EDF-Aktie bricht um rund ein Fünftel ein: Frankreich deckelt Anstieg der Strompreise

In einem Interview der Zeitung "Le Parisien" am Donnerstag sagte Le Maire, dass die Preise um nicht mehr als vier Prozent erhöht werden dürften. Ohne einen solchen Deckel waren Experten von einem Anstieg um bis zu 20 Prozent ausgegangen. Um die Preise zu begrenzen, soll der in Staatsbesitz befindliche Versorger EDF die Atomkraft-Volumina erhöhen, die er an kleinere Rivalen verkauft. Die EU-Kommission habe dem Vorhaben bereits zugestimmt, ergänzte der Minister. Preissteigerungen von Strom im Winter haben in Frankreich den Charakter sozialen Sprengstoffs. Außerdem muss die Regierung neue Proteste befürchten. Ministerpräsident Jean Castex sagte die Preisbremse im September zu.

EDF-Anleger nehmen Reißaus

Aktien des französischen Versorgers EDF (Electricité de France) haben daraufhin massive Verluste erlitten. Zeitweise büßten sie rund ein Fünftel ihres Wertes ein. Zuletzt fiel der Kurs noch um 14,78 Prozent auf 8,82 Euro. Damit markierte EDF ein Niveau, das zuletzt im Sommer 2020 erreicht wurde. Auch andere Versorgeraktien wie Engie verloren.

Neben der Nachricht über die Deckelung der Strompreise in Frankreich soll der mehrheitlich in Staatshand befindliche Stromversorger EDF vorübergehend die Menge an Atomstrom erhöhen, die er an kleinere Wettbewerber verkauft. Mit dem laut Le Maire von der EU-Kommission bereits gebilligten Schritt soll auch die Stromrechnung der Kunden gedeckelt werden, die ihren Strom nicht von EDF beziehen.

Analysten reagierten verschnupft. So stufte Oddo BHF EDF von 'Outperform' auf 'Neutral' ab. Analyst Peter Crompton von Barclays bezeichnete die Verluste allerdings als übertrieben. Angesichts der massiven Abgaben könnte sich bei EDF eine Einstiegschance ergeben. Für andere europäische Versorger könnte sich die Unsicherheit am Strommarkt sogar positiv auswirken. Sie könnten die Lage für Preiserhöhungen nutzen.

"Hier wurden sehr viele Fonds auf dem falschen Fuß erwischt", sagt ein Händler. Sie seien in EDF wegen der Aussicht eingestiegen, dass Atomkraft von der EU-Taxonomie als nachhaltig eingestuft wird und damit hohe Wachstumschancen bietet.

RWE- und E.ON-Aktien drehen ins Plus

Nach einem schwachen Start geprägt von der beschlossenen Strompreisbremse in Frankreich sind die Aktien von RWE und E.ON am Freitag ins Plus gedreht. Zunächst trübte der Kurseinbruch beim französischen Konkurrenten EDF den ganzen Sektor. Dann kamen aber Stimmen auf, dass Probleme bei den Franzosen die Strompreise sogar erhöhen könnten. E.ON legten mit einem Plus von 1,2 Prozent besonders stark zu. RWE gewannen nach zuletzt mehreren starken Tagen 0,36 Prozent.

Paris (Reuters) / Dow Jones Newswires / dpa-AFX

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 14.01.2022 · 15:54 Uhr
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