Emotionaler Protest gegen Waffengewalt in den USA

14. März 2018, 18:31 Uhr · Quelle: dpa

Washington (dpa) - Sie sind laut, sie sind wütend, sie wollen Veränderung: Einen Monat nach dem Massaker an einer Schule in Florida haben Kinder und Jugendliche in den USA landesweit für eine Verschärfung des Waffenrechts demonstriert und der 17 Todesopfer des Blutbades gedacht.

In zahlreichen Schulen im ganzen Land stand ab 10.00 Uhr Ostküstenzeit (15.00 Uhr MEZ) der Unterricht 17 Minuten lang still. Jede Minute war einem der Opfer gewidmet. Schüler und Lehrer verließen die Klassenräume und versammelten sich im Freien.

In mehreren Städten gab es zudem größere Protestaktionen, darunter New York. Vor dem Weißen Haus in Washington versammelten sich Tausende Kinder und Jugendliche. Auf dem Platz, auf dem sich sonst Touristen und Schaulustige tummeln, protestierten sie 17 Minuten lang im Sitzen. Der Regierungszentrale wandten sie dabei demonstrativ den Rücken zu.

Still und mit ernsten Gesichtern gedachten sie der Opfer von Parkland und ließen ihre Schilder für sich sprechen: «Greift nach den Sternen, anstatt auf Kinder zu schießen» stand auf einem, «Unser Blut (klebt) an Euren Händen» auf einem anderen. Mit vielen Plakaten und Sprechchören wandten sich die Demonstranten direkt an die mächtige Waffenlobby NRA. Sie skandierten etwa: «Die NRA muss gehen!».

Auch Olivia Yansaneh (18), Nandita Kohli (17) und Aradhana Prabhala (17) hatten sich am Morgen auf den Weg zum Weißen Haus gemacht. Noch in der überfüllten U-Bahn malten sie ihr Plakat fertig. «Gebete können unsere Toten nicht wieder zurückbringen», stand darauf.

Die drei Jugendlichen sind der Meinung, dass die Proteste durchaus etwas erreichen können. «Wir haben doch bereits etwas verändert», sagte Nandita. «Große Sportgeschäfte haben das Mindestalter für Waffenkäufe geändert, und die Delta Airline hat der NRA ihre Unterstützung entzogen. Und wir haben bereits seit einem Monat das ungebrochene Interesse der Medien, das ist auch sehr wichtig.» Aradhana fügte hinzu «Wir lassen uns nicht den Mund verbieten. Wir sind eine ernstzunehmende Kraft.»

Im Anschluss an die Gedenkaktion vor dem Weißen Haus zogen die Jugendlichen vor den Kongress, um dort zu protestieren. Die Aktion fand auf den Tag genau einen Monat nach dem Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School statt. Dort hatte der 19 Jahre alte Ex-Schüler Nikolas Cruz 14 Jugendliche und drei Erwachsene erschossen.

Nach der Tat formierte sich in den USA eine lautstarke Protestbewegung. Mehrere engagierte Überlebende aus Florida erhoben dabei in den Medien und bei diversen Aktionen ihre Stimme, um härtere Waffengesetze und ein Umdenken der Politiker zu fordern.

An der Schule in Parkland versammelten sich Schüler während der Gedenkaktion auf einem Sportplatz. Auch an der Columbine High School im Bundesstaat Colorado, wo 1999 zwei Täter 13 Menschen getötet hatten, verließen Schüler den Unterricht, um für eine Verschärfung der Waffengesetze zu demonstrieren.

Auch nach diesem Mittwoch soll der Protest weitergehen: Die betroffenen Schüler aus Florida planen für den 24. März einen «Marsch für unser Leben» in Washington. Dazu werden Hunderttausende Teilnehmer erwartet. Auch für den 20. April, den Jahrestag des Amoklaufs an der Columbine High School, sind Proteste geplant.

Schulen / Waffen / Kriminalität / Prozesse / USA
14.03.2018 · 18:31 Uhr
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