Die Schere zieht sich auseinander

1 000 Punkte hat der deutsche Aktienindex innerhalb von fünf Wochen verloren, auch wenn US-Importzölle für die deutsche Automobilindustrie zunächst abgewendet werden konnten. Doch der Markt ist offensichtlich skeptisch, ob das Interimsagreement zwischen EU und USA nachhaltig ist. Damit ist die DAX-Bilanz seit Jahresanfang mit minus sechs Prozent eindeutig negativ. von Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München Im Weißen Haus werkelt zwar eine Dampfwalze, die auf dem besten Wege ist, alle Gepflogenheiten der westlichen Welt platt zu machen. Trump hat mittlerweile sämtliche internationalen Handelsverträge geschreddert, inklusive des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA zwischen USA - Kanada - Mexiko und droht insbesondere China mit weiteren Zöllen. Auch Japan gerät zunehmend ins Visier. Obwohl sich die USA mit all ihren größten Handelspartnern praktisch gleichzeitig angelegt hat und ein Handelskonflikt immer wahrscheinlicher wird, herrscht an den US-Börsen eitel Sonnenschein. S&P 500 und NASDAQ haben Ende August sogar neue Allzeithochs erreicht. Auch wenn es uns in Europa nicht gefallen mag - das Motto "Make Amerika great again" scheint sich für die USA auszuzahlen. Ein Rückschlag, den viele aufgrund Trump´s rigoroser Vorgehensweise erwartet haben, ist bisher ausgeblieben. Dem Rest der Welt dagegen geht’s schlecht - besonders in den Emerging Markets: Seit einem im Januar 2018 erreichten Hoch hat der MSCI Emerging Markets Investable Market Index auf Dollar-Basis mehr als 20 Prozent und auf Euro-Basis rund 15 Prozent verloren. Viele Währungen von Schwellenländern sind im freien Fall - einerseits wegen eigener Probleme (Türkei, Südafrika und Argentinien), andererseits wegen der Zins- und Wirtschaftspolitik der USA. Die nach der Finanzkrise in den USA gesenkten Zinsen hatten zunächst zu einer wahren Flut an Dollar-Liquidität geführt. Viel "heißes Geld" floss nach 2008 in die Schwellenländer und befeuerte dort die Verschuldung und das Wachstum. Doch wegen der Zinswende, der sehr robusten US-Konjunktur und der Steuerpolitik von US-Präsident Donald Trump fließt nun viel Dollar-Liquidität in die USA zurück. Geld wird also aus den Schwellenländern abgezogen und in die Vereinigten Staaten zurückverlagert. Dies führt zu einem stärkeren Dollar, der wiederum den Abzug von Kapital aus den Schwellenländern noch beschleunigt. Gleichzeitig droht in den in Dollar verschuldeten Schwellenländern durch den stärkeren Dollar eine Schuldenkrise, da es wegen der schwächeren Landeswährungen für die Kreditnehmer immer schwieriger wird, Dollar-Kredite zu bedienen. Die von Trump angezettelten Handelskonflikte sind gerade für die größten Emerging Markets wie China, Indien, Südkorea und Mexiko Bad News. Denn sie haben eine stark exportorientierte Wirtschaft und häufig eine starke Abhängigkeit vom US-Markt. Noch halten sich zwar die realwirtschaftlichen Auswirkungen des Handelsstreits in engen Grenzen, da viele der angekündigten Zölle noch nicht in Kraft getreten sind. Sollte es allerdings nicht zu einer Entspannung im Handelsstreit kommen, dürfte sich das in den kommenden Jahren ändern. Die Schere zwischen der boomenden US-Wirtschaft und dem Rest der Welt, der zunehmend ins Stottern gerät, geht somit immer weiter auseinander. Vielleicht hilft dem deutschen Aktienmarkt zumindest ein kleiner Trick, frei nach dem Motto: Wenn uns die Indexperformance nicht gefällt, ändern wir einfach die Rahmenbedingungen. Die Deutsche Börse hat nämlich im Rahmen ihrer turnusmäßigen Überprüfung ihrer Indizes einige Umstrukturierungen vorgenommen und Loser-Aktien ausgekehrt: So wird beispielweise im DAX die Commerzbank Aktie, die seit Gründung des DAX im Index vertreten war, ersetzt durch Wirecard, ein alter Bekannter aus Neuer-Markt-Zeiten, der in den letzten Jahren sehr erfolgreich sein Geschäftskonzept gedreht hat. Der MDAX, Index für Konzerne aus dem deutschen Mittelstand, wird erweitert um zehn weitere, eher technologieorientierte Aktien aus dem SDAX und TecDAX, was dem Index zukünftig vielleicht zusätzliche Dynamik geben könnte. Warten wir es ab.

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[finanzen.net] · 14.09.2018 · 17:24 Uhr
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