Die Kritiker: «München Mord – Die Unterirdischen»

Die Reichen, die Reichen: In «München Mord - Die Unterirdischen» geht es um einen geheimnisvollen Untergrund-Klub für Wohlhabende.

Die neunte Ausgabe von «München Mord» gerät ins Rollen, als auf einem Münchner Friedhof in einer Mülltonne eine Leiche sowie ein zerschnittener Personalausweis gefunden werden. Doch der Fundort ist nicht zugleich der Tatort, wie sich zeigt. Für Schaller ist es offensichtlich, dass sich der Tat-Hintergrund im Untergrund der Stadt finden lässt – und als die Nichte der Verstorbenen von einem geheimen Untergrund-Klub der High-Society erzählt, verhärtet sich dieser Verdacht.

Um zum Klub Zugang zu erlangen, und so mehr über den Fall, den Klub und seinen dubiosen Betreiber herauszufinden, muss man aber mindestens 10.000 Euro auftreiben …

Was man Friedrich Ani und Ina Jung lassen muss: Sie sorgen mit ihren Drehbüchern dafür, dass «München Mord» nach und nach diverse Münchner Subkulturen und Dauerthemen durchackert – dieses Mal also die oberen Zehntausend, genauer gesagt piekfein aufgedonnerte Männergruppen innerhalb der oberen Zehntausend, die Frauen als Accessoire sehen.



In vereinzelten Momenten von «München Mord – Die Unterirdischen» verteilen Ani und Jung gezielte Seitenhiebe in Richtung sich aufgeschlossen und gönnerhaft gebender Reicher, die sich aber letztlich als selbst- und vergnügungssüchtige Frauenhasser entpuppen. In diesen Passagen unterstreicht der Filmtitel auch deutlich seine gewitzte Doppeldeutigkeit, während andere Gags beiläufiger sind – wie halt die Erkenntnis, dass man nunmehr mit "nur" 10.000 Euro in einen Geheimklub gelangen kann, während einst deutlich mehr Geld, Beziehungen und Bemühungen für solche Geheimbünde nötig waren. Die oberen Zehntausend mögen eine veraltete Weltsicht haben – und dennoch sind sie nicht mehr das, was sie mal waren …

Grobschlächtig sind unterdessen die Szenen, in denen «München Mord – Die Unterirdischen» die Welt der Reichen thematisch spiegelt: Sogleich mehrere bemüht in die Handlung eingepflegte Szenen zeigen Angi Flierl (Bernadette Heerwagen) als Dauerpleitegeier, doch sie fügen weder der Story, noch der thematischen Ebene etwas hinzu, genauso wenig gehen sie als Running Gag auf. Unterhaltsamer ist schon, wie Alexander Held als Ermittler Schaller durch süffisante Intonation potentiell trockene Erklärmonologe und Expositionsdialoge aufwertet.

Inszenatorisch funktional-solide, wenngleich ohne nennenswerten stilistischen Feinschliff, schöpft dieser Krimi ein passables Maß aus seiner Steilvorlage – denn solch einen Geheimklub für Männer, die Luxusgüter genießen wollen, während ihnen schick gekleidete Frauen zuhören, wurde 2017 wirklich in München eröffnet. Dafür behandelt Regisseur Jan Fehse den Schauplatz vieler Szenen und den Dreh- und Angelpunkt des gesamten Plots dann doch zu banal – und da die Tätersuche dennoch in den Hintergrund gerät, hält sich auch die Mitknobelspannung in Grenzen. Für Fans der Reihe sind es dank des sich von verschiedenen Seiten zeigenden Stammcasts trotzdem nette TV-Kost.

«München Mord – Die Unterirdischen» ist am 21. September 2019 ab 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.
Meinungen / TV-Kritik / Die Kritiker
20.09.2019 · 08:57 Uhr
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