Eine Ära geht zu Ende: Phil Spencer über seinen Abschied von Microsoft
Phil Spencer und Xbox – das war lange Zeit kaum voneinander zu trennen. Als er 2014 die Leitung der Xbox-Sparte übernahm, stand die Marke am Abgrund. Was folgte, war eine der bemerkenswertesten Kehrtwenden in der Geschichte der Spielebranche. Nun hat Spencer seinen Abschied verkündet – und die Nachricht trifft die Gemeinschaft mit einer Wucht, die selbst hartgesottene Beobachter überrascht.
38 Jahre Microsoft – von der Praktikantenstelle zur Chefetage
In einem persönlichen Beitrag blickte Spencer auf eine Laufbahn zurück, die 1988 mit einem Praktikum bei Microsoft begann und ihn schließlich an die Spitze von Microsoft Gaming führte. „Es ist selten im Leben, dass man weiß, wann ein Kapitel zu Ende geht“, schrieb er, „aber nach 38 Jahren bei Microsoft ist dieser Moment für mich gekommen.“ Seine prägendsten Jahre verbrachte er ab 2014 als Kopf der Xbox-Strategie – eine Ära, in der er gezielt den Imageschaden wiedergutzumachen versuchte, den die chaotische Enthüllung der Xbox One hinterlassen hatte. Er setzte auf Rückwärtskompatibilität älterer Spieltitel, forcierte die Einführung von Game Pass und setzte sich dafür ein, hauseigene Produktionen auch auf anderen Plattformen zu veröffentlichen – zuletzt etwa Avowed auf der PlayStation 5
Studioaufbau, Übernahmen und ein bleibendes Erbe
Spencers Handschrift ist in der heutigen Xbox-Landschaft überall zu erkennen. Unter seiner Führung wurden Obsidian Entertainment, inXile Entertainment, Playground Games, Double Fine Productions und Ninja Theory Teil des Microsoft-Konzerns. Später folgten noch größere Schritte: die Eingliederung von Bethesda Softworks sowie die milliardenschwere Übernahme von Activision Blizzard – ein Vorgang, der die gesamte Branche in Atem hielt. Auch Xbox Cloud Gaming ist maßgeblich sein Werk. Dass diese Errungenschaften nicht ohne Schattenseiten blieben – Studio-Schließungen, Massenentlassungen, missratene Veröffentlichungen wie Redfall und steigende Abonnementpreise für Game Pass – gehört ebenso zum Gesamtbild. Spencer war nie unantastbar, und Kritik hat ihn bis zuletzt begleitet.
Asha Sharma übernimmt – und Xbox steht vor seinem womöglich stärksten Jahr
Die Nachfolge tritt Asha Sharma an, bislang Präsidentin des KI-Bereichs CoreAI bei Microsoft. Gleichzeitig tritt Xbox-Präsidentin Sarah Bond von ihrem Amt zurück. Spencer selbst äußerte sich zuversichtlich über seine Nachfolgerin: „Ich sehe, wie sie mit Neugier und echtem Willen an die Sache herangeht, das Fundament, das wir aufgebaut haben, zu stärken – das gibt mir Vertrauen.“ Pikant dabei: Xbox steht mit Titeln wie Fable, Forza Horizon 6, Halo: Campaign Evolved und Gears of War: E-Day vor einem Jahr, das das stärkste der Konsolengeschichte der Marke werden könnte. Es ist Spencer, der diesen Weg bereitet hat – und nun ausgerechnet dann geht, wenn die Früchte seiner Arbeit zur Ernte bereitstehen. „Ich werde euch online sehen“, schrieb er zum Abschluss – und das klingt weniger nach endgültigem Abschied als nach einem Mann, der die Leidenschaft für das Medium nie verlieren wird.


