Die neue «Sturm der Liebe»-Chefautorin Claudia Köhler: ‚«Sturm der Liebe» war immer schon ...

Kommende Woche läuft die ‚stürmische‘ 3333. Folge der ARD-Dailynovela – 2020 übrigens nicht das einzige Jubiläum am Fürstenhof. Claudia Köhler hat vergangenen Herbst den Posten als Chefautorin von Vorgänger Björn Firnrohr übernommen. Mit uns spricht die langjährige Autorin der Serie über den Markenkern „Am Ende wird alles gut“, über ‚zusätzliche Erzählfarben‘ und die Zukunft des Hotels Fürstenhof.

Frau Köhler, mal grundsätzlich gefragt: Die aktuell laufende Staffel von „Sturm der Liebe“ bedient sich wieder deutlich klassischeren Motiven. Da ist die weibliche Hauptfigur, die aus einer anderen sozialen Schicht kommt als der männliche Love-Interest. Wo in den zurückliegenden Staffeln eine Ärztin und eine Künstlerin im Mittelpunkt standen, ist Franzi nun eine Obstbäuerin. Und das Stück Land, auf dem „ihre“ Bäume stehen ist auch noch von der Pleite und der Übernahme durch die Saalfeld-Familie und somit (indirekt) durch ihren Schwarm Tim bedroht. Was macht diese Rückbesinnung mit der ganzen Serie?

Es war uns wichtig, gerade weil wir in den vorangegangenen Staffeln die weiblichen Hauptfiguren mit einen eher höheren sozialen Status erzählt haben, wieder eine junge Frau zu zeigen, die für ihre Träume kämpfen muss. Die wenig bis keine Unterstützung (wie zum Beispiel Denise durch ihren Vater Christoph) erhält, die sich selbst durchbeißen muss, um ihre Ziele zu erreichen. Ich würde das nicht unbedingt eine „Rückbesinnung“ nennen, sondern vielmehr eine zusätzliche Farbe.

Sie setzen darüber hinaus in dieser Staffel auf starke persönliche Geschichten mit Figuren, die die Zuschauer schon lange kennen; Robert/Eva und Michael/Natascha. Warum?

Wir bespielen über diese beiden Paare Probleme, die auch im normalen Lebensalltag unserer Zuschauer auftauchen können. Wie gehe ich beispielsweise damit um, wenn die eigenen Eltern älter werden und erkranken? Wie geht man mit Beziehungskrisen um, wie erhält man die Liebe im Alltag am Leben? Zudem sind diese beiden Paare bei den Zuschauern sehr beliebt und man drückt ihnen sehr die Daumen, dass sie ihr Glück er- und behalten.

Mal generell gefragt: Wenn Sie in einem Satz den Markenkern des „Sturm“ beschreiben müssten, dann wäre das…

Am Ende wird alles gut – und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.

Die Frage, die sich jeder Chefautor und jede Chefautorin stellen muss: Eine Serie, die jetzt 15 Jahre alt wird, muss sich natürlich auch immer ein Stück weit neu erfinden, um die Zuschauer nicht mit dem immer gleichen zu konfrontieren. Welche Schritte sind hier nötig und welche ein No-Go?

Sturm der Liebe war immer schon „größer als das wahre Leben“ und wird es natürlich auch bleiben. Trotzdem versuchen wir, die emotionalen Komponenten der Figuren stärker auszuloten. Gerade in zugespitzten Situationen erlauben wir den Figuren, auch Fehler zu machen und sich nicht immer moralisch einwandfrei zu verhalten, wie zum Beispiel Tim, der den Obsthof von Franzi sabotiert. Dafür muss er dann auch mit den Konsequenzen leben und für seinen Fehler gerade stehen.

Ich möchte mit Ihnen mal über zwei Saalfeld-Figuren sprechen. Zunächst einmal vielleicht über Christoph. Ist Christoph heute das, was Werner in den Anfangsjahren war und darüber hinaus gefragt: Würden Sie Christoph eigentlich mögen, wäre er quasi eine reale Person in ihrem täglichen Umfeld?

Auch wenn Werner viel auf dem Kerbholz hat – zu solchen drastischen Mitteln im Kampf um den „Fürstenhof“ wie Christoph hat er nie gegriffen (zum Beispiel als Christoph Valentinas Leben auf das Spiel gesetzt hat, als er die Anteile von Robert übernehmen wollte).

