Endspurt vor der Wahl: Boris Johnson kämpft «um jede Stimme»

Wahlkampf in Großbritannien
Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa
Großbritanniens Premierminister Boris Johnson sitzt mit anderen Kabinettsmitgliedern mit Headset vor einem Bildschirm an einem Tisch im Call Center des Hauptquartiers der Konservativen während des Wahlkampfs.

London (dpa) - Wenige Tage vor der Neuwahl des Parlaments in Großbritannien hat Premierminister Boris Johnson mit seinen Konservativen in Umfragen weiter die Nase klar vorn. Dennoch kann der Regierungschef noch nicht siegessicher sein.

Er sei nervös und kämpfe «um jede Stimme», sagte Johnson dem Nachrichtensender Sky News. Sein politisches Schicksal für den Fall, dass er bei der Wahl am Donnerstag nicht die Mehrheit bekommen sollte, ließ er offen.

Bisherige Umfragen sehen die Konservativen bei deutlich über 40 Prozent, Labour etwa bei 32 bis 33 Prozent. Neue Umfragen, die am Wochenende veröffentlicht wurden, bestätigten diesen Trend, mit kleineren Einbußen für die Konservativen.

Oppositionsparteien wie die Liberaldemokraten und die Schottische Nationalpartei (SNP) riefen am Sonntag zum taktischen Wählen auf: Dadurch sei es immer noch möglich, das Steuer herumzureißen. Die Labour-Partei um Jeremy Corbyn hat kaum Aussichten auf eine eigene Mehrheit und muss darauf hoffen, nach der Wahl mit Hilfe von kleineren Parteien eine Minderheitsregierung bilden zu können.

Großbritannien hat ein Mehrheitswahlrecht: Nur der Kandidat, der in einem der 650 Wahlkreise die meisten Stimmen erhält, bekommt einen Sitz im Unterhaus. Vor allem in vielen Wahlkreisen in Mittel- und Nordengland liefern sich Johnsons Tories und Labour ein enges Rennen.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stehen der umstrittene EU-Austritt, für den die Briten beim Referendum 2016 mit knapper Mehrheit gestimmt hatten, und der marode staatliche Gesundheitsdienst NHS.

Für Spott sorgte die Antwort Johnsons auf die Frage der Sky-News-Moderatorin, was wohl das Ungezogenste gewesen sei, das er je gemacht habe. Er sei mit dem Fahrrad mehrmals auf dem Gehweg gefahren, sagte der 55-Jährige. Pikant: Johnson ist schon mehrmals der Lügerei überführt worden. So flog er vor vielen Jahren während seiner Arbeit als Journalist bei der renommierten Tageszeitung «The Times» raus, weil er dort absichtlich ein Zitat verfälscht hatte.

Johnson will den Brexit zum 31. Januar umsetzen. «Jeremy Corbyn kann uns dagegen noch nicht einmal sagen, welche Haltung er zum Brexit hat», sagte Johnson. Außerdem erneuerte er sein Versprechen an die Wähler, mit Hilfe eines Punktesystems nach australischem Vorbild die Zahl der Einwanderer zu senken. Geleakte Dokumente, nach denen Waren aus dem britischen Landesteil Nordirland für Großbritannien nach dem Brexit kontrolliert werden müssen, nannte er als falsch.

Der 70-jährige Corbyn, der als Euroskeptiker gilt, hat den Briten im Falle seines Wahlsiegs ein zweites Brexit-Referendum zugesagt. Er will sich selbst aber neutral verhalten, wie er erst kürzlich mitteilte. Der Altlinke steht auch wegen Antisemitismusvorwürfen gegen seine Partei und ihn selbst immer wieder in der Kritik.

