Trockenheit

Dürres Deutschland: Wieso es derzeit so trocken ist

05. August 2026, 05:00 Uhr · Quelle: dpa
Niedrigwasser im Rhein
Foto: Federico Gambarini/dpa
Für den Schiffsverkehr wird der niedrige Wasserstand im Rhein zunehmend zum Problem.
Wo sonst Wasser fließt, ist vielerorts aktuell nur staubtrockener Grund: In vielen Flüssen und Seen ist so wenig Wasser wie kaum je zuvor – und die Lage könnte sich noch zuspitzen.

Leipzig/Koblenz (dpa) - Durch Rhein und Donau fließt so wenig Wasser wie selten, Pflanzen und Bäume lechzen nach Feuchtigkeit und auch wir Menschen brauchen an heißen Tagen wie diesen besonders viel Flüssigkeit. Wasser ist zum kostbaren Gut geworden, obwohl Deutschland eigentlich als wasserreich gilt. Trocknet das Land gerade aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie trocken ist es – und wie ungewöhnlich ist das?

«Wir befinden uns gerade in einer extremen Dürre», betont Markus Weitere vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ). Aktuell sei der Süden Deutschlands sehr stark betroffen, auch das Ursprungsgebiet des Rheins in der Schweiz etwa. Das mache sich an den Pegeln von Rhein und Donau bemerkbar. «Das sind zwei Flüsse, die sehr, sehr stark betroffen sind. Da haben wir extremes Niedrigwasser, teils jetzt schon mit historischen Tiefstständen.»

Im Dürre-Monitor, den das UFZ betreibt, kann man mit ansehen, wie sich insbesondere der Süden Deutschlands im Zeitverlauf (der vergangenen 14 Tage) immer tiefer rot färbt. Das steht in diesem Fall dafür, dass in den tiefen Bodenschichten immer weniger Wasser verfügbar ist.

Martin Helms von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) spricht von einer «außergewöhnlichen Situation mit extremen Wasserständen, zum Teil unter den bekannten niedrigsten Wasserständen». Dabei seien alle großen Flüsse – besonders Rhein, Donau, Elbe – gleichzeitig stark betroffen – und das schon zu einem frühen Zeitpunkt im Hochsommer. Die typische Niedrigwasser-Saison sei üblicherweise erst im Spätsommer oder Herbst. Laut Vorhersagen werde sich die Situation in den nächsten Wochen wohl nicht entspannen.

Wieso haben die Flüsse gerade so wenig Wasser?

Der Ökologe Weitere vom UFZ erklärt: «Es ist eine Gemengelage, die da zusammenkommt. Es ist sehr warm und wir haben relativ wenig Niederschlag. Das heißt, es kommt auf der einen Seite wenig Wasser rein und es verdunstet auf der anderen Seite viel durch die hohen Temperaturen.» Dazu kommt: «Wir hatten ein außergewöhnlich trockenes Frühjahr. Und das hat eben auch dazu geführt, dass wir jetzt eine Situation haben, wo wenig Wasser in den Grundwasserspeichern ist.» 

Ein weiterer Aspekt sei die Schneeschmelze, die sich geändert habe. Das betreffe etwa den Bodensee. «Gewöhnlich hatten wir dort bis in den Sommer hinein Schmelzwasserabfluss, der zu einer guten Wasserversorgung des Bodensees und des Rheins beigetragen hat. Dieser Effekt hat stark abgenommen.»

Im vergangenen Winter fiel dem Deutschen Wetterdienst zufolge – wie zuletzt häufig – weniger Schnee als im langjährigen Mittel, auch wenn es große regionale Unterschiede gab. Insgesamt war der Winter demnach zu trocken, sonnig und mild.

Wie kritisch ist die aktuelle Situation?

«Die Lage ist durchaus kritisch. Die Natur leidet stark, Kleingewässer und Randbereiche von Flüssen, also wichtige Auen-Ökosysteme trocknen aus. Kritisch ist es aber auch für die Wirtschaft. Am Rhein können Schiffe teils nicht mehr voll beladen fahren. Lieferketten werden gestört und am Ende macht sich das auch in der wirtschaftlichen Wertschöpfung bemerkbar», so Weitere vom UFZ.

Regionale Schauer und Gewitter schafften keine wirklich nachhaltige Abhilfe, sondern nur ein vorübergehendes Ansteigen der Wasserstände. «Insgesamt überwiegt die weiterhin sinkende Tendenz», heißt es vom BfG. 

Was ist mit unserem Trinkwasser?

«Die Trinkwasserversorgung ist noch sicher in Deutschland», betont Weitere. Der überwiegende Teil komme aus dem Grundwasser. Zudem habe die Trinkwassergewinnung eine hohe Priorität gegenüber anderer Nutzung. «Dennoch gibt es lokal Engpässe, denen man durch Nutzungseinschränkungen entgegenwirkt.» So verbot kürzlich etwa die Stadt München, private Pools zu befüllen oder den Rasen zu sprengen.