Ich schätze an der Figur Christoph, dass er fast alles für seine Familie bzw. für seine Kinder tun würde. Allerdings nur, wenn man sich in einem Rahmen bewegt, den er für richtig hält. Falls er mein Gegner wäre, hätte ich enormen Respekt – und wahrscheinlich sogar ein bisschen Angst vor ihm. (lacht)

Sie haben mit Annabelle eine ganz besondere und sicherlich auch ganz besonders böse Figur geschaffen. Es gibt viele Zuschauer, die sich wünschen, dass sie noch eine Weile erhalten bleibt. Wie sehen Sie Annabelle und was wird mit ihr rund um das Jubiläum passieren?
Die Rolle der Annabelle habe nicht ich entwickelt, sondern mein Vorgänger. Annabelle stand von Anfang an im Schatten ihrer Schwester Denise und musste um die Liebe ihres Vaters kämpfen. Das zermürbt, vor allem, wenn der Vater die einzige Bezugsperson ist – gerade, weil Annabelle ihre Mutter ja erst sehr spät kennengelernt hat. Ich kann den Wunsch der Zuschauer, ihrem Treiben als böse Figur noch eine Weile zuzuschauen, nachvollziehen. Gleichzeitig gibt es auch viele Zuschauer, die gern erleben wollen, wie Annabelle für ihre Taten bestraft wird. „Verbrechen lohnt sich nicht“ – diesem moralischen Anspruch wollen wir auch genügen.

Eine der Neuerungen der Jahre 18/19 war, dass Sie eine jüngere Generation erzählt haben; Fabien und Valentina. Doch beide hat nun der Ruf Leipzigs ereilt. Die Figuren Bela und Co. sind alle eine Ecke älter. Kommt wieder junges Blut an den Fürstenhof?

In dem Alterssegment der unter 18-Jährigen sind erstmal keine Geschichten geplant, aber das kann sich auch wieder ändern, wenn wir merken, dass der Zuschauer diese Art von Geschichten stark vermisst.

In Folge 3333 wird es stürmisch – ein Schneesturm wirbelt in Bichlheim alles durcheinander. Wenn man bedenkt, dass es in früheren Highlight-Folgen auch schon einmal Flugzeugabstürze gab, darf ich dann sagen: «Sturm der Liebe» ist dieser Tage etwas geerdeter und Back to the roots?

So sehe ich das nicht. Dieser Drehtag mit Wind- und Schneemaschinen war ziemlich aufwändig und auch für die Schauspieler nicht einfach. Zudem kommen in diesem Jahr noch einige weitere Highlights auf uns zu, zum Beispiel der 15. Geburtstag unserer Serie. Da planen wir ein größeres Event, was der Produktion aufgrund des anstrengenden Drehplans einiges abverlangen wird.

Der 15. Geburtstag steht im September an. Schauen wir aber nochmal zurück: An Neujahr haben Sie einen vielbeachteten Trailer mit den Highlights der kommenden Monate veröffentlicht. Darin spielt Feuer eine gewaltige Rolle; man sieht ein Bild, das quasi den Fürstenhof zerfrisst. Wie darf man das deuten und welche Rolle spielt das Hotel für die Serie?

Der Fürstenhof ist das Zentrum unserer Serie und ist natürlich bis jetzt das wesentliche Element unserer Geschichten, um dessen Besitz wurde und wird seit Beginn der Serie gestritten, gefeilscht und gemordet. Genau wie um die Liebe bzw. die Dame des Herzens wird um das Hotel mit harten Bandagen gekämpft und vor keiner Intrige zurückgeschreckt. Was das Feuer betrifft, muss ich Sie ihren eigenen Interpretationen überlassen (lacht). Wir wollen nicht zu viel verraten, damit die Fans weiter gespannt bleiben.

In dieser letzten Frage will ich mit Ihnen nochmal ein bisschen zurückschauen, Sie schreiben ja seit Mitte der ersten Staffel an dieser Serie. Gibt es einen Strang, den Sie bis heute noch lieben – und genauso gefragt – gibt es einen Strang, der anstrengend oder schwierig war, sodass Sie sich auch im Negativen bis heute an diesen erinnern?

Es gibt viele Geschichten, an die ich mich gern erinnere. Eine der bewegensten Szenen war für mich, als André seiner großen Liebe Nicola den Verlobungsring auf ihrem Totenbett an den Finger gesteckt hat. Oder wie Hildegard geweint hat, als Alfons sie nicht mehr erkannt hat und sie dachte, er wäre dement. Es gibt auch heitere Geschichten – zum Beispiel den ganzen Unsinn, den die Rolle Xaver in unserer Serie angestellt hat oder die Hochzeit von Jessica und Henry, die ich sehr amüsant fand.

Natürlich gibt es immer mal wieder Geschichten, die schwieriger zu plotten sind als andere. Aber ich freue mich immer wieder, wenn wir nach großer Mühe trotzdem eine interessante und hoffentlich funktionierende Geschichte haben.

Danke für das Gespräch.

Magazin / Interview
27.02.2020 · 09:41 Uhr
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