Drohende Eskalation: USA werfen Iran Angriff vor

Donald Trump
Foto: Patrick Semansky/AP
US-Präsident Donald Trump hat sich zu dem Drohnenangriff auf eine Ölraffinerie in Saudi-Arabien geäußert.

Washington/Moskau/Wien/Berlin (dpa) - Die Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien haben die Sorge vor einer militärischen Eskalation im Nahen Osten befeuert und den Ölpreis sprunghaft steigen lassen.

Deutschland, Russland und China riefen alle Beteiligten am Montag zu Besonnenheit auf. US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor Vergeltungsschläge angedroht. Mitglieder der US-Regierung machten den Iran weiter für die Drohnenangriffe auf Ölanlagen am Samstag verantwortlich. «Das war ein vorsätzlicher Angriff auf die Weltwirtschaft und den globalen Energiemarkt», sagte US-Energieminister Rick Perry am Montag bei einem Treffen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien.

Russland warnte vor überstürzten Handlungen. «Wir fordern alle Länder auf, keine voreiligen Schritte zu tun oder Schlussfolgerungen zu ziehen, die die Situation verschärfen könnten», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Agentur Interfax zufolge. Auch China mahnte zur Zurückhaltung und erklärte, es sei noch nicht eindeutig klar, wer für die Angriffe verantwortlich sei. Alle Betroffenen sollten davon absehen, die Spannungen weiter eskalieren zu lassen, sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying.

In Berlin forderte Außenminister Heiko Maas eine eingehende Untersuchung zu den Urhebern der Angriffe. «Und das müssen wir mit der notwendigen Besonnenheit tun, aber die Lage ist außerordentlich besorgniserregend», so Maas.

Im UN-Sicherheitsrat in New York verurteilte Jemen-Vermittler Martin Griffiths den Angriff in Saudi-Arabien. Die neue UN-Botschafterin der USA, Kelly Craft, bekräftigte die Darstellung Washingtons, dass es Hinweise für einen Angriff des Irans gebe.

Am Wochenende hatten sich vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen im Jemen zu den Angriffen bekannt. Die Führung in Teheran bestritt jedoch jede Tatbeteiligung. Saudi-Arabien erklärte, bei den Angriffen seien ersten Erkenntnissen zufolge iranische Waffen benutzt worden, Drohnen des Typs «Ababil», wie ein Sprecher einer von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition sagte. Die Angriffe seien jedoch nicht von jemenitischem Boden aus gestartet worden.

Die Ölpreise stiegen am Montag so stark wie seit Jahrzehnten nicht. Zunächst legten die Preise zeitweise um bis zu 20 Prozent zu. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) noch rund 10 Prozent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent lag bei 66,41 US-Dollar. Investoren waren offenbar wegen der niedrigeren Produktion Saudi-Arabiens und der Möglichkeit einer weiteren Eskalation besorgt.

US-Präsident Donald Trump sagte den Verbündeten Amerikas im Nahen Osten erneut die Unterstützung Washingtons zu. Die USA seien inzwischen ein so großer Energieproduzent, dass Öl und Gas aus der Region nicht mehr gebraucht würden, erklärte er am Montag auf Twitter. «Aber wir werden unseren Verbündeten helfen», schrieb er - ohne dabei Saudi-Arabien direkt beim Namen zu nennen.

Trump hatte am Sonntag bereits mit einem Vergeltungsschlag gedroht. Die USA stünden Gewehr bei Fuß, warteten aber auf Angaben der saudischen Führung, wen sie für den Angriff verantwortlich mache, erklärte er. Außenminister Mike Pompeo hatte die «beispiellosen» Angriffe zuvor dem Iran zur Last gelegt, Trump äußerte sich nicht eindeutig. Der Iran behaupte, nichts damit zu tun gehabt zu haben, aber die Islamische Republik hätte auch zuvor schon «sehr große Lügen» verbreitet. «Wir werden es sehen?», schrieb er am Montag auf Twitter. Trump hatte am Wochenende für den Fall von Engpässen auch die Freigabe nationaler Ölreserven der USA gebilligt.

Der einflussreiche US-Senator und Trump-Vertraute Lindsey Graham hatte sich schon am Samstag dafür ausgesprochen, iranische Ölraffinerien anzugreifen. Ein solcher Schritt würde der Führung in Teheran «das Rückgrat brechen», schrieb er auf Twitter.

