Die Kritiker: «Meine Mutter ist unmöglich»

Hinter dem ebenso generischen wie irreführenden Titel verbirgt sich eine harmlose, aber nette Kochkomödie mit Diana Amft.

Verwechslungskomödie, Kochspaß und Romantik: Aus diesen Zutaten mischen Jurij Neumann (Regie) und Christian Pfannenschmidt (Drehbuch) ein neues Filmvehikel für Diana Amft. Die Schauspielerin tritt im wahllos betitelten ARD-Film «Meine Mutter ist unmöglich» als Antonia, genannt Toni, auf – eine eifrige, bescheidene Wirtin aus der Eifel. Das gutbürgerliche Gasthaus ist stolz auf seine einfache, deftige Hausmannskost – beziehungsweise Hausfrauenkost, denn Toni leitet das Restaurant zusammen mit ihrer Mutter (Margarita Broich).

Eines Tages kommt es in der Redaktion eines einflussreichen Verlages zu einem Missgeschick, das Tonis Leben auf den Kopf stellt: Ihre 'Kupferkanne' bekommt einen Stern zugesprochen – der sollte eigentlich dem gleichnamigen, hoch angesehenen Gourmet-Tempel in Köln gelten, den der ehrgeizige Rufus (Stephan Luca) seit Jahren als Szenetipp positioniert und der schon längst einen Stern hat. Nur halt in der neusten Ausgabe des Gourmetführers plötzlich nicht mehr …

Rufus geht aufgrund dieser Verwechslung an die Decke: Seine wählerische Stammkundschaft droht, abzuspringen. Und das ausgerechnet jetzt, wo ihm sein Finanzier im Nacken sitzt. Aber auch Toni kann sich über das Versehen und die Gratispublicity nicht freuen. Sie fürchtet, ihre bodenständigen Stammgäste zu verlieren, als immer mehr gutbetuchte Großstädter auftauchen, will sich nicht dem Kommerz hingeben und ist mit dem Besucherandrang sowie dem eitlen Getue der neuen Gäste überfordert.

Die Handlung von «Meine Mutter ist unmöglich» können halbwegs filmaffine Fernsehende schon bei der Erstausstrahlung im Schlaf mitsprechen: Landköchin hält städtischen Szenekoch für einen reichen, arroganten Schnösel. Sternekoch rümpft wegen Landköchin und ihrer simplen, in der Vergangenheit verweilenden Weise die Nase. Beide erkennen, dass sie allen Gegensätzen zum Trotz Sympathie füreinander empfinden. Die Medien haben Spaß an der seltsamen Verwechslung. Das ungleiche Duo tut sich im Kampf mit dem öffentlichen Rummel zusammen, es kommt zwangsweise zu neuen Reibereien …

Frei nach den Themen der Wohlfühlkomödie: Nur, weil ein Gericht nicht vollkommen neu ist und sämtliche bisherigen Regeln bricht, muss er schlecht munden. Aber es sind auch nicht alle Gerichte, die stur nach uralten Rezepten zusammengeköchelt werden, der reinste Hammer. «Meine Mutter ist unmöglich» tendiert auf einer Skala von Experimentalküche hin zu "Ich glaub, Oma hat es doch immer so gemacht, also, ja, was soll's, ich würze nur mit Salz und Pfeffer" ganz klar in Richtung "So ist es schon immer gewesen".

Die Umsetzung erinnert dabei jedoch weniger an ordentliche Hausmannskost, wo man weiß, was man bekommt, und das in sündhaft-deftigen Portionen. Die Bantry-Bay-Produktion gleicht eher solider, aber eingefahrener Familienküche, wo mit den immergleichen Fix-Mischungen abgekürzt wird, aber irgendwie dennoch ein passabel-heimeliges Gefühl zusammenkommt.

Soll heißen: Inszenatorisch ist «Meine Mutter ist unmöglich» unambitioniert, aber auch nicht negativ auffallend. Das Skript kocht die obligatorischen Spannungen zwischen seinen Hauptfiguren zu Beginn des dritten Akts auf einfallslose Weise hoch. Die Musikauswahl ist funktional – im guten, wie im schlechten Wortsinne. Aber die Charakterisierung der kulinarischen Gegensätze ist, selbst wenn nicht sehr einsichtsvoll, charmant geraten und verrennt sich nicht zu sehr in Klischees. Und die Chemie zwischen Amft und Luca überzeugt. Als leichte Filmabendkost keine miese Wahl, aber halt auch nichts, wovon dringend ein Nachschlag her muss.

«Meine Mutter ist unmöglich» ist am 18. Mai 2018 ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.
Meinungen / TV-Kritik / Die Kritiker
17.05.2018 · 17:32 Uhr
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