Ernährung: Nahrungsergänzungsmittel sind weitestgehend wirkungslos

Nahrungsergänzungsmittel sind im Trend und ein lohnendes Geschäft. 2018 gaben Deutsche insgesamt 2,1 Milliarden Euro für derartige Mittel aus. Ihr Nutzen darf allerdings in Zweifel gezogen werden. Nach einer Metastudie von Forschern der West Virginia University in Morgantown kam zu dem Ergebnis, dass die meisten Nahrungsergänzung nicht halten, was sie versprechen.

Tun wir uns mit Nahrungsergänzungsmitteln etwas Gutes?

Wer zu Nahrungsergänzungsmitteln greift, der tut seinem Körper etwas Gutes – zumindest soll uns das suggeriert werden. Egal, ob es um Vitamine, Omega-3-Fettsäuren oder Antioxidantien geht: Nahrungsergänzungsmittel sollen unseren Körper vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, die Abwehrkräfte stärken oder uns insgesamt einfach gesünder machen.

Diese Behauptungen werden aber von vielen Studien nicht gestützt. Einigen Zusatzpräparaten wurde sogar schon eine eher schädliche Wirkung bescheinigt. Ein Team rund um Safi Khan von der West Virginia University in Morgantown wollte herausfinden, was wirklich an den angeblich gesundheitsfördernden Wirkungen der kleinen Kapseln oder Tabletten dran ist und haben dazu eine großangelegte Metastudie durchgeführt.

Die Einnahme bestimmter Mittel kann sogar gefährlich sein

Insgesamt werteten die Forscher die Ergebnisse von 277 klinischen Studien mit 992.129 Probanden aus. Die jeweils ausgewerteten Studien untersuchten unter anderem die Wirkung von Antioxidantien, Vitamin B und D, Eisen, Folsäure und Omega-3.

Das Ergebnis ist der Studie offenbart, dass etwa kombinierte Einnahmen gefährlich sein können. So fanden die Forscher heraus, dass die Einnahme von Vitamin D und Calccium das Schlaganfällrisiko um 17 Prozent erhöht. Bei alleiniger Einnahme haben die entsprechenden Präparate jedoch keine negativen Folgen.

Interessanter ist allerdings, dass die Wissenschaftler nur für zwei Nahrungszusätze sowie eine Diätform positive Effekte nachweisen konnten. So ist es für das Sterblichkeitsrisiko vorteilhaft, bei der Ernährung auf zu viel Salz zu verzichten. Wer sich salzarm ernährt, starb im Studienzeitraum seltener an einer kardiovaskulären Herzerkrankung oder anderen Ursachen. Und auch Omega-3-Kapseln wirken sich positiv auf die Herzgesundheit aus. Das Evidenzniveau in Bezug auf die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren sei allerdings vergleichsweise niedrig, so die Forscher.

Nur wenige Mittel haben einen nachweisbaren positiven Effekt

Auch die Einnahme von Folsäure kann für bestimmte Bevölkerungsgruppen Sinn ergeben. Entsprechende Präparate können das Schlaganfallrisiko minimieren. Allerdings gilt das den Forschern zufolge vor allem in Ländern wie China, wo die Menschen eher wenig Folsäure über ihre normale Ernährung aufnehmen.

Insgesamt vermittelt unsere Analyse eine einfache Botschaft: Obwohl einige wenige Nahrungsergänzungsmittel einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben können, wirkt sich ein Großteil der Vitamine, Mineralien und Co nicht messbar auf das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen oder das Überleben aus„, fasst Khan die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen. Mit anderen Worten: Kann man machen, bringt halt nichts.

Das Allheilmittel oder die Wunderpille, die viele in Nahrungszusätzen vermuten, gibt es nicht. Die Menschen sollten sich vielmehr darauf konzentrieren, alle wichtigen Nährstoffe durch eine gesunde und ausgewogene Ernährungsweise zu erhalten. Die Mehrheit der gesunden Erwachsenen braucht keine Nahrungsergänzungsmittel„, so Mitautorin Erin Michos von der Johns Hopkins University in Baltimore.

Wissenschaft / Ernährung / Medizin
[trendsderzukunft.de] · 17.07.2019 · 16:00 Uhr
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