Die Kritiker: «Friesland – Hand und Fuß»

Große Namen vor und hinter der Kamera, aber ein flaches Skript: «Friesland – Hand und Fuß» ist eine sonderbare Erfahrung.

Bestatter Wolfgang Habedank ist ein peinlicher Fehler passiert: Er hat sein Handy verloren – und zwar im Sarg eines jüngst Verstorbenen, der zur Einäscherung im Krematorium bereitsteht. Als Habedank es wiederfindet, entdeckt er noch etwas, das nicht in einen Sarg gehört, nämlich einen zusätzlichen Fuß. Habedank informiert am nächsten Morgen die Polizisten Henk Cassens und Süher Özlügül, die ihm aber kein Wort glauben. Beweise hat er nicht zur Hand, da der Verstorbene mitsamt Sarg bereits eingeäschert wurde.

Auch Kommissar Jan Brockhorst zweifelt die krude Geschichte an. Nicht zuletzt, weil der Vorfall ungute Erinnerungen an einen ungelösten Fall aus Wilhelmshaven weckt: Hat ein Serienmörder, der Brockhorsts Festnahme einst entkam, etwa wieder zugeschlagen? Süher und Henk beschließen doch noch, der Sache nachzugehen. Bald darauf stoßen sie auf einen weiteren, makabren Fund: Eine Hand. Die Herzblut-Hobbyforensikerin Insa Scherzinger, die voll in die Hochzeitsvorbereitungen ihrer Freundin Britta eingespannt ist, untersucht die besitzerlose Hand – und macht eine schlimme Erkenntnis …

Von diesem Ausgangspunkt ausgehend bietet dieser «Friesland»-Krimi eine geradezu schockierende Parade an talentierten Darstellerinnen und Darstellern: Der Stammcast wird ergänzt durch Episodenrollen, die von Luise Heyer (Einmal bitte alles, Der Junge muss an die frische Luft), Philipp Hochmair (Charité), Sonsee Neu (Pastewka) und Holger Stockhaus (Sketch History) gespielt werden. Regisseurin Isabel Prahl (inszenierte den sensationellen 1000 Arten, Regen zu beschreiben) und das Casting-/Koordinationsteam haben hier erstaunliche Arbeit geleistet – solch ein Aufgebot in kleineren Rollen ist wahrlich nicht alltäglich, noch dazu in einer der "kleineren" Krimireihen der öffentlich-rechtlichen Sender.

Aber irgendwie kann der neunte Friesland-Teil den Verdacht nicht abschütteln, dass er nur Beschäftigungstherapie oder ein "Wir wollten halt alle mal zusammenarbeiten, und das hat sich als Gelegenheit ergeben"-Projekt ist: In «Friesland – Hand und Fuß» sind alle Charaktere, insbesondere die Episodenrollen, bestenfalls zweidimensional skizziert, die Geschichte plätschert vor sich hin und die komödiantischen Einlagen sind nicht nur rar gesät, sondern zudem so lasch umgesetzt, das sie nur selten zünden. Am ehesten funktionieren die freundlich-kollegialen Kabbeleien zwischen Maxim Mehmet als Henk Cassens und Sophie Dal als Süher Özlügül: Die Dialoggags wirken pflichtgemäß geschrieben, aber Dal und Mehmet sind eingespielt genug, um sie immer wieder erfolgreich zu Schmunzlern zu formen.

Ansonsten führt das Drehbuch von Christian Schiller, Marianne Wendt und Magdalena Grazewicz immer wieder Handlungselemente, potentielle Running Gags oder thematische Motive ein, nur um sie alsbald wieder aus den Augen zu verlieren. Mit dieser heißen Nadel gestrickt, bleiben der Krimiplot und die Charakterbögen dünn, doch Prahls Regieführung rettet, was noch zu retten ist:

Mit einem Auge für die schönen Winkel der Schauplätze und einem intuitiven Gespür dafür, wie Kamerapositionen und Schnitt den Humor oder charakterbetonte Seite einer Szene stützen, plätschert dieser Wohlfühl-Schmunzelkrimi wenigstens gut inszeniert vor sich hin – und Heyer sowie Neu spielen in ihren wenigen Szenen recht effektiv gegen das flache Material an. Unterm Strich bleibt «Friesland – Hand und Fuß» ein sonderbar unbedeutender Fernsehkrimi, in dem sich jede Menge Talent tummelt.

«Friesland – Hand und Fuß» ist am 14. Dezember 2019 ab 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.
Meinungen / TV-Kritik / Die Kritiker
13.12.2019 · 12:12 Uhr
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