Mehr Standorte

Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei wird deutlich größer

10. August 2026, 23:39 Uhr · Quelle: dpa
Neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei
Foto: Carsten Koall/dpa
Die Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei wurde im Dezember in Dienst gestellt. (Archivfoto)
Dass Deutschland bei der Abwehr von Drohnen vorankommen muss, war schon vor dem bedrohlichen Fund am Flughafen Leipzig/Halle klar. Jetzt soll eine kürzlich dafür aufgestellte Einheit wachsen.

Berlin (dpa) - Nach der Entdeckung einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle soll die neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei deutlich größer werden als bisher geplant. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) werde eine Weisung an die Bundespolizei geben, wonach die Einheit auf 300 Kräfte anwachsen soll, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Statt vier Standorten seien nunmehr acht Standorte geplant, «um schnell und flexibel bei Bedarf vor Ort zu sein». Zuerst hatte «Bild» über die geplante Erweiterung berichtet. 

Profis am Werk

Am späten Dienstagabend vergangener Woche war auf dem Flughafen Leipzig/Halle in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne entdeckt worden. Zudem war ein Flugzeug mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt kollidiert - möglicherweise einer zweiten Drohne. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Zu Fortschritten bei den Ermittlungen und möglichen Verbindungen zu früheren Operationen mit Bezügen zu Russland äußerte sich die Bundesregierung nicht. Überzeugt ist man in Sicherheitskreisen aber schon jetzt, dass die Drohne von einem Profi mit technischem Sachverstand umgebaut wurde.

Explosion in Leipzig vor zwei Jahren

Im Juli 2024 entzündet sich im DHL-Logistikzentrum in Leipzig ein Luftfrachtpaket. Sicherheitskreise gehen davon aus, dass das Paket im Auftrag Russlands platziert war. Deutschland entging damals vermutlich nur knapp einem Flugzeugabsturz. Es sei einem Zufall zu verdanken, dass das Paket nicht während des Fluges in Brand geraten sei, so der damalige Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang.

Neue Einheit der Bundespolizei existiert erst seit Dezember

Als Reaktion auf die gestiegene Bedrohung - vor allem durch Russland - hat Dobrindt im Dezember 2025 eine neue Einheit in Dienst gestellt, die unbemannte Luftfahrzeuge aufspüren, abfangen und gegebenenfalls auch abschießen soll. Die Kräfte sind an Flughäfen, in der Bundeshauptstadt und bundesweit in der Nähe sicherheitsrelevanter Objekte stationiert, um möglichst rasch am Einsatzort sein zu können. 

Ursprünglich bis zu 130 Spezialkräfte geplant

Die neue Einheit werde in der Anfangsphase aus rund 60 Bundespolizisten bestehen und solle rasch auf 130 Spezialkräfte anwachsen, hieß es im Dezember. Sie werde unter anderem KI-gestützte Störsysteme und automatische Abfangdrohnen einsetzen. Außerdem solle die neue Einheit in Amtshilfe die Landespolizeien unterstützen, wenn dies nötig ist, und entsprechende Kapazitäten zur Verfügung stehen. 

Bundesregierung sieht rechtlich keinen Handlungsbedarf 

Mehrere Politiker hatten zuletzt Gesetzesänderungen für eine effektivere Abwehr der Bedrohung durch Drohnen ins Spiel gebracht. Die Bundesregierung verweist ihrerseits auf bereits umgesetzte Änderungen, etwa im Luftsicherheitsgesetz. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille sagte, bei der Drohnenabwehr sehe sich die Bundesregierung, was die rechtliche Lage angehe, gut aufgestellt. 

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat sich angesichts der Bedrohungslage durch Drohnen dafür ausgesprochen, dass Bundeswehreinsätze auch im Inneren ermöglicht werden sollten. «Weil man bei Drohnen kaum unterscheiden kann, ob es sich um eine außenpolitische oder innenpolitische Bedrohung handelt. Und deswegen, glaube ich, müssen wir auch über eine Änderung des Grundgesetzes sprechen, und ich hoffe auch, dass wir da zu Ergebnissen kommen», sagte Günther dem Deutschlandfunk.

Für eine Änderung des Grundgesetzes wäre eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat nötig. Im Nachrichtensender Welt TV sagte der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner: «Sich jetzt über Grundgesetzänderungen zu unterhalten, macht relativ wenig Sinn. Wir haben übrigens gar keine grundgesetzändernde Mehrheit im Augenblick im Bundestag und im Bundesrat.» Ob es in der Sache vernünftig wäre, darüber könne man streiten. 

Ziel des neuen Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrums von Bund und Ländern, das Anfang des Jahres die Arbeit aufgenommen hat, ist unter anderem der Austausch von Expertise und ein abgestimmtes Handeln in der Abwehr von Drohnen.

Günther: Wichtig, mit der besten Technik ausgerüstet zu sein 

Man merke bei den Drohnen, dass Profis am Werk sind, sagt Günther. «Und so professionell, wie das gemacht ist, kann man sich kaum vorstellen, dass da nicht auch eine staatliche Infrastruktur dahintersteckt.» Deshalb sei es wichtig, mit der besten Technik ausgerüstet zu sein. «Und das geht nur im Schulterschluss zwischen Bund und Ländern.»

Innere Sicherheit / Luftverkehr / Drohnen / Bundespolizei / Leipzig/Halle / Alexander Dobrindt / Daniel Günther
10.08.2026 · 23:39 Uhr
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