Am Samstagmorgen hatten mehrere Explosionen Anlagen des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco erschüttert. Nach Angaben des Konzerns ist der Komplex in Abkaik die größte Raffinerie des Landes. Ersten Angaben zufolge führten die Angriffe zu einem drastischen Einbruch der Produktionsmenge. Die Ölproduktion sei um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Tages-Volumens zurückgegangen, hatte die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA berichtet.

Saudi-Arabien führt ein Militärbündnis an, das die Huthis im Jemen unter anderem mit Luftangriffen bekämpft. Das sunnitische Königreich sieht in den Rebellen einen engen Verbündeten seines schiitischen Erzrivalen Iran. Die Huthis greifen Saudi-Arabien regelmäßig mit Drohnen und Raketen an. Vertreter der US-Regierung erklärten Medienberichten zufolge, die Angriffe vom Wochenende seien so komplex gewesen, dass die Huthis sie nicht alleine hätten ausgeführen können.

Jemens Huthi-Rebellen drohten dem Nachbarland unterdessen mit weiteren Angriffen. «Wir versichern dem saudischen Regime, dass unser langer Arm jeden von uns gewünschten Ort zum von uns bestimmten Zeitpunkt erreichen kann», erklärte Huthi-Sprecher Jihja Sari am Montag. Er warnte zudem Firmen und Ausländer davor, sich in den bombardierten Ölanlagen aufzuhalten, da diese jederzeit getroffen werden könnte. Von Saudi-Arabien forderte er, seine «Aggression» gegen den Jemen einzustellen und die Blockade des Landes zu beenden.

Seit der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens durch die US-Regierung vor gut einem Jahr haben die Spannungen zwischen Washington und Teheran immer weiter zugenommen. Die USA wollen den Iran mit harten Sanktionen zum Einlenken bewegen. Die Strafmaßnahmen haben im Iran eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Der Iran will nun sein Atomprogramm wieder hochfahren. Zuletzt kam es auch vermehrt zu Zwischenfällen in der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormus. Die USA haben ihre Militärpräsenz in der Region verstärkt.

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) beschlagnahmten indes nach eigenen Angaben im Persischen Golf ein Schiff mit 250 000 Litern illegalem Öl am Bord. Alle Schmuggler am Bord seien festgenommen worden, teilten die IRGC am Montag mit. Im Persischen Golf gibt es immer wieder Schiffe und Boote, die illegal Öl und Gasöl in benachbarten Golfstaaten schmuggeln.

Öl / Ölraffinerie / Angriff / Dohne / Huthis / Donald Trump / Saudi-Arabien / Jemen / USA / Iran
16.09.2019 · 17:42 Uhr
[12 Kommentare]

