Die Kritiker: Tatort - Wo ist nur mein Schatz geblieben

In seiner allerletzten Folge muss der Bremer Tatort noch ein altes Geheimnis lüften: Was ist damals mit Stedefreund passiert?

Der Bremer Tatort ist uns noch eine Erklärung schuldig. Seit Stedefreunds (Oliver Mommsen) Rückkehr vom Polizistenausbilden in Afghanistan vor einigen Jahren teasert er immer wieder ein diffuses Trauma an, das Lürsens (Sabine Postel) Laufburschen seither das Leben schwermacht. „Frau Lürsen, nicht jede Wahrheit muss ans Licht“, mahnt seine On-and-off-Partnerin Linda Selb (Luise Wolfram) an, aber die Wissbegier der Zuschauer ist natürlich viel zu groß, um dieses Terrain im Finale unbespielt zu lassen.

Dramaturgisch sind zwei BKA-Beamte, Maller (Robert Hunger-Bühler) und Kempf (Philipp Hochmair), Stein des Anstoßes der Enthüllung. Der eine ist ein etwas zerfledderter, aber immer noch geistesgegenwärtiger alter Mann, der andere dagegen ein impulsives Drogenwrack mit immenser krimineller Energie. Sie stellen sich Lürsen und Stedefreund in die Quere, als die im Fall einer kürzlich aufgetauchten Leiche in Richtung einer sonderbaren Bremer Immobilienfirma ermitteln. Die Frau dessen Inhabers, klären die BKA-Profis die Bremer Landeskollegen auf, sei die Schwester eines hochrangigen Kopfes der tschetschenischen Mafia, die wiederum über besagtes Unternehmen millionenweise Drogengelder wäscht. Lürsen und ihr alter Kumpel sollen gefälligst die Finger von diesen Verdächtigen lassen, um die verdeckten Ermittlungen nicht zu gefährden.

Natürlich lässt sich Lürsen von diesen kaum verklausulierten Drohungen nicht abhalten: „Mordermittlungen haben Vorrang.“ Doch die BKA-Typen haben etwas gegen Stedefreund in der Hand, der deswegen anfängt, gegen seine Kollegin zu arbeiten. Das soll eine explosive Mischung garantieren, die unweigerlich zur Enthüllung seines Geheimnisses und ins große Finale führen soll, bleibt für einen krönenden Abschluss aber viel zu beliebig.

Gebetsmühlenartig erschöpft sich „Wo ist nur mein Schatz geblieben?“ im Vorführen der Abartigkeiten, mit denen die beiden finsteren Gestalten vom Bundeskriminalamt der Tschetschenenmafia Konkurrenz machen könnten, und den oberflächlich belassenen Loyalitätskonflikten, die das Baugeschäftsehepaar mit den Verwandten aus dem Grosnyer Umland hat: Inhaber Roger Stahl (Kostja Ullmann) ist eigentlich Bulle und wurde vor Jahren auf seine heutige Ehefrau Vera (Violetta Schurawlow) angesetzt, die davon aber nichts weiß. Und auch als die Beiden gerade einen Torso in der häuslichen Tiefkühltruhe zwischenlagern, den der Mafiabruder im Kofferraum antransportiert hat, will sie das Geldwasch-Leichen-versteck-Leben nicht hinter sich lassen.

Am Schluss wirkt leider auch Stedefreunds Trauma-Backstory genauso ausgedacht und auf den kurzen Knalleffekt angelegt wie die sonderbaren Tschetschenen-Geschäfte in Bremen, und der finale Endpunkt der Reihe wird zwar mit ordentlich Krawumm inszeniert, bleibt aber erzählerisch so unergiebig wie inszenatorisch beliebig. Nicht jede Wahrheit muss eben unbedingt ans Licht – erst recht wenn sie so schal und uninspiriert ausfällt wie in diesem Beispiel.

Das Erste zeigt Tatort – Wo ist nur mein Schatz geblieben am Montag, den 22. April um 20.15 Uhr.
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20.04.2019 · 11:40 Uhr
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