Beim letzten TV-Duell konnte Corbyn am Freitagabend zwar den Druck auf Johnson erhöhen, ein Durchbruch gelang ihm aber nicht. Einer Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge waren die Zuschauer gespalten in der Frage, wer die Debatte gewonnen hat. 52 Prozent sahen Johnson als Sieger, für 48 Prozent schnitt Corbyn besser ab. Die 1322 Befragten stuften aber den Labour-Chef (48 Prozent) als vertrauenswürdiger ein als Johnson (38 Prozent).

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon, deren Schottische Nationalpartei drittstärkste Kraft im Parlament werden dürfte, sah gleich beide als Verlierer im TV-Duell: «Das war ganz und gar erbärmlich. Zwei Männer ohne Inspiration, beide ungeeignet, Premierminister zu sein», schrieb sie auf Twitter. Vor der Debatte hatten die ehemaligen Premierminister John Major (Konservative) und Tony Blair (Labour) dazu aufgerufen, Kandidaten zu wählen, die Johnsons Brexit-Deal ablehnen.

Johnson übernahm erst Ende Juli das Amt als Premierminister von Theresa May, die drei Mal mit ihrem Brexit-Abkommen im völlig zerstrittenen Parlament durchgefallen war. Mit der Neuwahl will der Regierungschef mehr Unterstützung für seinen mit Brüssel nachverhandelten Deal bekommen. Derzeit führt er eine Minderheitsregierung an.

EU / Parlament / Parteien / Wahlen / Brexit / Boris Johnson / Großbritannien / Europa
08.12.2019 · 21:48 Uhr
[6 Kommentare]