Top-Themen

14.10. 18:51 | (00) Polizei verlor Halle-Attentäter eine Stunde lang
14.10. 18:01 | (02) Polizei verlor Halle-Attentäter eine Stunde lang aus den Augen
14.10. 17:57 | (08) Hilfe für Kurden: Assad verlegt Truppen an türkische Grenze
14.10. 17:49 | (02) CDU: Staat muss sich im Kampf gegen Extremismus besser aufstellen
14.10. 17:44 | (00) Spendenkonto für Opfer von Halle eingerichtet
14.10. 17:36 | (00) DAX ohne klare Richtung - Handelsstreit geht weiter
14.10. 17:25 | (04) Bis zu 13 Jahre Haft für Kataloniens Separatistenführer
14.10. 17:18 | (00) Opferbeauftragter verspricht Betroffenen von Halle schnelle Hilfe
14.10. 16:59 | (04) Queen verliest Johnsons Regierungserklärung
14.10. 16:58 | (02) Kein Kandidaten-Vorschlag aus Frankreich
14.10. 16:56 | (00) Zwischenstopp: Mette-Marit und Haakon besuchen Köln
14.10. 16:56 | (02) Aufmarsch nahe der türkischen Grenze: Explodiert Nordsyrien?
14.10. 16:55 | (01) CDU: Staat braucht besseren Zugriff auf Daten im Internet
14.10. 16:50 | (00) Puigdemont: Urteile gegen Separatistenführer «unmenschlich»
14.10. 16:44 | (04) EU:  Vorerst kein allgemeines Waffenembargo gegen Türkei
14.10. 16:41 | (08) Auch aus CSU herbe Kritik an Seehofer-Äußerungen zu Gamern
14.10. 16:40 | (00) Games-Community im Visier der Sicherheitspolitik
14.10. 16:31 | (14) PiS nach Polen-Wahl im Aufwind - Sorge in Berlin und Brüssel
14.10. 16:28 | (01) Amthor warnt Union vor Personalstreit - Mohring gegen Urwahl
14.10. 16:19 | (02) CSU will mit 75-Punkte-Programm moderner und cooler werden
14.10. 16:12 | (09) Ein Abschied und ein Neuanfang: SPD wählt eine neue Spitze
14.10. 16:10 | (01) Tunesier feiern parteilosen Kais Saied als neuen Präsidenten
14.10. 16:03 | (00) Die SPD wählt eine neue Spitze
14.10. 15:45 | (01) CDU-Spitze beschließt Maßnahmenpaket gegen rechten Terror
14.10. 15:40 | (02) Digitalverbände warnen vor Messenger-Überwachung
14.10. 15:36 | (01) FDP-Fraktion will Einsatz von KI in Schulen ermöglichen
14.10. 15:24 | (02) Nouripour für Rückholung inhaftierter IS-Kämpfer nach Deutschland
14.10. 15:17 | (13) Zu grell für die Straße? Polizei legt goldenes Auto still
14.10. 15:10 | (02) Inka Bause: "Bauern ticken anders"
14.10. 14:52 | (00) Assad verlegt Truppen an türkische Grenze
14.10. 14:50 | (05) Röttgen will Einstellung aller Waffenlieferung an die Türkei
14.10. 14:47 | (00) 14 Prozent der Lebensmittel gehen vor Handel verloren
14.10. 14:43 | (01) Trump: Kurden wollen USA in Konflikt mit Türkei hineinziehen
14.10. 14:39 | (21) Nahles legt Bundestagsmandat nieder
14.10. 14:33 | (09) Die tödliche Gefahr aus dem 3D-Drucker
14.10. 14:33 | (01) EU-Staaten verurteilen türkische Syrien-Offensive
14.10. 14:26 | (01) Jakarta sinkt ab: Ist Indonesiens Millionenmetropole noch zu retten?
14.10. 14:12 | (03) Ungarns Opposition siegt bei Kommunalwahlen
14.10. 14:11 | (11) Schlappe für Orban: Ungarns Opposition gewinnt Kommunalwahl
14.10. 13:57 | (09) Kurdische Gemeinde warnt vor gewaltsamen Konflikten in Deutschland
14.10. 13:57 | (01) EU sucht nach Antwort auf türkische Militäroffensive
14.10. 13:53 | (00) Dreyer: Türkei soll in NATO bleiben
14.10. 13:49 | (00) AA: Einstellige Zahl Deutscher in Lager Ain Issa
14.10. 13:22 | (02) Zahl der Toten in Japan steigt nach Taifun auf über 50
14.10. 13:15 | (00) UFO kündigt Streik bei Lufthansa an
14.10. 12:58 | (18) Bund verdient immer mehr Geld mit Kraftfahrzeugen
14.10. 12:49 | (00) Queen eröffnet neue Sitzungsperiode des britischen Parlaments
14.10. 12:44 | (01) Spätsommer verabschiedet sich - deutlich kühler und mehr Regen
14.10. 12:43 | (02) Studie: Armut geht mit verringerter Lebenserwartung einher
14.10. 12:35 | (00) DAX lässt am Mittag nach – Fast alle Werte im Minus
14.10. 12:05 | (00) EU-Kommission genehmigt Rettungsbeihilfe für Condor
14.10. 11:58 | (00) Wirtschaftsnobelpreis geht an drei Armutsforscher