Grundwasser in tieferen Bodenschichten wird durch Niederschläge gespeist, wie das Umweltbundesamt erklärt. Langanhaltende Trockenheit führt also auch hier zu Veränderungen, allerdings finden diese langsamer statt. In den trockenen Jahren 2018, 2019, 2020 und 2022 seien die Grundwasserstände in oberflächennahen Grundwasserleitern durchaus deutlich gefallen, heißt es vom Umweltbundesamt weiter.

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte im Juli dem «Spiegel»: «Künftig werden wir ernsthafte Konflikte um Wasser haben – auch in Deutschland.» Die Bundesrepublik sei bisher ein wasserreiches Land gewesen. «Aber das ändert sich gerade.»

Und wie steht es um die Qualität des Wassers?

Mit Blick auf unerwünschte Inhaltsstoffe in Gewässern erklärt Helms von der Bundesanstalt für Gewässerkunde: «Die Konzentrationen können sich bei Niedrigwasser erhöhen, was auch problematisch werden kann. Ein weiteres Problem sind die Temperaturen. Wenn sie über 25 Grad steigen, wird es auch mit dem Sauerstoff problematisch.» An der Mosel habe bereits die Entwicklung von gesundheitsschädlichen Blaualgen eingesetzt. Auch der Lebensraum für Organismen im Wasser schränke sich ein.

Müssen wir jetzt jeden Sommer mit Dürre rechnen? 

«Wenn wir uns die Trends und Prognosen anschauen, dann müssen wir davon ausgehen, dass vieles von dem, was wir gerade sehen, zu einer neuen Normalität gehören wird. Das wird nicht genauso aussehen wie jetzt, aber es ist davon auszugehen, dass die Intensität und die Dauer von sommerlichen Hitzephasen zunehmen wird», so Weitere. Kritisch werde es, wenn mehrere Ereignisse zusammenkommen – also etwa ein trockenes Frühjahr mit einem heißen Sommer. «Das ist durchaus etwas, was wir zunehmend erleben und an das wir uns anpassen müssen.»

Häufigere und heftige Hitzewellen sowie zunehmende Dürren sind Folgen des Klimawandels. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, weshalb längere Trockenphasen zunehmen. Auch das BfG geht davon aus, dass der Klimawandel langfristig dazu führt, dass Niedrigwasserereignisse intensiver werden, weil mehr Wasser verdunstet.

Wie können wir uns an die zunehmenden Extreme anpassen?

Der Ökologe Weitere erklärt: «Die große Frage ist: Wie strecken wir die Wasserverfügbarkeit über das Jahr? Können wir das Wasser, was zu bestimmten Zeiten zur Genüge da ist, in der Landschaft halten?» Es gehe dabei unter anderem um die Ertüchtigung von Feuchtgebieten, von Mooren und Auen. Auch in den Städten lägen vielversprechende «Schwamm-Konzepte» vor, wie Regenwasser gehalten wird und nicht, wie bisher meist, unmittelbar über versiegelte Flächen abfließt.

Helms führt an, dass es im vergangenen Jahrzehnt neben mehrfachen Dürreperioden auch extreme Hochwasser gegeben habe. Mit Blick auf Anpassung meint er: «Wir müssen flexibel sein und mit verschiedenen Situationen umgehen können.»

