Dragon Quest Builders 2 im Test

Vor etwa drei Jahren überraschte mich das sympathische Aufbauspiel Dragon Quest Builders, dass als Spin-Off der bekannten Rollenspiel-Serie etwas vom großen Minecraft-Kuchen abhaben wollte. Und obgleich ich Minecraft nie etwas abgewinnen konnte schaffte es Dragon Quest Builders doch mir eben dieses Gefühl zu bescheren, das Millionen andere beim Spielen in der Welt von Minecraft gefühlt haben müssen. Entspannung. Kreativität. Und Sucht, noch diesen einen letzten Stein von gefühlten 50.000 zu setzen, um mein Kunstwerk von einem Haus zu vollenden. Voller Erwartung konnte ich mich nun an den Nachfolger Dragon Quest Builders 2 machen und für euch Toilettenräume, Bäder, ja sogar ganze Städte und noch viel mehr bauen.

Singleplayer-Erfahrung

Wie schon der Vorgänger richtet sich auch Dragon Quest Builders 2 im Kern an Einzelspieler, die jedoch auch wieder online miteinander kollaborieren und Fotos ihrer gebauten Kunstwerke ausstellen können. Abseits davon führt uns die Geschichte dieses Mal jedoch von Insel zu Insel ohne das Gebaute wie im Vorgänger jedes Mal zu zerstören. Diese Inseln können immer wieder angefahren werden und so trauert man den etlichen Stunden auch nicht mehr hinterher, die man im Erstling vielleicht noch für ein Schloss oder eine große Stadt investiert hat um sie später deren Zerstörung mitanzusehen.

Auch dieses Mal gewinnen wir zunehmend Bürger für unser Land, denen wir ein Schlafgemach bauen und andere Wünsche erfüllen. So möchten die einen Inselbewohner wieder grünes Land für die Landwirtschaft erhalten, während wiederum andere die glorreichen Minen wiedereröffnen um Edelmetalle zu fördern. Da wir ein legendärer „Erbauer“ sind, werden wir recht schnell von den NPCs ins Herz geschlossen, da wir Ihnen ihre Lebensgrundlage zurückbringen. Gleichzeitig bedarf es deren Mut uns zu folgen, denn dies ist gegen das Gesetz der Kinder von Hagon. Die Menschen fürchten von eben jenen Kindern des Hagon gekidnappt oder gar schlimmeres zu werden. Diese Fieslinge haben es sich zur Aufgabe gemacht alles Erschaffene zu zerstören und dafür zu sorgen, dass es zerstört bleibt. Weshalb wir als Erbauer in den Fokus dieser Gestalten geraten.

Ein ewiges Tutorial

Was mir an Minecraft nie wirklich gefiel, war im Grunde die offene Welt, die einen einlädt völlig frei zu agieren, ohne einem wirkliche Aufgaben und Ziele bereitzuhalten. Ich bin von Beruf ein kreativer Mensch und mag insbesondere Aufbauspiele, doch fühlte ich mich dieser Freiheit immer entwachsen. Wie man dies bei Kindern beobachten kann. Gibt man Ihnen etwas Spielzeug, selbst wenn dieses nicht zusammenpasst oder zueinander Sinn ergibt, werden diese ein Universum in ihrem Kopf erschaffen, indem all die Einzelteile Sinn zu ergeben scheinen. Ich habe diese Fähigkeit wie viele andere Erwachsene im Laufe meines Lebens verloren, ich erfülle heute lieber Wünsche. Wünsche, die man mir grob stellt und die ich frei und kreativ auf meine Art lösen kann. Eben fast wie im Berufsleben, in dem man hoffentlich nicht stumpf immer wieder die gleichen Tätigkeiten tut, sondern auf seine Art zum Ziel kommen darf.