Top-Themen

24.01. 19:31 | (01) SPD votiert für das Wagnis Minderheitsregierung in Thüringen
24.01. 19:31 | (00) Thüringer SPD für Eintritt in Minderheitsregierung
24.01. 19:15 | (05) Merkel: Deutschland will Türkei in Flüchtlingspolitik helfen
24.01. 19:12 | (01) Starkes Erdbeben im Osten der Türkei
24.01. 19:02 | (05) Starkes Erdbeben in der Türkei
24.01. 19:00 | (11) 26-Jähriger soll sechs Verwandte erschossen haben
24.01. 18:55 | (00) Merkel in Istanbul: Annäherungsversuch in schwierigen Zeiten
24.01. 18:52 | (00) Tödliche Schüsse im Wirtshaus
24.01. 18:46 | (03) Johnson unterzeichnet Brexit-Abkommen
24.01. 18:27 | (06) Bald wieder Bundespolizisten in Saudi-Arabien
24.01. 18:23 | (01) Lungenkrankheit: Millionenstädte in China abgeschottet
24.01. 18:00 | (01) Atomabkommen: Irans Außenminister droht Europa mit Widerstand
24.01. 18:00 | (13) Spitzensteuersatz greift bei immer mehr Bürgern
24.01. 18:00 | (06) Greenpeace kritisiert Supermarkt-Fleisch
24.01. 17:55 | (02) Merkel:  Deutschland will türkische Küstenwache stärken
24.01. 17:52 | (04) Sportschütze soll sechs Verwandte erschossen haben
24.01. 17:51 | (19) Chinas Millionenstädte abgeschottet - Lage doch schlimmer?
24.01. 17:49 | (13) ADAC nicht mehr gegen Tempolimit auf Autobahnen
24.01. 17:43 | (01) Trotz Kritik neue Investitionsgarantien für die Türkei
24.01. 17:36 | (00) DAX legt kräftig zu - Auto-Aktien gegen den Trend im Minus
24.01. 17:30 | (04) Kretschmanns Äußerung zu Rechtschreibung stößt auf breite Ablehnung
24.01. 17:25 | (01) Schießerei mit sechs Toten in Rot am See war Familiendrama
24.01. 17:23 | (03) Erschossene Familie in Starnberg: Polizei geht von Mord aus
24.01. 17:21 | (01) Zahl der Ausländer in Deutschland auf Rekordhoch
24.01. 17:18 | (00) Berichte: Mindestens zwei Tote bei Explosion in Houston
24.01. 17:03 | (00) Verfassungsschutzchef weist Kritik an Verbotsverfahren von "Combat 18" zurück
24.01. 16:58 | (01) Zweiter Fall von neuer Lungenkrankheit in den USA bestätigt
24.01. 16:51 | (00) Wuhan - Knotenpunkt für Handel und Verkehr in Zentralchina
24.01. 16:50 | (04) Umfrage: Unterstützung für Tempolimit auf Autobahnen nimmt zu
24.01. 16:37 | (00) Frankreich: Wieder viel Protest gegen Rentenreform
24.01. 16:15 | (06) Scheuer möchte Gurtpflicht in Schulbussen neu regeln
24.01. 16:10 | (01) Katja Krasavice neu an Spitze der Album-Charts
24.01. 16:00 | (02) RWE-Chef kritisiert Lastenverteilung beim Kohleausstieg
24.01. 15:57 | (00) Merkel begrüßt deutsch-türkische Bildungskooperation
24.01. 15:48 | (00) Einzelfallprüfung bei verhafteten Deutschen in der Türkei
24.01. 15:41 | (02) Erdogan fordert mehr Unterstützung für syrische Flüchtlinge
24.01. 15:35 | (02) Seehofer streicht Gesichtserkennung aus seinem Gesetzentwurf
24.01. 15:30 | (01) Virus vermasselt Neujahrsfest: «Die Stimmung ist schlecht»
24.01. 15:21 | (00) Drogeriemarkt dm ruft Baby-Pflegelotion zurück
24.01. 15:00 | (02) Gratis-Bahntickets bei Soldaten beliebt
24.01. 14:53 | (05) Albaniens Ministerpräsident kritisiert Lanz und ZDF
24.01. 14:46 | (00) Sechs Tote nach Schüssen in Baden-Württemberg
24.01. 14:32 | (00) Baden-Württemberg: Offenbar mehrere Tote nach Schüssen
24.01. 14:08 | (00) Luftfahrtexperte bewertet Condor-Übernahme durch LOT positiv
24.01. 13:53 | (02) Philologenverband hält Rechtschreibunterricht weiterhin für wichtig
24.01. 13:44 | (00) Gewaltige Explosion in Houston - Zerstörungen im Umfeld
24.01. 13:42 | (14) Medien: Frau bei Polizeieinsatz in Berlin erschossen
24.01. 13:42 | (02) Thüringens Innenminister lehnt automatische Gesichtserkennung ab
24.01. 13:35 | (01) SPD erleichtert über Erfolg im Sarrazin-Ausschlussverfahren
24.01. 13:31 | (12) BGH entscheidet: Kein Wegerecht aus Gewohnheit