14.10. 11:50 | (00) Nobelpreis für Wirtschaft geht an Banerjee, Duflo und Kremer
14.10. 11:48 | (01) EU-Kommission genehmigt deutsche Rettungsbeihilfe für Condor
14.10. 11:27 | (10) Unionspläne für Whatsapp-Überwachung sorgen für Koalitionsstreit
14.10. 11:11 | (00) Smartlane: Das steckt hinter dem neuen Millionen-Investment von Frank Thelen
14.10. 11:08 | (05) Syrische Truppen an türkische Grenze verlegt
14.10. 11:07 | (02) Söder bei Grundrente optimistisch und verhandlungsbereit
14.10. 11:05 | (00) Bercow warnt vor zunehmendem Rassismus in Großbritannien
14.10. 10:56 | (00) Metro-Chef verspricht rasche Klarheit beim Verkauf von Real
14.10. 10:34 | (04) Frau und Kind im Watt vermisst
14.10. 10:26 | (00) Datenschützer knüpft Huawei-Teilnahme an 5G-Aufbau an Bedingungen
14.10. 10:04 | (00) Kataloniens Separatistenführer schuldig gesprochen
14.10. 10:00 | (09) Bayerns Innenminister ermahnt Nationalspieler Gündogan
14.10. 09:55 | (00) Katalanische Separatistenführer zu langen Haftstrafen verurteilt
14.10. 09:42 | (01) Hunter Biden legt Posten bei chinesischer Firma nieder
14.10. 09:30 | (05) DAX startet mit Verlusten - Lufthansa hinten
14.10. 09:02 | (01) Außenhandel mit Großbritannien verliert an Bedeutung
14.10. 08:53 | (05) Mohring: AfD hat Mitschuld an Spaltung der Gesellschaft
14.10. 08:42 | (03) Polen-Wahl: Nationalkonservative fahren Triumph ein
14.10. 08:25 | (04) Großhandelspreise im September um 1,9 Prozent gesunken
14.10. 08:13 | (00) Forsa: Merkel verteidigt Spitzenplatz in Politiker-Ranking
14.10. 08:01 | (00) Regierung Ecuadors erreicht Einigung mit indigenen Völkern
14.10. 08:01 | (01) Verbraucherschützer fordern Mindestkriterien für regionale Produkte
14.10. 08:00 | (00) Tote und Verletzte nach Explosion und Gebäudeeinsturz in Indien
14.10. 07:51 | (00) Dröge wird neue wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen
14.10. 07:31 | (01) Klingbeil ruft SPD zu mehr Geschlossenheit auf
14.10. 07:12 | (04) Bundesregierung verzichtet auf Verbot chinesischer 5G-Technik
14.10. 06:31 | (02) Britisches Parlament wird von Queen wiedereröffnet
14.10. 05:00 | (00) Teuteberg: Gamerszene nicht unter Generalverdacht stellen
14.10. 05:00 | (00) Grüne fordern deutlichere Konsequenzen in der Türkei-Politik
14.10. 05:00 | (03) Özdemir verurteilt türkischen Torjubel im Spiel gegen Albanien
14.10. 05:00 | (00) HDE warnt vor Folgen des Einzelhandelssterbens in Innenstädten
14.10. 05:00 | (03) Drogenbeauftragte fordert Außenwerbeverbot auch für E-Zigaretten
14.10. 05:00 | (03) Drogenbeauftragte bei Cannabis kompromissbereit
14.10. 04:56 | (00) Experte: Übergriffe in Pflegeheimen nicht unter Teppich kehren
14.10. 04:16 | (00) Amthor warnt vor Personalspekulationen in der Union
14.10. 04:13 | (00) Prinz William und Herzogin Kate reisen nach Pakistan
14.10. 03:32 | (00) Wahl in Polen: Klarer Sieg für nationalkonservative PiS
14.10. 02:43 | (02) Britisches Parlament wird von Königin II. wiedereröffnet
14.10. 01:45 | (02) Ungarn: Opposition erobert Budapest
14.10. 00:35 | (08) Grüne fordern Sondersitzung des Nato-Rates wegen Türkei
14.10. 00:34 | (02) Datenschutzbeauftragter warnt nach Halle vor Eingriff in Grundrechte
14.10. 00:27 | (01) Merkel und Macron wollen bei Krisen zusammenstehen
14.10. 00:12 | (03) Mehrere Bundesländer fordern Änderungen am Klimapaket
14.10. 00:00 | (03) FDP-Fraktionsvize fordert Einbestellung des türkischen Botschafters
14.10. 00:00 | (01) Kelber warnt vor "Diskriminierungspotenzial" staatlicher Kontrolle
14.10. 00:00 | (00) Kelber warnt vor Ausweitung der Verfassungsschutzbefugnisse
14.10. 00:00 | (02) Chef des Lehrerverbandes sieht Defizite bei Antisemitismus-Erkennung
13.10. 22:51 | (00) Präsidentenwahl in Tunesien:  Umfragen sehen klaren Sieger
 
Diese Woche
14.10.2019(Heute)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News