident Donald Trump. Mit nicht einmal 30 Jahren rückte Karoline Leavitt als jüngste Sprecherin überhaupt auf eine der wichtigsten Positionen im Weißen Haus – und prägte den Ton von Trumps teils erratischer Politik. Sie gilt als unerschütterliche Unterstützerin des Präsidenten. Überraschend hört […] (08)
vor 34 Minuten
Ohne jede Freiheit bringt frische Inhalte — Helldivers 2 nun im PS‑Plus‑Katalog
Der Krieg für die gelenkte Demokratie in Helldivers 2 erreicht die nächste Eskalationsstufe mit dem großen neuen Inhalts-Update „Ohne jede Freiheit”, bei dem die Helldiver in die Leere entsandt werden, um dort die Gesetze von Über-Erde durchzusetzen. Der Galaktische Krieg nimmt mit „Ohne jede Freiheit“ eine düstere Wendung – ein neuer, auf Horror […] (00)
vor 1 Stunde
«Reich» verfolgt das Geschäft mit dem Zweifel
Ein neuer ARD-Podcast untersucht, wie Lobbyisten und Unternehmen wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt infrage stellen und mit dieser Strategie wirtschaftliche Interessen verfolgen. Wie wird aus Zweifel ein Geschäftsmodell? Dieser Frage geht die neue fünfteilige Podcast-Reihe Reich– Das Geschäft mit dem Zweifel nach. Seit dem 13. August ist die Produktion in ARD Sounds sowie auf weiteren […] (00)
vor 3 Stunden
Reit-WM Aachen
Aachen (dpa) - Ohne Pferdepfleger geht es nicht. Ohne die Hilfe der Grooms hätte Deutschland bei der WM in Aachen nicht erneut Team-Gold in der Dressur gewonnen. «Ich glaube, der Pfleger ist fast wichtiger als der Jockey», sagt Mannschafts-Weltmeister Frederic Wandres und ergänzt: «Der Anteil ist mindestens 50 Prozent.» Lars Ligus ist aber noch viel […] (00)
vor 3 Stunden
ABN Amro übertrifft die Erwartungen deutlich und springt auf ein Rekordhoch
ABN Amro übertrifft die Erwartungen deutlich und die Aktie springt auf ein Rekordhoch ABN Amro hat die Gewinnerwartungen im zweiten Quartal deutlich übertroffen. Zwischen April und Juni erzielte die niederländische Großbank einen Nettogewinn von 781 Millionen Euro, umgerechnet rund 900 Millionen Dollar, ein Plus von 29 Prozent gegenüber den 606 […] (00)
vor 1 Stunde
Preisverleihung zum Stadtradeln im Landratsamt Donau Ries
Donauwörth, 13.08.2026 (lifePR) - Kürzlich hat die Preisverleihung zum Stadtradeln im Landratsamt Donau Ries in Donauwörth stattgefunden. Es wurden 961.840 Kilometer von 3411 Radfahrerinnen und Radfahrern zurückgelegt. Stefan Roßkopf, Radwegebeauftragter, gab einen kurzen Überblick über die drei zurückliegenden Wochen des Stadtradelns und bedankte sich bei allen Beteiligten für die erbrachten […] (00)
vor 2 Stunden
 
Sonnenfinsternis – München
Madrid/Berlin (dpa) - Es ist, als ob jemand plötzlich das Licht ausgeknipst hätte. […] (04)
Leichtathletik: Europameisterschaft
Birmingham (dpa) - Eine peinliche Panne hat im Zehnkampf-Wettbewerb bei den Leichtathletik- […] (00)
Erdbeben in Kolumbien
Cali (dpa) - Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien stehen die Rettungskräfte bei […] (01)
Taiwan-Flagge (Archiv)
Taipeh - Taiwans Regierung hat nach eigenen Angaben im vergangenen Monat KI-gestützte […] (00)
Reit-WM Aachen
Aachen (dpa) - Isabell Werth strahlte erleichtert und winkte ins Publikum. Die […] (02)
Das Erste und ZDF setzen für Klopp auf Wiederholungen
Während RTL das Nations-League-Duell zwischen den Niederlanden und Deutschland live überträgt, […] (00)
WhatsApp
Düsseldorf/Berlin (dpa/tmn) - WhatsApp führt Benutzernamen ein, damit man auf Wunsch […] (00)
Otoboke Beaver
(BANG) - Die Punkband Otoboke Beaver hat sich bei einem Fan entschuldigt, der nach […] (00)
 
 
Suchbegriff