24.01. 13:30 | (00) CDU-Politiker wollen schnelle Entscheidung bei Kabinettsumbildung
24.01. 13:24 | (05) Globale Aufforstung: Können mehr Bäume wirklich das Klima retten?
24.01. 13:15 | (02) Porsche-Chef gegen allgemeines Tempolimit
24.01. 13:13 | (00) «Ocean Viking» nimmt 92 Menschen an Bord
24.01. 12:58 | (00) Antisemitismusbeauftragter Königsberg warnt vor AfD
24.01. 12:52 | (03) FDP begrüßt ADAC-Forderung nach Tempolimit-Gutachten
24.01. 12:49 | (00) Wende bei Ermittlungen zu erschossener Familie in Starnberg
24.01. 12:48 | (00) Freundliche Worte beim Besuch von Merkel bei Erdogan
24.01. 12:48 | (01) Union in Umfrage nur noch knapp vor den Grünen
24.01. 12:36 | (00) DAX legt am Mittag deutlich zu - Continental-Aktie lässt kräftig nach
24.01. 12:30 | (00) Bundesweiter Probealarm am 10. September geplant
24.01. 12:24 | (02) Karliczek will Wasserstoff aus Afrika importieren
24.01. 12:08 | (01) Anschlag in Berlin geplant: Haftstrafe für Islamisten
24.01. 11:57 | (01) Klingbeil zu Sarrazin: Stoppschild für Rassistische Thesen
24.01. 11:54 | (00) Merkel bei Erdogan - mit einem Sack voll strittiger Themen
24.01. 11:50 | (02) Was über das Corona-Virus bislang bekannt ist
24.01. 11:45 | (00) Stegner ruft CSU zum Einlenken beim Tempolimit auf
24.01. 11:45 | (03) Trump will Friedensplan für den Nahen Osten vorlegen
24.01. 11:36 | (11) Haldenwang: «Combat 18»-Verbot «Zeichen für Handlungsstärke»
24.01. 11:35 | (04) Daimler-Betriebsratschef fürchtet Batteriekrise
24.01. 11:27 | (05) Polnische Fluglinie LOT übernimmt Condor
24.01. 11:26 | (00) «Wolke»-Autorin Pausewang mit 91 Jahren gestorben
24.01. 11:09 | (04) Klingbeil begrüßt SPD-Ausschluss von Sarrazin
24.01. 11:04 | (00) Gudrun Pausewang ist tot
24.01. 10:51 | (03) China schottet mehr als 43 Millionen Menschen ab
24.01. 10:47 | (04) Gabriel für Aufsichtsrat der Deutschen Bank nominiert
24.01. 10:45 | (00) «Wolke»-Autorin Pausewang im Alter von 91 Jahren gestorben
24.01. 10:34 | (01) Gabriel wird Aufsichtsrat der Deutschen Bank
24.01. 10:32 | (01) Liv Lisa Fries will gesellschaftliches Umdenken
24.01. 10:31 | (00) Zahl gefälschter Geldscheine geht zurück - Mehr falsche Münzen
24.01. 10:20 | (03) Unionsfraktion will strenge Auflagen für 5G-Ausbau
24.01. 09:53 | (02) Rettungsschiff «Ocean Viking» nimmt 92 Menschen an Bord
24.01. 09:45 | (03) Schulze:  Trumps dieser Welt sollen Klimaschutz nicht bremsen
24.01. 09:42 | (01) Trittin bezeichnet Erdogans Drohungen als "albernes Drohverhalten"
24.01. 09:41 | (03) EU-Spitze unterzeichnet Brexit-Vertrag
24.01. 09:39 | (00) DAX startet deutlich im Plus - Bayer-Aktie legt stark zu
24.01. 09:18 | (00) DGB drängt auf Entlastungen für Arbeitnehmer
24.01. 09:06 | (01) Zahl der Verkehrstoten im November gesunken
24.01. 09:00 | (02) Merkel mit Erdogan in Istanbul zusammengetroffen
24.01. 08:58 | (02) Auftragseingang im Bauhauptgewerbe um 14,2 Prozent gestiegen
24.01. 08:47 | (00) Laschet begrüßt Plan von Scholz zu kommunalen Altschulden
24.01. 08:45 | (00) Von der Leyen und Michel unterzeichnen Brexit-Vertrag
24.01. 08:38 | (00) Voestalpine-Chef rechnet weiter mit angespannter Lage
24.01. 08:11 | (04) Fidelity-Chefin will an Aktien von Klimasündern festhalten
24.01. 07:53 | (01) Angst vor Virus: China schottet 37 Millionen Menschen ab
24.01. 07:52 | (00) Merkel trifft in Istanbul Wirtschaftsvertreter
24.01. 07:51 | (00) Laschet wirft Autoindustrie Versäumnisse bei E-Mobilität vor
24.01. 07:39 | (00) Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident gegen Kabinettsumbildung
24.01. 07:23 | (00) KI in der Medizin: In diesen 3 Bereichen wird es enorme Veränderungen geben
24.01. 06:52 | (01) Erstmals Fälle von neuer Lungenkrankheit in Vietnam
 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News