Wissenschaft / Klima / Wetter / Dürre / Wasser / Deutschland / Fragen und Antworten
05.08.2026 · 05:00 Uhr
[26 Kommentare]
USA und Südkorea bei Militärübung «Ulchi Freedom Shield»
Seoul (dpa) - In Südkorea sind zwei chinesische Staatsbürger wegen Spionageverdachts festgenommen worden. Bei beiden Verdächtigen handelt es sich um frühere Angehörige der chinesischen Volksbefreiungsarmee, wie Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.  Einem der zwei Männer wird vorgeworfen, den Funkverkehr zwischen südkoreanischen und […] (00)
vor 5 Minuten
Anna Faris
(BANG) - Anna Faris hat den Eindruck, dass unter Müttern in Los Angeles "viel Konkurrenz" herrscht. Die 49-jährige Schauspielerin, die mit ihrem Ex-Mann Chris Pratt den 14-jährigen Sohn Jack hat, spricht offen darüber, dass sie sich seit Jahren mit einem schlechten Gewissen als Mutter herumschlägt. Der Hollywoodstar, der von 2009 bis 2018 mit Pratt […] (00)
vor 2 Stunden
FRITZ!Box 5630 – Starke Glasfaserpower, schnelle Einrichtung
Mit der FRITZ! Box 5630 erweitert FRITZ! sein Glasfaser-Portfolio um ein leistungsstarkes Basismodell, das platzsparendes Design mit modernem Wi-Fi 7 und einem integrierten Glasfasermodem verbindet. Mit Internetgeschwindigkeiten von bis zu 2,5 GBit/s holt die kompakte FRITZ! Box das Maximum aus dem Glasfaseranschluss heraus. Ein 2,5 Gigabit-WAN/LAN-Port […] (00)
vor 3 Stunden
Gefängnis‑Abgründe in Sin or Suffer — verfluchte Tiefen voller Schrecken
Assemble Entertainment und das französische Zwei-Personen-Studio Gritty Piggy kündigen heute Sin or Suffer an. Der storyreiche Survival-Horror-JRPG für PC richtet sich an Fans kompromissloser Horror-RPGs wie Fear & Hunger und Look Outside. In Sin or Suffer erwachen Spielerinnen und Spieler als Gefangener in einem mittelalterlichen Gefängnis nach einem […] (00)
vor 3 Stunden
Primetime-Check: Montag, 10. August 2026
Sat.1 und ProSieben rutschten bedenklich Weit nach hinten - sogar die kleinere Schwester Kabel Eins zog peinlicher Weise klar an den beiden vorbei. Aber der Reihe nach: Eine respektable Zuschauerzahl fuhr das ZDF mit der neuen Komödie ein: Nix ist fix fixierte 3,37 Millionen zu vorzeigbaren 17,7 Prozent am Gesamtmarkt - damit lag man knapp vor dem Ersten. Bei den 14-49-Jährigen konnte die ZDF- […] (00)
vor 1 Stunde
Extremschwimmerin Nathalie Pohl startet in Frankfurt am Main
Frankfurt/Main (dpa) - Die Sonne geht gerade auf, als Nathalie Pohl in Frankfurt in den Main springt. Kurz nach 6.00 Uhr startet die Extremschwimmerin ihre Fluss-Challenge «Rivers: Frankfurt to Cologne». Rund 200 Kilometer will die gebürtige Marburgerin in vier Tagen von Frankfurt nach Köln schwimmen – durch Main und Rhein. Angst hat die 31-Jährige nicht, aber Respekt. «Man weiß nie genau, […] (00)
vor 21 Minuten
Schock im Persischen Golf: Öl schießt nach Anschlag in Hormuz-Straße in die Höhe
Anschlag erschüttert kritischen Handelskorridor Die Nachricht kam plötzlich: Das United Kingdom Maritime Trade Operations Center (UKMTO) bestätigte am Dienstagmorgen, dass ein Schiff in der Hormuz-Straße von einem "unbekannten Projektil" getroffen wurde. Dieser Vorfall löste sofort eine Marktreaktion aus, die zeigt, wie angespannt die Lage in einer der […] (00)
vor 1 Stunde
Snoopy: Rote OZ-Felgen und mehr für den Smart Fortwo 453
Neckartenzlingen, 11.08.2026 (lifePR) - Mit dem charakteristischen Ursprung von Smart – nämlich dem einst revolutionären,extrem kurzen Fortwo – haben die heutigen E-Modelle der Marke kaum mehr etwasgemein. Schade eigentlich! Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer am Horizont.Denn mit dem #2 wird Smart bald auch zu den Wurzeln zurückkehren. Wie […] (00)
vor 1 Stunde
 
Friedliche Sommerlandschaft mit Birken und Heuballen unter einem klaren blauen Himmel.
Sonniges Hochdruckwetter am Dienstag Am Dienstag scheint im Süden und in der Mitte […] (01)
Wahlen in Russland - Partei Jabloko
Moskau (dpa) - Nach dem Urteil über ihren Ausschluss von der Parlamentswahl in […] (00)
US-Präsident Trump
Washington/Teheran (dpa) - Für US-Präsident Donald Trump scheint das Ringen um eine […] (09)
Frau stirbt nach Schüssen
Ellwangen (dpa) - Besitzdenken und übersteigertes Ehrgefühl sollen einen 37 Jahre […] (03)
Palworld 1.0: Deshalb verschickte Pocketpair keine Keys an die Presse
Als Palworld 1.0 am 10. Juli 2026 erschien, fiel vielen Spielern eine ungewöhnliche […] (00)
Laifen P3 – Der perfekte Reisebegleiter für den Sommer und darüber hinaus
Ob für einen Sommerurlaub, den hektischen Start in den Tag oder einfach zur […] (00)
Ein Wandel in den Branchen-Dynamiken David Ellison, der CEO von Skydance Media, hat […] (00)
Jon Hamm gerät in «American Hostage» zwischen Geiselnehmer und Polizei
«Mad Men»-Star Jon Hamm verkörpert darin einen Radioreporter, der während einer spektakulären […] (00)
 
 
Suchbegriff