Und genau so funktioniert auch Dragon Quest Builders 2. Manchmal gibt man uns eine Bauanleitung an die Hand, an die man sich kleinlich halten muss um etwas dabei zu lernen, ein anderes Mal können wir alles frei gestalten. Wobei alles auch nicht stimmt. Denn damit ein Raum als eben solcher erkannt wird, braucht er gewisse Eigenschaften, so wie auch Toiletten erst welche sind, wenn ein Topf samt Rollenhalter in ihm hängen. Frei ist jedoch, wie groß er Raum ist, welche Form er hat, wie hoch er ist, in welchem Stockwerk er sich befindet und welche Gegenstände noch zu seiner Verschönerung in ihm stehen. Tauscht man einige Objekte aus, kann aus der Toilette auch mal schnell eine Küche oder ein Schlafzimmer werden. In Minecraft erfreut man sich dann daran ohne einen wirklichen Nutzen zu sehen. Bei Dragon Quest Builders 2 jedoch reagieren die Dorfbewohner entsprechend auf jeden Raum, stehen vor Toiletten gerne schon mal Schlange und kochen in der Küche essen, dass Sie auch euch für eure Reisen in kleinen Truhen hinterlegen.

Die Interaktionen eurer Mitbewohner wurden im zweiten Teil noch weiter intensiviert. Es ist spannend zu sehen, wie sie durch die Siedlung gehen, Felder bewirtschaften, sich in Kneipen prügeln und euch mehr und mehr zur Hand gehen. Besonders bei der Landwirtschaft haben sich die Entwickler große Mühe gegeben, da dies so noch nicht im Erstling funktionierte. Richtet man beispielsweise eine Scheune ein und gibt in eine Truhe unterschiedlichste Samen, kann man später auf den Feldern durch den Bau von Vogelscheuchen bestimmen, welche Samen auf welches Feld gehören. Anstelle selbst zu pflanzen, könnt ihr dann zusehen, wie das Umgraben, Bewässern und Aussähen eure Dorfbewohner übernehmen. Nur bei der Ernte seid dann wieder ihr gefragt. Habt ihr die Tomaten von den Sträuchern gepflückt, dass Weizen geerntet und den Kohl ausgegraben, gebt auch diese wieder in eine Truhe in der Küche. Fortan werden eure NPC-Kumpanen wieder Unterstützung leisten und das Ganze zu Speisen verarbeiten. Zwar könnt ihr dies auch selbst, aber machen wir uns nichts vor: Den 50. Stechpfirsich in die Pfanne legen und nach einigen Sekunden wieder herausholen ist jetzt auch nicht sonderlich anspruchsvoll und spaßig. Mir hat die Landwirtschaftskomponente als Fan von Harvest Moon und Stardew Valley jedenfalls viel Freude bereitet und mich die Unterstützung eurer KI-Kollegen aufatmen lassen.

Je mehr wir unsere Bewohner mit einbeziehen und Ihnen ihre Wünsche erfüllen, desto häufiger danken Sie es einem mit dem Abwerfen von Herzen. Sammelt man diese zu Hunderten ein, schreiten wir mit unserer Siedlung von Level zu Level, bis dieses nach dem vierten Aufstieg von einer Angriffswelle attackiert wird, die aufmerksam auf uns als Erbauer wurden. Schäden während des Kampfes an euren Bauten werden anschließend glücklicherweise automatisch repariert. Nach dem Siegesgeplänkel machen wir uns auf in eine neue Welt um anderen zu helfen, Abwechlsung zu bekommen und wieder jede Menge Land, dass es zu bebauen gilt. Wie anfangs erwähnt können wir aber auch jederzeit zurück gehen und an unseren alten Städten weiter bauen. Einige NPCs folgen uns sogar mit zu neuen Ufern und lassen uns gar ganze Wälder und Flüsse erschaffen.

