Ein «Impfluencer» fällt aus - Jauch mit Corona infiziert

Quizmoderator Günther Jauch
Foto: Henning Kaiser/dpa
Auch der TV-Moderator Günther Jauch wirbt für eine Corona-Impfung. Nun hat er sich selbst mit dem Virus angesteckt.

Berlin/Köln (dpa) - Bei der «Ärmel hoch»-Kampagne der Bundesregierung nennen neuerdings auch Promis ihre Gründe, warum sie bereit sind für die Corona-Schutzimpfung. Nach Schauspielerin Uschi Glas soll ab kommender Woche auch Günther Jauch dabei sein.

Freitagfrüh dann die Überraschung: Der Quizmaster («Wer wird Millionär?») hat sich laut RTL mit dem Coronavirus infiziert.

Samstagabend bei der neuen Ausgabe der Show «Denn sie wissen nicht, was passiert» wird Jauch neben Thomas Gottschalk und Barbara Schöneberger von einem Überraschungspromi vertreten. Während der Show ist eine Live-Schalte zu ihm geplant. Jauch (64) scheint nicht schwer krank zu sein. «Ich bin zuversichtlich, dass ich bei der Sendung am 17. April wieder dabei bin», zitierte ihn RTL.

Der Kölner Privatsender teilte auch mit, dass Jauch - seit Jahrzehnten ein Quotenmagnet und fester Anker im deutschen Fernsehen - erstmals seit 31 Jahren krankheitsbedingt einen Moderationsjob ausfallen lasse. Er fing bei RTL 1990 mit «Stern TV» an.

Nach bisheriger Planung sollte der Publikumsliebling laut Bundesregierung ab nächster Woche für die Corona-Schutzimpfung werben. Zur Frage, ob es nun bei diesem Beitrag und dem Zeitplan zur Kampagne bleibe, äußerte sich das Gesundheitsministerium am Freitag auf Anfrage zunächst nicht.

Die Werbekampagne mit Außenwerbungs- und Printmotiven sowie Social Media Content stammt von Scholz & Friends Berlin, der Werbeagentur des Bundesgesundheitsministeriums. Die Kampagne ist längst produziert, die Motive fertig. Ob Jauch, der in Potsdam lebt, als 64-Jähriger überhaupt schon geimpft wurde, war zunächst nicht bekannt.

Der Regierung geht es mit der Kampagne, bei der neben Promis zum Beispiel auch Lehrer und Hausärzte dabei sind, darum, die Impfbereitschaft zu stärken. Die Leute sollten rechtzeitig vor ihrem persönlichen Impfangebot eine informierte Entscheidung treffen.

Uschi Glas (77) war die erste Prominente, die vergangene Woche online ging, sogar mit Video. «Früher sind die Menschen noch an Typhus und Pocken gestorben. Durch Impfungen sind dann Gott sei Dank diese Krankheiten verschwunden», sagt sie darin. Und: «Meinen Enkel habe ich seit über einem Jahr nicht im Arm gehabt. Deshalb lass ich mich impfen. Mit einem kleinen Piks holen wir uns unser Leben zurück.»

Es wäre nicht das Jahr 2021 und das Internetzeitalter, wenn der Online- und TV-Spot mit Glas allen gefallen würde. Bei Youtube finden sich unter dem Werbevideo viele respektlose Sprüche. Die als CSU-Unterstützerin bekannte Fernsehschauspielerin soll für den Dreh eine Aufwandsentschädigung bekommen haben. Günther Jauch und auch Torwart-Legende Sepp Maier (77) machen laut Gesundheitsministerium honorarfrei mit. Da die Promis ihren möglichen Einfluss auf Fans geltend machen, werden sie nun gerne - Wortspiel - «Impfluencer» genannt (von Influencer/Beeinflusser).

Die Auswahl der Prominenten scheint zu zeigen, dass sich die Regierung in erster Linie an Ältere richten will. Schließlich gibt es zurzeit fast nur für diese Altersgruppe schon ein Impfangebot. Jüngere müssen sich noch gedulden, da zu wenig Impfstoff vorhanden ist - es sei denn, sie gehören selbst zur Risikogruppe, sind enge Kontaktpersonen von Gefährdeten oder arbeiten im Gesundheitswesen.

Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (30.3. bis 1.4.) ist die Impfbereitschaft unter den Erwachsenen in Deutschland seit Anfang des Jahres leicht gesunken. Mitte Januar gaben 67 Prozent an, sich impfen lassen zu wollen. Jetzt sind es 57 Prozent plus etwa 8 Prozent, die bereits geimpft sind - zusammen also 65 Prozent. 18 Prozent wollen sich nicht impfen lassen, 16 Prozent haben sich noch nicht entschieden oder machten keine Angaben.

Sogenannte Impfluencer sind inzwischen weltweit ein Phänomen geworden, vor allem aber in den USA. Hollywood-Star Morgan Freeman (83), der in Filmen schon öfters Gott dargestellt hat («Bruce Allmächtig»), sagt in einem Clip: «Ich bin kein Doktor, aber ich vertraue der Wissenschaft.» Er habe sich impfen lassen und rufe dazu auf. Es gehe darum, aufeinander Acht zu geben.

In Amerika ist die Impfung der Bevölkerung weiter fortgeschritten als in Deutschland. So gibt es auch schon sehr viele Promis, die an ihrer Corona-Impfung teilhaben lassen - etwa Ryan Reynolds oder Mariah Carey. Unter anderem machten auch Jane Fonda, Brian Wilson, Britney Spears, Sean Penn, Anthony Hopkins und Arnold Schwarzenegger ihren «Shot» publik.

Country-Legende Dolly Parton (75) sang in einem Online-Video eine in «Vaccine» umgetextete Version ihres Hits «Jolene». Barbra Streisand (78) schrieb zu einem Foto von sich und ihrem Mann James Brolin (80): «Jim und ich fühlen uns so viel mehr geschützt nach unserem zweiten Impftermin und wir hoffen, ihr alle werdet auch bald geschützt.» In Großbritannien ist bekannt, dass die Queen geimpft wurde oder auch Oscar-Gewinnerin Judi Dench.

In Deutschland schrieb Mitte Januar der Entertainer Dieter Hallervorden (85) bei Facebook zu einem Foto: «Bin froh, geimpft zu sein!» Mitte März war auch Sänger Frank Zander (79) so zu sehen: «Erste Impfung geschafft!» Alles sei gut gelaufen. «Jetzt n Bierchen!»

Gesundheit / Leute / Medien / Fernsehen / Internet / Corona / Covid-19 / Günther Jauch / Deutschland / International
09.04.2021 · 12:05 Uhr
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