Die Kritiker: «Kaltes Blut - Julia Durant ermittelt»

Der zweite Eintrag in die Sat.1-Filmreihe «Julia Durant ermittelt» bleibt auf ähnlichem Niveau wie der ernüchternde Auftakt.

Andreas Franz' Julia Durant-Kriminalromanreihe findet zum zweiten Mal den Weg ins deutsche Fernsehen: Nachdem im Dezember 2018 der Reihenauftakt Jung, blond, tot lief, zeigt Sat.1 nun die nächste Adaption eines Romans rund um Kriminalhauptkommissarin Julia Durant. Kaltes Blut – Julia Durant ermittelt ist jedoch weniger im Thrillergenre verortet als noch der (reißerische) Auftaktfilm. «Kaltes Blut - Julia Durant ermittelt» ist alltägliche Krimiware, garniert mit oberflächlichen Betrachtungen des Lebens und Kollektivdenkens in konservativen Dorfgemeinschaften.

Denn ein neuer Fall über verbotene Affären, vermisste Mädchen und Einwohner mit düsteren Geheimnissen führt Julia Durant raus aus dem mondänen Frankfurt, hin in das verklemmte, behäbige Dorf Ortkriftl. Zuvor sind zwei Schülerinnen, Kerstin (Nadine Schmidt) und Selina (Katharina Gieron), dorthin verschwunden – beide sind 16, aus instabilem Elternhaus und in Therapie auf dem Reiterhof 'Herzland'. Bei ihren Ermittlungen stößt Profilerin Durant rasch an ihre Grenzen. Als dann noch in einem nahegelegenen See Kerstins Leiche gefunden wird, muss sich Durant ihrem Kindheitstrauma stellen – sie wäre nämlich als junges Mädchen selbst fast ertrunken. Und dann fällt obendrein ihre engste Bezugsperson, ihr Vater Konrad (Germain Wagner), nach einem Herzanfall ins Koma. Die Uhr tickt unaufhaltsam ...


Das Skript reiht zahlreiche Enthüllungen, was sich in dem Dorf so abspielt, hintereinander. Doch allen thematischen Brandherden zum Trotz schleppt sich die Erzählung nur mühsam dahin – das liegt an der dramaturgischen Schwammigkeit des Films: Probleme werden angerissen und wieder liegen gelassen, die Kritik am scheinheiligen Dorfleben bleibt auf einem platten Niveau ohne Schärfe, den Tabubrüchen und Grenzüberschreitungen im Dorf fehlt es an erzählerischer Konsequenz und Aussagekraft. Und die Titelfigur bleibt so konfus geskriptet wie im ersten Film, selbst wenn Sandra Borgmann mit ihrem stringenten Spiel recht gut darüber hinwegtäuscht.

Regisseur Nicolai Rohde bricht wohl mit der bildsprachlichen Überhöhung, die Durants Profiler-Talent noch im ersten Part erfahren hat. Das macht einerseits die zahlreichen Patzer, die der bei aller Kühle eben doch vertrauensseligen Protagonistin widerfahren, leichter verdaulich, da das ihr im Skript angedichtete, immense (und eben doch nicht konstante) Können nicht mehr doppelt unterstrichen wird. Andererseits hemmt es die inszenatorische Güte der Reihe: Sah der erste Julia Durant-Krimi durchaus streckenweise überdurchschnittlich aus, haben hier nur ein paar farbkräftige Landschaftsaufnahmen und markante Einstellungen aus der Vogelperspektive einen denkwürdigen Flair. Gemeinhin ist Kaltes Blut sehr funktional in Szene gesetzt und von Kameramann Henner Besuch heller sowie flacher belichtet als es der Atmosphäre gut täte.

Wie schon die erste Julia Durant-Verfilmung lässt also auch diese Suspense auf der Plotebene und die filigrane Figurenzeichnung der Romanvorlage vermissen – darüber kann auch das konsequente Ende nicht hinwegtäuschen.

Sat.1 zeigt Kaltes Blut – Julia Durant ermittelt am Montag, 14. Oktober 2019, um 20.15 Uhr.
Meinungen / TV-Kritik / Die Kritiker
14.10.2019 · 06:18 Uhr
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