Es wirkt im Dragon Quest Builders 2 einfach alles ein wenig verflochtener ohne harte Cuts in der Story. Leider erzählt sich diese aber ebenso träge wie beim Vorgänger. Mit kürzeren Ansagen und knapperen Botschaften hätte mir sowohl der erste als auch zweite Teil besser gefallen. Zwar sind die Texte mit einem Augenzwinkern geschrieben und Charaktere sympathisch ausgearbeitet, doch nerven diese zunehmend, weil sie einfach nicht auf den Punkt kommen oder alles peinlichst genau erklären. Weniger „Blah-Blah“ wäre hier mehr gewesen und hätte mich nicht dazu getrieben, des Öfteren die Texte zu überfliegen oder gar den Button zu hämmern, weil ich lieber weiter bauen wollte.

Rätsel & Monster

Die Landkarte in Dragon Quest Builders 2 lädt jederzeit zum Entdecken ein, da wir auf jeder Insel mehrere Puzzles versteckt haben, die durch Setzen des richtigen Blocks Mini-Medaillen spendieren. Mit diesen ist es uns möglich später wieder neue Rezepte oder Bauanleitungen zu erhalten, während Kämpfe gegen zufällig platziert zu scheinende Riesengegner unseren Erbauer zu neuen Waffen und Ausrüstungsgegenständen inspirieren, um beim nächsten Kampf besser dazustehen.

Leider ist das Action-Kampfsystem immer noch viel zu simpel. Wir hämmern den Action-Button so lange, bis wir glauben, dass der Gegner zum Gegenschlag ansetzt. Dann heißt es schnell aus dem Angriffsradius rennen und anschließend so schnell wie möglich zurück, um sofort wieder auf den Actionbutton zu hämmern. Dank unseres treuen Begleiters Malroth, der uns von Anfang bis Ende des Spiels begleitet, haben wir zwar einen Gehilfen im Kampf, er wird dadurch jedoch nur marginal spannender. Schade, dass es die Entwickler versäumt haben Malroth optional zu einem zweiten Spieler zu machen, der mit euch lokal von der Couch aus spielt. Das hätte sicher nicht nur die Kämpfe lebhafter gemacht, sondern auch den Aufbau versüßt. Nur online gibt man uns wieder auf einer großen Insel die Chance unserer Kreativität mit Anderen freien Lauf zu lassen. Ohne Quests und Ziele ist das aber wie schon beim Vorgänger so eine Sache mit der Langzeitmotivation (zumindest mit meiner, die ich zu Anfang im Artikel ausführlich beschrieb).

Dragon Quest Builders 2 ist erneut ein putzig-kreatives Spiel geworden, in das sich Kinder sofort verlieben werden und das mir als Erwachsener und Aufbauspiele-Fan viel Spaß bereitet. Auch Spieler, die aufgrund von ihrem stressigen Berufsalltag immer weniger mit Gaming zubringen, sollten Dragon Quest Builders 2 eine Chance geben. Denn es ist wie beim Mandala-Malen ein entspanntes und lebensbejahendes Gefühl, wenn man Stein für Stein die Optik eines ganzen Landstriches ändert und einem wild klatschende NPCs in Akira Toriyama-Optik dabei anfeuern. Videospiele können uns nämlich durchaus mehr Energie rauben als zurückgeben (denkt nur mal an ein Online-Match in Call of Duty und der Puls ist schnell auf 180), hier passiert gefühlt das Gegenteil.

Obwohl Dragon Quest Builders 2 den Erstling um so viele Eigenschaften verbessert und im Umfang erweitert, ist es am Ende doch schade, dass wir es nicht lokal sowie online zu zweit durchspielen können und die Story immer noch so langatmig erzählt wird. Nichtsdestotrotz hat es mich schnell in seinen Bann gezogen und ich konnte mich nur schwer von der „Nur noch dieses Zimmer und dann gehe ich ins Bett“-Mentalität lösen. Toll ist auch die liebevolle deutsche Übersetzung gelungen, die heutzutage leider immer noch nicht Standard in unserem Hobby ist. Dragon Quest Builders 2 ist derzeit im Preisvergleich ab 46,90 € zu haben.

Gaming
[next-gamer.de] · 16.07.2019 · 19:52 Uhr
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