Die Kritiker: Undercover

Die neue deutsch-belgische Ko-Produktion, die ZDFneo ab morgen Abend ausstrahlt, hat es wieder in sich. Denn die Benelux-Sopranos haben es faustdick hinter den Ohren.

Hach, Limburg: Das sind süße kleine Städtchen wie Hasselt, satt grüne Wiesen, Koppeln mit knuffigen Pferdchen, flauschige Riesenkaninchen, unschuldige Belgier und ein strahlend blauer flämischer Himmel. So trägt es auch Undercover, die neueste der inhaltlich beeindruckenden deutsch-belgischen Ko-Produktionen unter Federführung von Netflix, VRT Één und dem ZDF, zu Beginn vor, nur um dieses Bild eines betulichen und beschaulichen Ostflanderns gleich wieder zu konterkarieren: Denn Limburg ist auch das Kolumbien Europas, ein Knotenpunkt im Ecstasy-Business, dessen Produktion bei Partys von New York bis Tokio eingeworfen wird.

Schon seit einer Ewigkeit versucht die belgische Polizei einen der führenden Drogenproduzenten hochzunehmen: Ferry Bouman (Frank Lammers). Der verschanzt sich jedes Wochenende mit seiner einfältig-naiven Ehefrau und seinen Untergebenen auf einem Camping-Platz, von wo aus er seine Geschäfte koordiniert. Nun wollen die Bullen zwei verdeckte Ermittler in das Milieu einschleusen, die zunächst unbedarfte Camper mimen sollen: den flämischen Polizisten Bob (Tom Waes) und seine niederländische Kollegin Kim (Anna Drijver). Die Benelux-Zusammenarbeit kann beginnen.

Wie schon bei den vorherigen deutsch-belgischen Serienkoproduktionen, an denen das ZDF maßgeblich beteiligt ist, – dem psychologischen Thriller Tabula Rasa und dem innovativen Krimi-Drama 24 Hours – Two Sides of a Crime – gelingt es auch Undercover, schnell einen starken Spannungsbogen aufzubauen und ebenso rasch einen einnehmenden Bezug zu den Charakteren herzustellen. Diesmal ist die politische Brisanz des Stoffes jedoch eine andere: Denn im Nordosten Belgiens kommt es im Zuge der grassierenden Drogenmafia-Seilschaften tatsächlich am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit zu hinrichtungsähnlichen Mordanschlägen auf wechselseitige Clan-Gegner.

Undercover führt in diese Welt neben aller Ironie des Limburg-dekonstruierenden Openings gar besonders rabiat ein: An den Fersen zusammengekettete Chinesen müssen kiloweise Drogen herstellen wie Jesse Pinkman im Breaking-Bad-Spätstadium, während die Hintermänner – hier verkörpert vom Drogenboss Ferry – trotz aller Brutalität mit ihren Tobsuchtsausbrüchen in einem baufälligen Camping-Bungalow irgendwie banal auftreten, wie eine krude Mischung aus Sopranos und Flodders.

Gleichzeitig versteht es diese Serie, sich die verschiedenen Welten der Charaktere nutzbar zu machen, ohne sich dabei zu überfrachten. Die verdeckten Ermittler haben auch jenseits ihres riskanten Jobs einiges an Baggage, während die Kriminellen ebenso komplex und reich an Motivationen und Sichtweisen geführt werden. Heraus kommt eine explosive Mischung, die acht Folgen lang konsequent spannend und trotz aller Überzeichnungen irgendwie doch lebensnah erzählt wird. Denn eines ist dieses Limburg in Undercover ganz bestimmt nicht: beschaulich.

ZDFneo zeigt acht Folgen von Undercover mittwochs ab dem 8. Mai, jeweils ab 21.45 Uhr in Doppelfolgen.
Meinungen / TV-Kritik / Die Kritiker
07.05.2019 · 09:11 Uhr
[0 Kommentare]
 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News