Staatsbesuch vom Golf

Emirate wollen 40 Milliarden Euro in Deutschland investieren

10. September 2026, 20:31 Uhr · Quelle: dpa
Staatsbesuch des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate
Foto: Kay Nietfeld/dpa
Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre Investitionen in die deutsche Wirtschaft mehr als verdoppeln.
Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate sind seit langem enge Partner. Jetzt wollen sie ihre Beziehungen nochmals deutlich ausbauen - auch mit einer hohen Investitionssumme des Golfstaats.

Berlin (dpa) - Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen weitere 40 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Das teilten die emiratische Seite und die Bundesregierung während des Staatsbesuchs von Präsident Mohammed bin Sajid in Deutschland mit. Damit wird die bisherige Investitionssumme des Golfstaates in die deutsche Wirtschaft von rund 34 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Während des Besuches wurden den Angaben zufolge zudem 29 Geschäftsabschlüsse zwischen deutschen und emiratischen Unternehmen mit einem Volumen von fast 9,4 Milliarden Euro unterzeichnet.

Scheich Mohammed hatte am Vormittag einen zweitägigen Staatsbesuch in Deutschland begonnen. Er wurde in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren begrüßt. Am Nachmittag traf er mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zusammen. Beide Seiten hatten vorab deutlich gemacht, dass sie den Staatsbesuch nutzen wollen, um ihre Beziehungen auf eine höhere Stufe zu heben.

Investitionen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit

Beide Seiten vereinbarten die Bildung eines deutsch-emiratischen Investitionsrats. Dieser soll als Plattform zur Förderung von Investitionen und zur Stärkung des Dialogs zwischen öffentlichem und privatem Sektor dienen. Deutschland und die Emirate wollen auch die Zusammenarbeit bei künstlicher Intelligenz und neuen Technologien ausbauen.

In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, das 40-Milliarden-Investitionspaket unterstreiche das Bestreben beider Länder, ihre strategische Partnerschaft zu vertiefen. Es zeige auch «das Vertrauen der VAE in Deutschland als führenden Standort für Investitionen, Innovation und industrielles Wachstum».

«Das Paket soll zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit, zum Ausbau der technologischen Führungsrolle und zur Unterstützung des langfristigen Wirtschaftswachstums in Deutschland beitragen.» Es umfasst der gemeinsamen Erklärung zufolge auch Investitionen in fortschrittliche digitale Infrastruktur, darunter den Bau neuer, hochmoderner Rechenzentren mit einer Kapazität von rund 1 Gigawatt.

Emirate sehen Chancen auf Wachstumsmärkten steigen

Der Minister für Industrie und Hochtechnologie der VAE, Sultan Al Dschaber, sagte, Deutschland sei seit Jahrzehnten «ein wichtiger strategischer und wirtschaftlicher Partner» für sein Land. Die geplanten zusätzlichen Investitionen unterstrichen die Absicht der Emirate, diese Beziehung weiter auszubauen.

Den Emiraten eröffneten die Zusagen Möglichkeiten für gemeinsame Investitionen mit führenden deutschen Industrie- und Technologieunternehmen. Sie vertieften die Kompetenzen der VAE in strategischen Sektoren und ermöglichten den Aufbau von Unternehmen, die Wachstumsmärkte in der Golfregion, in Asien und in Afrika bedienen könnten.

Emirate sind Deutschlands wichtigster Handelspartner am Golf

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind für Deutschland der wichtigste Handelspartner am Golf. Im vergangenen Jahr hatte der Handel zwischen beiden Staaten ein Volumen von gut 13 Milliarden Euro. Deutschland exportierte Waren im Wert von rund 11 Milliarden Euro, die Importe lagen bei rund 2 Milliarden Euro. Deutsche Investitionen fließen nach Angaben der Bundesregierung vor allem in technologie- und investitionsgüterorientierte Produkte wie Maschinen und chemische Erzeugnisse.

Die Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in Deutschland lagen im vergangenen Jahr insgesamt bei etwa 86 Milliarden Euro, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor ein paar Tagen mitteilte. Davon kam die Hälfte, 43 Milliarden Euro, aus den anderen EU-Staaten und überraschenderweise knapp ein Drittel, 26 Milliarden Euro, aus Großbritannien. 

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und den Emiraten wird teilweise noch durch Importzölle sowie Import- und Exportrestriktionen gebremst. Die Bundesregierung unterstützt daher die laufenden Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und den Emiraten über ein Freihandelsabkommen.

Wirtschaft / Staatsoberhaupt / Investitionen / Deutschland / Vereinigte Arabische Emirate / Künstliche Intelligenz / Freihandelsabkommen
10.09.2026 · 20:31 Uhr
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