Ennoconn überschreitet 30-Prozent-Schwelle bei Kontron – Pflichtangebot angekündigt

Ennoconn strebt Übernahme von Kontron an
Der Technologie-Konzern Kontron steht vor einer entscheidenden Phase, nachdem der Großaktionär Ennoconn die 30-Prozent-Beteiligung überschritten hat. Ennoconn beabsichtigt, den restlichen Aktionären ein Pflichtangebot zu unterbreiten, dessen Preis bei 23,50 Euro pro Aktie liegen soll. Diese Nachricht wurde am Mittwochabend aus Linz übermittelt und fand bei den Anlegern großen Anklang.
Am Donnerstag stieg der Aktienkurs von Kontron um fünf Prozent auf 23,52 Euro, was die Aktie in eine der führenden Positionen im SDax katapultierte. Seit Jahresbeginn hat das Unternehmen einen leichten Anstieg von über drei Prozent verzeichnet, muss jedoch auf eine negative Entwicklung von nahezu 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückblicken.
Prüfung des Angebots und Marktentwicklung
Kontron plant nun, das Angebot eingehend zu prüfen. Der vorgeschlagene Preis liegt lediglich 2,4 Prozent über dem Schlusskurs vom 9. Juni, erfüllt jedoch die gesetzlich vorgeschriebene Mindestpreisklausel von 23,48 Euro, wie Ennoconn betont hat. Bereits seit einem Monat kursierten Gerüchte über ein bevorstehendes Übernahmeangebot, was die Spekulationen um die Zukunft des Unternehmens angeheizt hat.
Analyst Malte Schaumann von Warburg Research äußert sich skeptisch zu einer breiten Annahme des Angebots durch die Aktionäre. Dennoch könnte das Gebot von 23,50 Euro als eine Art stabilisierender Faktor für den Aktienkurs fungieren.
Herausforderungen und Perspektiven für Kontron
Im Mai hatte Kontron bereits Maßnahmen zur Kostensenkung angekündigt, darunter den Abbau von 500 Arbeitsplätzen in der Sparte Greentec. Diese Entscheidung zielt darauf ab, die Gewinnmargen zu verbessern, wird jedoch kurzfristig durch die damit verbundenen Kosten belastet. Im ersten Quartal zeigte sich eine verhaltene Umsatzentwicklung, die den Gewinn zusätzlich unter Druck setzte.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Management unter der Leitung von Konzernchef Hannes Niederhauser mit einem Umsatz, der leicht über dem Vorjahresniveau von rund 1,6 Milliarden Euro liegen sollte. Der bereinigte operative Gewinn (EBITDA) soll, ohne die Kosten des Personalabbaus, 225 Millionen Euro erreichen. Im Jahr 2025 wurden hier 220,5 Millionen Euro ausgewiesen. Diese Prognosen verdeutlichen die Herausforderungen, vor denen Kontron steht, und die Notwendigkeit, innovative Strategien zu entwickeln, um langfristig den Shareholder Value zu sichern.

