Die Kritiker: Stralsund - Waffenbrüder

Die neue Folge von Stralsund macht so gut wie alles falsch, was deutsche Fernsehkrimis landläufig falsch machen. Unsere Vorab-Kritik:

In Stralsund explodiert ein Bus, der Vorschüler zur Kindertagesstätte bringen sollte: Glücklicherweise war er nahezu leer. Ein Todesopfer ist trotzdem zu beklagen: der Fahrer Sascha Müller (Florian Bartholomäi).

„In was für Zeiten leben wir eigentlich?“, fragt seine Chefin ob dieses Anschlags, die gleichzeitig auch die Mutter von Saschas Lebenspartnerin Jeanette (Alina Levshin) ist. Die Beziehung ihrer Tochter zu diesem Mann betrachtete sie mit etwas Argwohn: „So gut kannte ich Sascha auch nicht, der war aus dem Westen.“

Jeanette scheint die überraschende Todesnachricht mit Fassung zu tragen. Aus der Bahn geworfen scheint sie eher, als sie ihren in die Luft gesprengten Gatten unverletzt an einer Bushaltestelle trifft: „Warum bist du nicht tot?“, fragt sie überrascht. „Warum soll ich denn tot sein?“, lautet seine gleichsam verblüffte Antwort.

Wie auch bald die Polizei herausfindet, hatte Sascha seine Schicht mit einem Kollegen getauscht. Ein kurioser Zufall, der Nina Petersen (Katharina Wackernagel) und Karl Hidde (Alexander Held) samt Anhang dazu bringt, sich weiter auf ihn einzuschießen. Schnell wird man fündig: Er habe „Kontakte ins kriminelle Milieu“ gehabt, soll Geld für die Mafia gewaschen haben und trainiert seit einiger Zeit verbissen für den Triathlon. „Ein falscher Hund, ein Wessi eben“, sei er gewesen, giftet sein ältlich-kauziger Ost-Trainer, der im Kontakt zu einem schlecht rasierten Mann steht, der wiederum auf klapperigen Brücken an der Ostsee theatralisch Cognac trinkt, „einer der meistgesuchten Männer Europas“.

Die bereits zitierten Dialogpassagen machen deutlich, was auch die anderen Aspekte dieses Films auszeichnet. „Waffenbrüder“ ist ein Copy-and-Paste-Krimi, der weder in seiner Geschichte noch in seinen Charakteren ein Minimum an Originalität aufweist, und sich stattdessen damit begnügt, allerhand genretypische Versatzstücke aneinanderzureihen. Das erstreckt sich jedoch nicht nur auf den Gang der Ereignisse (verschwiegene Familiengeheimnisse, Mafia, alte DDR-Seilschaften) und sein Figurenpersonal, sondern auch auf die kleinsten filmischen Bestandteile: Dialogzeilen vom Krimi-Wühltisch, Kameraeinstellungen aus der Fernsehfilm-Mottenkiste.

Der neuen Stralsund-Folge gelingt trotz ihrer oft an schaurigen Ufern und in tristen Wohnblöcken spielenden Szenen keine atmosphärische Dichte; stattdessen bleibt sie stilistisch wie inhaltlich vage und generisch. Emotional aufgeladene Wendepunkte driften dank alberner Zeitlupen und pathetischem Geschrei ins Überkitschige ab. Eine ernsthafte Reflexion über die abstrakten Themen (alte Schuld, Rache und Reue) wie die konkreten (Stasi-Unrecht und RAF-Terror) findet nicht im Ansatz statt. Stattdessen wird jede plotrelevante Information unnötig überbetont, muss jede Charakterenthüllung schockierend, aber nicht sonderlich glaubhaft sein. Kurz: „Waffenbrüder“ macht falsch, was viele deutsche Fernsehkrimis falsch machen: und alles auf einmal.

Das ZDF zeigt Stralsund – Waffenbrüder am Samstag, den 10. November um 20.15 Uhr.
Meinungen / TV-Kritik / Die Kritiker
09.11.2018 · 09:30 Uhr
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