Die Kritiker: Ein verhängnisvoller Plan

Eines Nachts schläft man mit einer alten Freundin und am nächsten Morgen muss man ihre Leiche im Wald verbuddeln. Für Benjamin Sadler scheint das mittlerweile Alltag zu sein.

Eines Morgens wacht man auf, und dann liegt da auf dem Flokati-Teppich vor dem Sofa die unbekleidete Leiche der Journalistin, die man gestern Abend noch mehrfach genüsslich geknallt hatte. Bevor man sich in der unerwarteten Situation überhaupt sortiert hat, rufen nun zu allem Übel auch noch Frau und Kinder vom Wochenendhaus an der Müritz an, um ihre baldige Ankunft anzukündigen. Wir kennen das alle.

Als gestandener Kriminalhauptkommissar weiß Jan Brenner (Benjamin Sadler) nun glücklicherweise, was zu tun ist: Leiche in den Wald bringen und dort verscharren, in die Wohnung der Toten einbrechen und dort jedes noch so kleine Fitzelchen mitnehmen, das mal ein Beweisstück werden könnte, und ganz wichtig: sich weder in der Familie noch auf der Arbeit von dem ganzen Stress etwas anmerken lassen.

Schon vor wenigen Wochen führte Benjamin Sadler im Montagsfilm Jenseits der Angst nichts Gutes im Schilde: Dort stellte sich seine Figur als raffgieriger Psychopath heraus, der seine Ehefrau zuerst in die Klapse tyrannisieren und später abmurksen wollte, um sich ihr einträgliches Unternehmen einzuverleiben. Hier ist seine Rolle im Mindesten ein Ehebrecher, vielleicht sogar ein Mörder, der in seinem eigenen Tötungsdelikt ermittelt. Dabei lässt dieser Film seine Zuschauer recht lange über den genauen Grad seiner Tatbeteiligung im Unklaren, und dringt trotzdem recht weit in sein psychisches Innenleben vor.

Dem steht allerdings der sendeplatzübliche Duktus mit seinen verkürzten Motiven, aufgesagten wie überfrachteten Dialogen und seiner konsequenten Intoleranz für Ambivalenzen entgegen. Um eine gewisse sozio-psychologische Fallhöhe einzubauen, wird aus dem dreitagebärtigen Geliebtenentsorger Jan Brenner der ehemalige Straßenköter, der sich aus dem sozialen Brennpunkt in die gesellschaftliche Mitte vorgearbeitet hat, und aus seiner Frau die sozial engagierte Millionenerbin, die für den Posten als Staatssekretärin rührselige Interviews gibt. Doch anstatt diese Konstellation elegant in den Subtext dieses Films und die Haltungen der Charaktere zu verweben, bleibt sie überflüssiges Hintergrundwissen – und verschenktes Potential. Wichtiger scheint indes, unbedingt die Brücke zu einem Altfall – dem des vermeintlich längst überführten „Hochhausmörders“ – zu schlagen, um am Schluss jeden noch so irrelevanten Nebenhandlungsstrang in einer ganzheitlichen Antwort aufzulösen.

Wie dramaturgisch tragfähig es sein kann, einen (vermeintlichen?) Mörder in seinen (möglicherweise?) eigenen Fällen ermitteln zu lassen, hat schon die amerikanische Serie Dexter vorgemacht. Doch nicht nur im Hinblick auf seine innovative und bisweilen provokante Idee bleibt Ein verhängnisvoller Plan weit hinter seinen erzählerischen Möglichkeiten und gerät stattdessen zu einem leidlich gewöhnlichen Film, in dem ein weiteres Mal Benjamin Sadler der Möglichkeit beraubt wird, mit echtem spielerischem Talent zu glänzen.

Das ZDF zeigt Ein verhängnisvoller Plan am Montag, den 14. Oktober um 20.15 Uhr.
Meinungen / TV-Kritik / Die Kritiker
14.10.2019 · 11:30 Uhr
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