Erschreckend geringes Interesse an TV-Sendungen zur Europawahl

Ob Dokumentationen, Talks oder TV-Duelle: Wirklich erfolgreich schnitten Sonderprogrammierungen zur Wahl des Europäischen Parlaments in den vergangenen Tagen nicht ab.

Am Sonntag ist es auch in Deutschland so weit: Millionen von Wahlberechtigten sind dazu aufgerufen, ihre Stimme bei der Europawahl abzugeben. In der Vergangenheit wurde die EU-weite Stimmabgabe von Bürgern nicht selten als Protestwahl interpretiert, die vor allem die politischen Ränder stärkte. Noch dazu kommt, dass die Wahlbeteiligung traditionell niedrig ausfällt, 2014 lag sie im europäischen Schnitt bei rund 43 Prozent. Dieser verhältnismäßig geringe Anteil an abgegebenen Stimmen gibt zumindest einen Hinweis darauf, dass sich viele Menschen nicht allzu sehr für die Europawahl interessieren. Schaut man noch dazu auf die Einschaltquoten, die Sendungen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern im Rahmen der Wahl zuletzt generierten, verfestigt sich dieser Eindruck.

Als eine der ersten großen Sendungen zur Europawahl zeigte Das Erste am 7. Mai die Wahlarena, die zur besten Sendezeit allerdings nicht über enttäuschende 2,03 Millionen Zuschauer ab drei Jahren hinauskam. In der Folge verharrte die Quote bei schwachen 6,9 Prozent bei allen. Auch bei den 14- bis 49-Jährigen fiel das Interesse an der Sendung mit den europäischen Spitzenkandidaten der großen Parteien angesichts von 4,9 Prozent eher enttäuschend aus. Noch schlechter lief es im direkten Gegenprogramm allerdings für die Reportage Wir Deutschen und Europa im ZDF, die nur 1,54 Millionen Menschen interessierte. Mit 5,3 Prozent holte die Sendung die schwächste Quote seit einigen Jahren unter dem ZDFzeit-Label.

Das Erste ging am vorvergangenen Montag mit Feindbild Brüssel - Was wollen Europas Rechtspopulisten auf Quotenfang, kam damit aber nicht über 1,52 Millionen Zuschauer und 5,2 Prozent hinaus. Gipfeltreffen Europa entpuppte sich Anfang dieser Woche immerhin als etwas gefragter. Die Diskussionsrunde im Ersten mit den Parteichefs aller großen deutschen Parteien schalteten ab 21 Uhr durchschnittlich 2,19 Millionen Zuschauer ein, der Marktanteil bei allen belief sich auf acht Prozent.

Sehr ernüchternde Marktanteile holte dafür ein weiteres TV-Duell mit Frans Timmermans und Manfred Weber, das in der vergangenen Woche im ORF und ZDF lief. Mit 1,68 Millionen Gesamtzuschauern machte Das #tvduell zur Europawahl am vorletzten Donnerstag eine unterirdische Performance, der damit einhergehende Marktanteil belief sich auf ernüchternde 5,8 Prozent. Ein am gleichen Abend gezeigter Schlagabtausch mit Vertretern von FDP, Grüne, AfD und Linke konnte ab 22.15 Uhr immerhin leicht zulegen. Doch auch diese Sondersendung des ZDFs machte mit 8,7 Prozent Marktanteil bei 1,69 Millionen Zuschauern keine allzu rühmliche Figur, beim jungen Publikum blieb die Quote sogar bei 3,8 Prozent stecken.

Eine gute Leistung zeigte Anne Will am vergangenen Sonntag, die sich unter anderem mit Manfred Weber und Katarina Barley schwerpunktmäßig über die sogenannte Ibiza-Affäre unterhielt. 3,49 Millionen Zuschauern ab drei Jahren und 13,5 Prozent der Zuschauer interessierte das, damit bot sich den Spitzenkandidaten hier also die bislang größte televisionäre Bühne im Vorfeld der Europawahl. Schon am Dienstag stürzte ein weiterer Themenabend zur Europawahl im ZDF deutlich unter den Senderschnitt. Die Diskussionsrunde mit Zuschauerfragen zum Thema Wie geht’s Europa interessierte lediglich 2,37 Millionen Zuschauer, Wie geht’s Europa - Die Dokumentation brachte es sogar nur auf 1,66 Millionen Interessenten.

Fazit: Europa wählt, doch kaum einen interessiert’s. Überzeugende Quoten konnten die öffentlich-rechtlichen Sender mit Sondersendungen zum Thema Europawahl in den letzten Tagen nicht einfahren. Abseits der regulären Talkshows hielt sich das Interesse in sehr engen Grenzen. Auch wenn das für die Wahlbeteiligung am Sonntag selbst noch nichts heißen muss: Ein hoffnungsvolles Signal sieht leider anders aus...
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25.05.2019 · 14:00 Uhr
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